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Open Air-Umweltschutz Grüner Wohnen auf Festivals

Moshen und Müll trennen: Um Campingplätze nicht dauernd als Schlachtfeld vorzufinden, machen sich Festival-Betreiber zunehmend Gedanken über Umweltschutz. Ihre kreativen Konzepte fordern die Besucher und machen sogar Spaß.

Stand: 26.06.2015

zelt mit baum | Bild: BR

Becher spenden statt werfen

Immer mehr Festivals kooperieren mit der Initiative Viva Con Agua. Der Verein unterstützt seit Jahren Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika und setzt sich dort für sauberes Trinkwasser sowie hygienische Sanitäranlagen ein. Auf Festivals nimmt Viva Con Agua Spenden für Trinkwasser-Projekte in Form von Pfandbechern entgegen. Wer seinen Pfandbecher abgibt, bekommt dafür frisches Wasser zum Durst löschen. Die Initiative ist auf mehr als 130 Festivals im deutschsprachigen Raum unterwegs, darunter auch auf vielen in Bayern.

Grüner Wohnen

Neben Containern zum Mülltrennen und veganem Bioessen (wie auf dem Münchner Tollwood) bieten manche Festivals mittlerweile auch eigene Campingplätze für "saubere" Besucher an. "Grüner Wohnen" heißt das Konzept. Wer auf den "sauberen" Campingplatz zieht, verpflichtet sich dazu, ihn picobello zu hinterlassen und in Sachen Lärm auf die Zeltnachbarn Rücksicht zu nehmen. Gibt's zum Beispiel beim Southside oder beim Chiemsee Summer.

Beim Chiemsee Summer wird inzwischen sogar der Strom nicht mehr aus Aggregaten bezogen, wie sonst auf Festivals üblich. Das gesamte Festivalgelände wird zu 100 Prozent mit Strom aus Wasserkraft versorgt. Dank selbst gebautem Trafo. Und eine festivaleigene Wäscherei säubert die Festivalklamotten zum kleinen Preis - grüner Vorteil: Das spart Gepäck und erleichtert die Anreise mit dem Zug.

Öko-Label für Festivals

Umwelt- und Naturschutz auf Musik- und Live-Events - diesem Gedanken hat sich die Initiative Sounds for Nature verschrieben. Der Verein will Festivals naturverträglicher gestalten und hat dazu einen Leitfaden an Umweltkriterien erarbeitet. Das sind zum Beispiel Selbstverpflichtungen, Müll zu vermeiden, Campingplätze sauber zu halten, Aggregate mit Biosprit zu betreiben oder Gäste zur Anreise mit den Öffis zu motivieren. Wer die als Veranstalter erfüllt, bekommt für sein Festival ein Öko-Siegel, mit dem er auch werben darf.

Auf dem Festival selbst versucht der Verein, Besucher, Musiker und Helfer für "Ecotainment", wie Sounds for Nature das Thema bezeichnet, zu sensibilisieren. Sounds-for-Nature-Festivals in Bayern sind derzeit das Pfingst Open Air und das Taubertal Festival.

Öffis statt Auto

Der Faktor mit der größten Umweltbelastung bei Festivals ist die Anreise. Je mehr Besucher mit dem Auto kommen, desto größer die CO²-Wolke. Manche Festivalmacher organisieren sogar Busse und Züge für ihre Crowd. Bestes Beispiel ist das Wacken Open Air: Busreise-Veranstalter karren Metaller aus ganz Europa nach Wacken. Damit läuft die Party schon während der Anreise zum größten Metal-Festival der Welt.

Ideal gelöst ist die Zugreise beim Chiemsee Summer, dort gilt das Festivalticket gleichzeitig für die Fahrt mit den regionalen Bahnanbietern. Das Konzept funktioniert: Nach Angaben des Veranstalters kommen bereits 60 Prozent der Besucher mit dem Zug.

Ökologische Aufwertung statt Festival-Trümmerhaufen

Wer sagt, dass das Festivalgelände nach der Sause für nichts mehr zu nutzen ist, lügt. Zumindest im Fall des Chiemsee Summer. Die Umweltbehörde hat dem Festival bescheinigt, dass das Gelände jetzt ökologisch wertvoller ist als zuvor. Unter anderem, weil die Veranstalter hunderte Sträucher, Bäume und Hecken neu gepflanzt haben.

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