5 Tipps für nachhaltiges Grillen Clean Heating

Aluschale mit Grillgemüse, Billo-Holzkohle und in Plastik verpacktes Fleisch: Wenn’s ums Grillen geht, können sich Umweltschützer schon einmal an den Kopf fassen. Dabei geht BBQ auch umweltfreundlich – mit diesen Tipps.

Von: Sümeyye Ugur

Stand: 07.07.2017

Nachhaltiges Grillen | Bild: BR

Tipp 1: Weniger ist mehr

Das wichtigste für deine gute Öko-Bilanz ist das, was man auf den Grill legt. Wer nur dicke Rindersteaks grillt, schadet dem Klima mächtig. Bei einem Grillabend mit acht Leuten kommen locker  18 Kilogramm CO2 zusammen, die für die Zucht und Verarbeitung des Fleisches draufgegangen sind. Das entspricht einer 120 Kilometer Autofahrt. Übrigens: Die CO2-Bilanz hat nicht unbedingt etwas mit Bio-Fleisch zu tun. Zum Teil ist der CO2-Fußabdruck da sogar höher als bei konventionellem Fleisch.

Nicht nur Vegetarier können mit Gemüse spaß beim Grillen haben. Das kann vielfältiger sein, als man denkt – gefüllte Champignons, gefüllte Paprika, Zucchini-Schiffchen und Grill-Kartoffeln. Am besten mit regionalen Zutaten mit kurzen Anfahrtswegen. Aber Finger weg von Grillkäse. Dessen Herstellung verursacht ebenfalls Unmengen an CO2. Als Faustregel gilt: Je höher der Fettgehalt, desto schlimmer die Klima-Bilanz.

Fazit: Wer auf Rindfleisch und Käse am Grillabend verzichtet, verursacht bis zu zwanzig Prozent weniger CO2.

Tipp 2: Der Grill

Der Holzkohlegrill mag der Klassiker unter den Grills sein, kann aber auch zur Umweltsünde werden: Pro Stunde grillen stößt ein Holzkohlegrill nämlich fast sieben Kilogramm Kohlendioxid aus – so viel fällt auch bei einer Autofahrt von 35 Kilometern an. Die Emissionen vom Grillgut kommen noch dazu.  

Wer keinen Bock auf Raucharoma hat, fährt mit einem Elektrogrill ganz gut. Der Energieverbrauch liegt knapp unter dem von herkömmlichen Backöfen. Pro Stunde kostet der Strom etwa 50 bis 60 Cent und im Idealfall zapft ihr sowieso Ökostrom an.

Gasgrills dagegen sind unter High-Tech-Grillern zwar der heiße Shit, werden aber mit Propan oder Butan betrieben – also nicht erneuerbaren und somit nicht-nachhaltigen Energien. Ganz neu auf dem Markt sind Solargrills. Die funktionieren, wie der Name schon sagt, mit Sonnenstrahlen und es soll angeblich kaum die Gefahr geben, dass etwas anbrennt. Das kostet allerdings - Einsteigermodelle gibt es für rund 350 Euro.

Wer also nachhaltig grillen will, der nutzt also am besten einen Solar- oder Elektrogrill. Die Menge an verursachten Treibhausgasen ist hier fast halb so gering wie beim Holz- oder Gas-Grill.

Tipp 3: Her mit der Kohle!

Manchmal hat man aber keine Wahl – oder steht einfach auf Rauchgeschmack. Wer also lieber mit Holzkohle grillt, kann trotzdem seine Öko-Bilanz verbessern.

Denn jährlich verbrauchen die Deutschen geschätzte 120.000 Tonnen Grillholzkohle und -briketts. Ein großer Teil kommt aus den Tropenwäldern in Südamerika. Dort werden immer mehr Urwälder abgeholzt. Das ist nicht nur ein Desaster für die dort lebenden Tiere, sondern auch fürs Klima.

Zumindest etwas besser wird’s für das Klima mit Holzkohle aus nachhaltiger Waldwirtschaft – sprich aus Wäldern, in denen genauso viele Bäume nachwachsen können, wie gefällt werden. Solche Holzkohle ist gekennzeichnet mit dem FSC-Siegel und garantiert, dass das Produkt umweltschonend hergestellt ist.

Und es gibt mittlerweile gute Alternativprodukte, die zum Beispiel aus Abfall- und Nebenprodukten der Industrie entstehen:

Briketts aus Olivenkernen brennen länger als Holzkohle und werden aus den Abfallprodukten der Olivenöl-Produktion gepresst. Für Kohle aus Kokosnussschalen wird kein Baum gefällt, sie besteht nur aus Kokosnussschalen. Und am Schluss bleibt so gut wie keine Asche im Grill übrig. Bambuskohle ist in Asien völliger Mainstream, hierzulande erst neu im Blick. Bambus wächst schnell nach, kann in drei Jahren geerntet werden und brennt dreimal so lange wie Holzkohle. Obacht: Beim Einkauf auf faire Arbeitsbedingungen und Güte-Siegel achten.

Tipp 4: Feuer machen auf die sanfte Art

Zum Anheizen braucht man keine Chemiekeulen mit umweltschädlichen Erdöl-Nebenprodukten wie Kerosin. Die verursachen beim Verbrennen schädliche Gase, die weder der Umwelt noch der Gesundheit gut tun. Das geht auch natürlicher. Stattdessen einfache Holzwolle oder nachhaltige Grillanzünder mit FSC-Prägung nutzen. Die stinkt nicht, kommt aus glücklichen Wäldern und ist nicht explosiv wie Brennspiritus und Co.

Wer Bock hat, kann sich auch ganz einfach seinen eigenen ökologischen Grillanzünder zusammenbasteln. Dazu alte Eierkartons mit Sägespänen, altem Kaffeesatz, Nussschalen oder ähnlichem brennbaren Abfällen befüllen und fest reindrücken. Dann das Ganze mit flüssigem Kerzenwachs übergießen, abkühlen lassen und voila – fertig ist der nachhaltige Grillanzünder. Bei Bedarf einfach ein Stück abreißen und den Grill damit befeuern.

Tipp 5: Müll adé!

Schon beim Einkaufen kann man darauf achten, möglichst wenig Müll zu produzieren: Am besten nur loses Gemüse kaufen, Fleisch vom Metzger besorgen und dort statt Plastiktüten das Fleisch in mitgebrachte Frischhaltedosen packen lassen. Geschirr und Besteck aus dem Küchenschrank ist die bessere Alternative zu Plastikbesteck – und macht sich toll im Picknickkorb. Aluschalen auf dem Grill braucht es übrigens nicht: Die können wunderbar mit großen Kohl-Blättern ersetzt werden, die nachher ganz einfach im Bio-Abfall landen. 

Sendung: Filter, 31. Juli 2017 - ab 15 Uhr

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