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#menstruationmatters Meine Tage, mein Körper, mein Blut

Offen über seine Tage sprechen? Tabu! Frauen halten Krämpfe und Hormonchaos in der Schule, in der Uni oder bei der Arbeit immer noch möglichst geheim. Im Netz dagegen wird immer offener darüber geredet.

Von: Nina Pietschmann

Stand: 27.10.2016

Was hilft am besten gegen Krämpfe, was kann die Menstruationstasse alles besser als Tampons oder Binden: YouTube ist voll mit Tipps und Tricks rund um die Tage. Für viele Vlogger geht es nur um Geld durch Werbeeinnahmen, für andere aber auch um ein neues Selbstbewusstsein: Mein Körper, meine Tage, mein Blut.

Clara Henry ist YouTube-Star in ihrer Heimat Schweden. Nicht nur, aber vielleicht auch weil die 22-Jährige offen über ihre Tage vloggt. Sie posiert auch gerne mal als Model und hups, zeigt sich ein riesiger Blutfleck auf ihrem Hintern. Oder sie trägt einen vermeintlich mit Blut vollgesogenen Tampon als Ohrring. In ihrem Buch "Ja, ich habe meine Tage! So what?" schreibt sie über Menstruations-Mythen, Stimmungsschwankungen und Seximus. Schließlich gehören blöde Sprüche um die Tage für junge Frauen oft noch dazu – genauso wie Bloßstellungen.

Clara Henry will zeigen, dass die Menstruation nichts Ekliges oder Peinliches ist, sondern etwas ganz Natürliches.

"Blut passt einfach nicht zum Bild der perfekten Frau. Also machen wir das, was uns beigebracht wurde, nämlich: Es verstecken. Ich kenne eine Menge Mädchen, die vor ihrer ersten Periode noch nie etwas darüber gehört haben, also haben sie gedacht, dass sie verbluten oder so. Es ist ein Tabu."

Clara Henry

Eines, auf das viele offenbar keinen mehr Bock haben: In ihrem Heimatland Schweden ist Claras Buch ein Bestseller. Sie denkt, dass sich die Debatte gerade öffnet  - auch dank des Internets.

Auch die Feministin und Bloggerin Theresa Lehmann aus Berlin sieht das ähnlich. Wie so einige andere feministische Themen sei die Menstruation in der Popkultur angekommen. Von einem Hype will sie nicht sprechen, wohl aber dass das Thema ein viraler Hit geworden ist.

"Durch ganz unterschiedliche Aktionen, Bilder, wo die Aufmerksamkeit auf das Thema gezogen wurde. Jetzt stecken sich alle so ein bisschen damit an und es wird sehr viel darüber geredet und das ist sehr gut."

Theresa Lehmann

Beispiele gefällig?


Dieses Instagram-Foto der Autorin Rupi Kaur wurde von Instagram zuerst gesperrt, nach riesigem Protest im Netz aber wieder veröffentlicht.

Oder das T-Shirt-Design von Petra Collins für den US-amerikanischen Modekonzern American Apparel. Darauf zu sehen: eine blutende, behaarte Vagina, dazu Finger, die sie streicheln.

Theresa Lehmann ist sich sicher: Durch solche Aktionen ändert sich auch langsam in unserer Gesellschaft etwas.

"Es werden vielleicht junge Frauen auch anders auf die Straße gehen, weil sie mit einem anderen Bewusstsein an die Sache ran gehen und das ist ja wünschenswert. Zu wünschen wäre natürlich, dass es auch so bleibt."

Theresa Lehmann

Aber ist es dafür notwendig, dass Bilder von Donald Trump mit Menstruationsblut gezeichnet werden oder ein Marathon demonstrativ ohne Tampon oder Binde gelaufen wird?

Theresa Lehmann stellt die Gegenfrage: Warum bitte schockiert sowas überhaupt? Sie vergleicht das Ganze mit Splatterfilmen – auch da würden sich Leute aus Spaß angucken, wie Blut spritzt. "Aber wenn etwas, das die Hälfte der Bevölkerung einmal im Monat hat, sichtbar wird, dann fallen alle auf einmal in Ohnmacht?", fragt Lehmann.

Die schwedische Vloggerin Clara Henry betont, solche Reaktionen zeigen nur, wie schambehaftet das Thema einfach nach wie vor ist.

"Ich möchte überhaupt nicht provokativ sein, weil ich nicht denke, dass die Menstruation etwas ist, was provokativ sein sollte. Das zeigt nur, dass wir immer noch ein großes Problem haben."

Clara Henry

Dass es aber nicht immer Blut braucht, um das Thema offen anzugehen, zeigen Stars wie Lena Dunham, die auf Instagram erklärt hat, dass sie sich wegen Endometriose eine Auszeit nimmt.
Oder die Komikerin Amy Schumer, die auf die Frage, was sie trägt, bei der Emmy-Verleihung einfach mal antwortet: "Vivianne Westwood und einen OB Tampon."

Und die chinesische Schwimmerin Fu Yuanhui wurde weltweit im Netz dafür gefeiert, dass sie nach einem Wettkampf bei den Olympischen Spielen sagte: Es lief halt nicht so gut, weil ich meine Tage hatte.

Wie offen man über seine Periode spricht, soll am Ende jeder selbst entscheiden. Aber wenn der offensivere Umgang unserer Rolemodels dazu führt, dass Frauen bei dem Thema nicht mehr automatisch peinlich berührt flüstern und Männer sofort in den Abwehrmodus schalten – dann wäre schon viel gewonnen.

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