Mit Foto-App durch die #DomRep Taugt Instagram als Reiseführer?

Einsame Strände, malerische Wasserfälle – bei Instagram sehen Reiseziele immer wunderschön aus. Wie viel Realität steckt in den gefilterten Pics? Katharina Kestler hat in der Dominikanischen Republik den Reality-Check gemacht.

Von: Katharina Kestler

Stand: 19.04.2017

Ein Paar fährt auf einer Quad am Strand entlang | Bild: BR/ Katharina Kestler

Die Dominikanische Republik – dieses Reiseziel löst bei vielen dieselben Bilder im Kopf aus: Horden von deutschen Pauschaltouristen, ein All-inclusive-Resort am anderen, Urlauber, die Hotel und Pool zwei Wochen lang nicht verlassen. Ich habe mit meinem Freund Felix Instagram nach Hashtags zu meinen Reisezielen in der Dom Rep durchsucht und versucht, dem Land mehr zu entlocken als diese Klischees.

Direkt der Anfang meines Insta-Checks ist allerdings ernüchternd, denn bei #domrep, #dominikanischerepublik oder #republicadominicana, finde ich vor allem solche Bilder:

Ich habe Angst, dass mir auf der Insel der Traumstrände langweilig wird und ich mich sattsehe an türkisblauem Wasser und weißem Sandstrand. Was ich nicht ahne: die Dominikanische Republik wird uns in den drei Wochen schnell zeigen, dass sie viel mehr kann als Traumstrand – den allerdings auch in ziemlicher Perfektion.

Für unsere erste Station, die Hauptstadt der Insel, ist Instagram als Reiseführer wenig hilfreich. Unter #santodomingo finde ich vor allem Werbung – und zwar nicht für Rum oder Zigarren, sondern für Tattoo- und Fitnessstudios, Abnehmpräparate und billige Klamotten.

Kaum ein Bild transportiert den morbiden Charme der karibischen Kolonialstadt, kein Bild eines ansprechend arrangierten Cappuccinos verrät mir, wo es den besten Kaffee gibt. Wir laufen also der Nase nach und entdecken zwischen den Touri-Standards per Zufall, was wir uns von Instagram erwünscht hätten: die kleinen, netten Läden weg von der touristischen Haupteinkaufsstraße El Conde. Zum Beispiel einen Radlverleih mit Beachcruisern und Mountainbikes und eine Bar, an der wir dominikanisches Craftbeer testen.

Bald merken wir, dass die Dom Rep durch etwas zu einem ganz besonderen Urlaubsziel wird, das eine Foto-App grundsätzlich nur sehr schwer vermitteln kann: durch den Charakter ihrer sehr entspannten und ebenso freundlichen Bürger, die, weil sie selbst aus ganz unterschiedlichen Ländern zusammengewürfelt sind, ein buntes Vorbild an Toleranz sein können.

Als zum Beispiel bei unserem Quad in der Nähe von Las Galleras – fast drei Stunden entfernt von unserer Unterkunft in Las Terranas – die Kette reißt, war die nächste Werkstatt (oder das was die Dominikaner als solche bezeichnen) zum Glück nur wenige Meter entfernt – und hatte ganz anders als zuhause sofort Zeit für uns.

Hier bringen Dominikaner normalerweise ihre geliebten und stets vorbildlich gepflegten Motorräder hin, auf Quads sind sie nicht unbedingt eingestellt. Aber die Mechaniker haben improvisiert. Das Ergebnis hat nicht mal 15 Euro gekostet und die Kette hielt den restlichen Urlaub.

Dominikaner mögen unkonventionelle, improvisierte Lösungen – das müssen sie auch. Die Dominikanische Republik ist ein Dritte-Welt-Land – viele Dominikaner leben in so genannten Barrios, kleinen Dörfern aus Hütten mit Wellblechdächern. In diesen Barrios wird die frisch gewaschene Wäsche grundsätzlich auf dem überall gespannten Stacheldrahtzaun aufgehängt – offenbar sehr behutsam, denn Löcher oder Rostflecken kann ich komischerweise nie entdecken.

