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Die Frage Neuer Beruf – besseres Leben?

Als Kind wollen wir Polizist oder Tierärztin werden. Aber später sitzen wir den ganzen Tag vorm Computer. Unser Autor ist für zwei Wochen aus seinem Bürojob ausgebrochen und hat den Traumberuf seiner Kindheit getestet.

Von: Sebastian Nachbar

Stand: 07.09.2012

Wenn ich groß bin, werde ich...

Angefangen hat alles mit ein bisschen Jobfrust, wie ihn wahrscheinlich jeder kennt. Wir saßen beim Mittagessen zusammen und ich habe erzählt, wie ich mich manchmal regelrecht zwingen muss, morgens aufzustehen, nur um dann den Rest des Tages vorm Rechner zu hocken. Abends, wenn ich den PC herunterfahre, kann ich oft nicht mehr sagen, was ich eigentlich gemacht habe. Wo ist das Ergebnis meiner Arbeit?

Am Tisch kannte jeder das Gefühl. Aber keiner traut sich, was dagegen zu tun. Alles hinschmeißen, einen neuen Job ausprobieren, vielleicht sogar den alten Traumjob aus der Kindheit... da fallen jedem sofort tausend gute Gründe ein, die dagegen sprechen. Die meisten finden sich mit ihrem Büroalltag ab. Im Vergleich dazu hat mein derzeitiger Job immerhin einen Vorteil: Ich kann einfach mal ausprobieren, wie es wäre, noch mal ganz neu anzufangen.

Ich hatte nämlich mal einen Traumberuf. Früher wollte ich Zimmerer werden. Häuser aus Holz bauen, braungebrannt auf dem Dach stehen, auf Wanderschaft gehen. Stattdessen sah mein Leben so aus: Abitur, Studium, Praktikum, Schreibtischjob. Und darum probier ich das jetzt aus. Ich will herausfinden, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich mich gegen Studium und für meinen Traumberuf entschieden hätte. Was wäre, wenn ich tatsächlich was Gescheites gelernt hätte? Hoffentlich finde ich am Ende eine Antwort auf unsere Frage im Juni: Neuer Beruf – besseres Leben?

Station 1: Kindheitstraum im Test

Bei strahlendem Sonnenschein auf einem Dachbalken stehen – so läuft das als Zimmerer, dachte ich.


Von wegen. Mein erster Tag im Traumjob meiner Kindheit war so ziemlich das Gegenteil davon: harte Arbeit im strömenden Regen. Hier findet Ihr meine Erfahrungen als Zimmerer in drei Teilen.




Am zweiten Tag kommen schon die Zweifel: Stimmt das Geld? Und wiegt der schönste Arbeitsplatz einen kaputten Rücken auf?



Nach einer Woche auf dem Bau fällt die Rückkehr ins Büro schwer. Und dann bietet ihm der Chef sogar noch einen Job an. Nimmt er an?

Station 2: Bei der Berufsberatung

Der Traum vom Neuanfang ernährt eine ganze Branche. Der Deutsche Verband für Bildungs- und Berufsberatung hat allein 650 Mitglieder. Dazu kommen noch viele freie Berater, die nirgends organisiert sind. Ihre Qualifikation ist oft fraglich – zumal sie für ihre Leistung oft mehrere hundert Euro verlangen. Daniela Riess-Beger legt viel wert darauf, glaubwürdig und seriös zu sein.

Sie ist Mitglied im Deutschen Verband der Bildungs- und Berufsberater und sie ist ausgebildete Psychologin. In ihrer Praxis in Starnberg habe ich mich einen Vormittag lang beraten lassen. Dabei beantwortet Daniela Riess-Beger auch die Frage, ob Kindheitsträume gute Ratgeber bei der Berufswahl sind und wann ein Jobwechsel glücklicher macht.


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