Studienförderung mal anders Es gibt jetzt ein Stipendium für schlechte Noten

Ein Stipendium gibt's nur für gute Noten? Von wegen. Ein Social-Start-Up dreht den Spieß um und vergibt 6.000 Euro für miese Leistungen. Einzige Bedingung: Man braucht einen guten Grund für die schlechten Noten.

Von: Kevin Ebert

Stand: 13.09.2017

Stipendium | Bild: BR

Studieren ist geil. Die meiste Zeit zumindest. Eigentlich immer - bis die Prüfungsphase kommt. Darauf haben die meisten eher weniger Lust. Kack Studium. Dementsprechend suboptimal fallen dann auch die Leistungen aus. Sind wir mal ehrlich: Im Durchschnitt pendelt sich die Note doch irgendwo zwischen einer grundsoliden "Auf jeden Fall bestanden"-2,7 und einer glücklichen "Knappe Kiste"-4,0 ein. Die Überflieger, die spielen aber in einer anderen Liga. Da verursacht eine 2,7 in der Hausarbeit gerne mal eine mittelschwere Daseinskrise. Schließlich will man das Stipendium ja nicht gefährden.

Von wegen, nur für Hochbegabte

Stipendium. Aha. Für viele nur ein Wort, das unter der hochbegabten Studenten-Elite kursiert. Eine Belohnung für besonders gute, ja gar hervorragende Leistungen. Leuchtet ein, irgendwie. Aber für die große Mehrheit der Studenten bleibt zwischen Hauspartys, Nebenjob und 24 Stunden-Seminararbeits-Marathon kein Platz für so ein Stipendium.

Das könnte sich jetzt aber ändern. Denn es gibt tatsächlich ein Stipendium für miese Studenten. 6.000 Euro für schlechte Leistung. Endlich erkennt mal jemand, was wir wirklich brauchen! Mindestens in einem Fach muss man unterdurchschnittlich sein – lässt sich einrichten.

Leider ist das aber nicht ganz so einfach. Das Stipendium für schlechte Noten, das vom Social Start-Up myStipendium.de vergeben wird, hat nämlich einen Sinn und der liegt dummerweise nicht darin, Faulheit zu belohnen. Die Förderung richtet sich an Studis, die trotz schlechter Noten weitermachen und ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren. Es geht um Menschen, die einen echten Grund für ihre standardmäßige 3,7 haben. Legasthenie zum Beispiel. Oder Burnout. Studierende, die ein Kind haben. Oder diejenigen, die trotz Bafög einen Nebenjob brauchen, um ihre Miete zu bezahlen.

Die Bewerbungsphase läuft

Eine Bewerberin hat eine chronische Krankheit und muss arbeiten, um sich ihre Medikamente zu kaufen. Das kostet Zeit und Kraft und darunter leidet am Ende auch das Studium. Ein anderer hat eine Initiative ins Leben gerufen, die Flüchtlinge betreut. Bei täglich zehn Stunden ehrenamtlicher Arbeit bleibt wenig Zeit zum Lernen.

Solche Leute wollen die Macher von myStipendium.de fördern. Stipendien sollten nicht mehr nur ein Privileg für Hochbegabte sein. Jeder sollte den Zugang zu finanzieller Förderung haben. Auch – oder vor allem – diejenigen, die  einen guten Grund für ihre miesen Noten haben. Die Höhe des Stipendiums liegt bei einmaligen 6.000 Euro. Mit denen kann man theoretisch anfangen, was man will. Im besten Fall soll die Kohle natürlich dazu beitragen, die Noten zu verbessern. Man kann also die Miete bezahlen und sich während der Prüfungszeit frei nehmen und lernen. Man kann eine Babysitterin arrangieren und büffeln. Oder man nimmt sich Nachhilfe.

Wer sich angesprochen fühlt, der kann sich noch bis zum 22. November bewerben. Bewerben kann sich übrigens jeder - hauptsache, man ist schlecht genug. Yolo.

Sendung: Filter, 13.09.2017 - ab 15 Uhr

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