Kommentar zu transphobem Tweet von Matze Knop Nur weil man es Comedy nennt, ist es nicht plötzlich OK

Weil auf dem Cover des Playboy ein Transmodel zu sehen ist, will Komiker Matze Knop in Zukunft lieber die Zeitschrift "Jagd und Hund" kaufen. Das ist absolut daneben und zeigt, was Matze Knop ist: Outdated. Findet unser Autor.

Von: Kevin Ebert

Stand: 12.01.2018

Matze Knop beim Deutschen Radiopreis 2017 | Bild: picture-alliance/dpa

Matze Knop als Beckenbauer, Matze Knop als Podolski, Matze Knop als Klopp - Imitationen von Fußballern sind seine Nische und das schon eine halbe Ewigkeit. Klar, dass einem da schnell mal langweilig wird. Klar, dass man selbst irgendwann langweilig wirkt und jedes Beckenbauernsche "Ja gut, ehhhh" nur noch nervt. Zumindest wenn es von Matze Knop imitiert wird.

Die Hochzeiten des Matze Knop, die frühen 2000er, in denen er als "Supa Richie" durch die Comedylandschaft flog und in denen das Nachmachen von Fußballikonen etwas ganz Neues war, sind vorbei. Vielleicht hat er Angst still und leise in der Versenkung zu verschwinden und möchte jetzt auf Twitter dafür sorgen, dass man wieder über ihn spricht. Das würde zumindest diesen Tweet erklären:

Hintergrund ist das Playmate des aktuellen Playboys: Giuliana Farfalla. Sie ist die erste transsexuelle Frau auf dem Titel des deutschen Playboys, ist 21 Jahre alt und ehemalige "Germany’s Next Topmodel"-Kandidatin. Ein Transgender-Model auf dem Cover des altehrwürdigen Playboy?! Zu viel für Matze Knop. "Die Welt macht sich inzwischen mehr Gedanken über 1 Transgender, als über 1000 Kinder, die täglich in Afrika sterben", schiebt er nach, als die ersten empörten Kommentare auf ihn niederprasseln. Der gute alte Playboy, seit Jahrzehnten das ehrliche Magazin für den Mann, fernab von weichgespültem Gutmenschentum und political correctness. Da stellt sich Matze Knop wohl die Frage, warum die Macher jetzt auch auf diesen Solidaritätszug aufspringen: Muss das sein? Warum Fortschritt? Titten – und zwar die von echten Frauen – bis ans Lebensende!

Lieber Herr Knop, das ist sowas von nicht 2018!

Oberflächlicher Humor - Grenzen verschwimmen

Doch es ist wahrscheinlich nicht nur die Angst vor dem Vergessenwerden, die Knop zu seinen Tweets treibt. Es ist vor allem seine Einstellung, seine Art von Humor, oder als was auch immer man das bezeichnen möchte. Es ist sein Stil. Das zeigt ein Auftritt aus dem Jahr 2013. Da imitiert er den schwarzen Fußballspieler Ailton und sagt wörtlich "Ailton ist auch ein gutes Stichwort, um nochmal über die Affen zu sprechen. Nein, das ist fies, den nehm' ich zurück. So ein Affe hat nen viel größeren Wortschatz."

Der Humor von Matze Knop spricht genau die Menschen an, die sich weigern, diskriminierende Worte wie "Negerkuss" oder Beleidigungen à la "du Schwuchtel" aus ihrem Wortschatz zu streichen. Hat man schon immer gesagt, habt euch nicht so. Eine Einstellung, die feige und oberflächlich ist. Genauso oberflächlich kommt Knops Humor daher: Einfach, flach, anspruchslos. Mit dem Potenzial, eben auch mal ins rassistische oder wie im aktuellen Fall ins transphobe abzudriften. Die Grenzen verschwimmen. Ein bisschen wie bei Mario Barth, nur mit deutlich weniger Erfolg. Man darf sich über Knops Äußerungen zurecht aufregen und empören, denn er ist nicht einfach nur irgendjemand, dem mal ein Spruch, ein Witz rausrutscht, der kontrovers rüberkommt. Matze Knop ist professioneller Entertainer, jemand der für seine Shows ein Programm schreibt und sich stundenlang Gedanken über Reingeher und Pointen macht. Er improvisiert nicht. Er kalkuliert. Genauso durchdacht wie der Ailton-Affen-Witz ist auch sein Tweet zu Giuliana Farfalla auf dem Cover des Playboy.

Plumpe Comedy ist schlechte Comedy - und noch lange keine Satire

Damit wären wir bei der Gretchenfrage angelangt: Was darf Comedy? Knop selbst stellt diese Frage auf Twitter: "Wenn man keine Witze mehr über vermeintliche Randgruppen machen darf, grenzt man diese dann aus ? Und ab wann gehört man zu einer besonderen Gruppe? Gibt es sowas überhaupt? Ich weiß es gerade nicht." Matze Knop als scharfsinniger Satiriker, der alle gleichwertig aufs Korn nimmt? Eher nicht. Es reicht nämlich nicht, jeden schlechten und verletzenden Witz in die ominöse Satireschublade zu stecken. Denn auch wenn Satire alles (oder viel) darf – wenn sie plump ist und vollkommen ohne Kontext über die Lippen kommt, dann ist sie einfach schlecht. Gleiches gilt für Comedy und Humor. Vielleicht sollte Matze Knop lieber bei seinen Imitationen bleiben. Die sind wenigstens ab und zu lustig. Manchmal.

Sendung: Filter vom 12.01.2018 - ab 15 Uhr