Nein, danke! Wie sich Regensburger Wirte gegen Junggesellenabschiede wehren

Betrunkene Männer- und Frauenbanden, die mit Bauchladen bewaffnet von Kneipe zu Kneipe ziehen: Regensburg ist ein Mekka für Junggesell*innenabschiede. Wirte und Gäste haben darauf keinen Bock mehr - und eine Gegeninitiative gestartet.

Von: Miriam Harner

Stand: 19.05.2017 | Archiv

Junggesellenabschied Regensburg | Bild: BR

Sie sind eine Olympiade der Peinlichkeiten und der Zerstörungswut: Junggesell*innenabschiede. Hochgradig alkoholisierte Menschenhorden, die komplett enthirnt und fies kostümiert durch die Fußgängerzone torkeln und arme Unbeteiligte anquatschen - was nach einem Trash-Horrorfilm klingt, ist in Regensburg jedes Wochenende Realität.

Das sonst so idyllische Städtchen ist wegen seiner Kneipendichte ein beliebtes Ziel für Junggesell*innenabschiede aus der ganzen Region. Man könnte von einem richtigen Junggesell*innentourismus sprechen, meint Martin Stein, dem die Wunderbar in Regensburg gehört:

"Da kommen Busladungen an. Im Umkreis von 80-100 km reisen die aus irgendwelchen Dörfern an und steigen schon besoffen aus dem Bus aus. Und dann kommt noch dieser Mechanismus dazu, dass man weit weg von Zuhause ist und da kennt einen keiner und da kann man dann die Sau rauslassen."

Martin Stein, Wunderbar Regensburg

Auf ihrer Kneipen-Tour durch die Regensburger Innenstadt hinterlassen die Bald-Verheirateten und ihre Entourage dabei oft eine Spur der Verwüstung, erzählt der Barbesitzer: "Da werden dann Stühle durch die Gegend geworfen, wenn was geklaut werden kann, dann wird’s geklaut: Gardinen, Rollos hat mir letztens einer mitgenommen. Die liegen dann 100 Meter weiter irgendwo auf der Straße. Die Toilette wird nicht benutzt, sondern daneben defäkiert. Es ist kein Spaß mehr."  

Auch andere Regensburger Wirte haben die Nase voll von den wöchentlich wiederkehrenden Partytrupps. Sie haben deshalb eine Initiative gegründet und wollen Junggesell*innenabschiede in Zukunft nicht mehr rein lassen. Bislang beteiligen sich knapp 20 Kneipen an der Aktion. Die Resonanz der anderen Partygänger auf die Anti-Junggesell*innen-Initiative ist bislang groß - zumindest im Internet:

"Allein auf meiner Facebookseite von der Wunderbar in Regensburg hab ich Zustimmungsquoten, die hat früher die SED gehabt. Also des ist zu 100 Prozent, sagen die Leute, endlich, wie schön, man kann wieder raus, wir werden nicht mehr belästigt von übergriffigen Typen. Wie schön, dass ihr die nicht mehr reinlasst."

Martin Stein, Wunderbar Regensburg

Die Junggsell*innenenabschiedsfreien Zonen erkennt man an einem Aufkleber an den Eingangstüren der Bars und Kneipen. Darauf zu sehen: eine Karawane aus Strichmännchen, die auf Knien und mit Bierflasche am Mund ihrem betrunkenen Junggesellenkönig hinterherrutschen.

Sollte dieser Bann nichts nützen, haben die Regensburger Wirte noch einen besonderen Gruß für alle Junggesell*innen, die feiernd durch die Straßen der Stadt ziehen:

"Darüber hinaus wünschen wir jedem Junggesellen von Herzen, dass sein Abschied in jedem Detail eine Prophezeiung der ihm bevorstehenden Ehe darstellt."

Martin Stein, Wunderbar Regensburg

Sendung: Filter, am 18. Mai 2017 - ab 15 Uhr

Schlagworte:
ausgehen
ehe
gesellschaft
kultur
leben
lebensstil
party
protest
trends
zukunft