Eine für deutsche Geschmäcker abstoßende Tradition, die nicht zur heilen Insta-Scheinwelt, aber dafür perfekt in die dominikanische Machokultur passt, ist der Hahnenkampf. Dieses Hobby der "Domis" findet man definitiv nicht auf Instagram und in die Kampfarenen verirrt sich mit Garantie kein einziger Tourist. Dafür lernt man dort, dass Sportwetten bei uns ziemlicher Kinderfasching sind.

Eines der beliebtesten Touristenziele und damit auch Instagram-Motive auf der Halbinsel Samana im regenreichen Norden der Dominikanischen Republik sind die Wasserfälle von El Limon. Auf Instagram wirken die Fälle meist wie ein einsamer, unbekannter Spot mitten im Dschungel.

In Wirklichkeit kommt man an El Limon nicht vorbei ohne einen Guide abwimmeln zu müssen, der einen zu den Fällen bringen will – Leihgummistiefel inklusive. Sogar die Polizei will uns welche andrehen! An einem Zöllnerhäuschen neben einem Souvenirshop mitten im Dschungel muss man 50 Peso bezahlen, um El Amirate – den mit 50 Metern höchsten der Fälle von El Limon bewundern zu können. Weil wir schon früh morgens dort sind, haben wir die Fälle für uns allein – den Touristenströmen begegnen wir erst auf dem Rückweg. Vom kühlen Bad und oder einem spektakulären Sprung von den Klippen halten uns allerdings die Wassermassen ab. Da es kurz vor unserer Ankunft ungewöhnlich viel und lange geregnet hat, führt der Wasserfall ungefähr das drei bis vierfache der normalen Menge. Nicht so einladend, aber umso beeindruckender.

Instagram vs. Realität: Anders als bei anderen #instapics vom #saltoellimon gibt's auf meinem Bild wegen der starken Regenfälle im November die ungefähr dreifache Menge an Wasser, keine türkisblaue Farbe und #klippenspringen war wegen der Wassermassen auch nicht drin. Auch ein heißes #bikinigirl das seinen kleinen Popo im Vordergrund in die Kamera hält, um die beeindruckende Größe klar zu machen, war leider keines verfügbar. Allein waren wir an dem Spot, der bei #insta gern mal #remote und #lonely aussieht, für den man aber 50 Pesos Eintritt zahlt, auch nur weil wir schon früh um sieben los sind. Trotzdem bläst einen der Wasserfall buchstäblich weg. 👌🏼 #instagramvsreality #realityrules #wasserfall #waterfalls #gochasingwaterfalls #mustdo #cascada #cascadalimon #cascadaellimon #carribean #karibik #samana #activeholiday #republicadominicana #dominicanrepublic #vacadom #hiking #mountains #mountainlove

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Auch wenn die Dom Rep in Wirklichkeit mindestens genauso schön ist wie auf Instagram, am Ende meines Experiments bin ich doch ziemlich ernüchtert. Als Reiseführer taugt die Fotoapp in der Dominikanischen Republik kaum. Die Insel ist nicht hip genug, als dass sie scharenweise Travelblogger anlocken würde – und der gemeine "Domi" selbst hat ganz andere Probleme als sich zu überlegen, wie er seine Dritte-Welt-Heimat möglichst "instalike" inszeniert. Es gelingt auch mir kaum, die Vielseitigkeit der Insel mit dem Smartphone festzuhalten – zu bunt, zu laut, zu widersprüchlich ist sie. Neben all der Schönheit gibt es im Alkohol ertränkte Auswanderträume, offensichtlichen Sextourismus oder vermüllte Strände. Das findet man auf Instagram nicht – denn die App ist verlogener als jeder Reiseführer. Schließlich will jeder Instagramer zeigen, dass ER den BESTEN Urlaub hatte.