Männer und Schwangerschaftsabbruch So war es für mich, als meine Freundin eine Abtreibung hatte

Wie geht es eigentlich Männern, wenn ihre Partnerin eine Abtreibung hat? Darüber wird selten gesprochen. Patrick sagt, er wollte seine Freundin so gut es ging unterstützen – aber auch für ihn war es eine schwere Zeit.

Von: Theresa Authaler

Stand: 14.06.2017

Abtreibung Mann | Bild: BR

Patrick war in der 11. Klasse, als seine Freundin ihm sagte, dass sie schwanger ist. Geplant hatten die beiden das nicht. Und Patrick war schnell klar, dass er noch nicht bereit war, Vater zu werden. "Wir waren 18 Jahre, ich hatte da wirklich andere Sachen im Kopf", erzählt er. Seiner Freundin ging es wie ihm, er war erleichtert.

Patrick heißt eigentlich anders. Heute ist er auch nicht mehr 18, sondern ein paar Jahre älter. Für seine Freundin stand damals bald fest, dass sie die Schwangerschaft abbrechen lässt. Patrick hat sie zur Beratungsstelle und zum Arzt begleitet, er wollte so gut es ging für sie da sein. Gleichzeitig wusste er: Die endgültige Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung konnte und sollte nur sie treffen. "Ich hab mich auf jeden Fall die ganze Zeit eher in einer unterstützenden Rolle gesehen", erzählt er rückblickend. "Also nicht in einer selbstbeteiligten, weil – das war für mich schon klar und das würde ich so auch heute vertreten – in erster Linie geht es hier nicht um meinen Körper, sondern um den meiner Partnerin." Das bedeutet aber auch: Die Partnerin trifft im Zweifel eine wichtige Entscheidung für das Leben des Mannes mit. Patrick hatte das Glück, dass sie sich einig waren.

Während der Abtreibung saß er neben ihr

Patricks Freundin ist bei ihrem Entschluss geblieben und hat abgetrieben. Patrick war sogar im OP-Saal dabei und saß während der Operation an ihrer Seite.

Nach der Abtreibung hat sich das Verhältnis zwischen ihm und seiner Freundin verändert. Patrick hatte den Eindruck, dass etwas zwischen ihnen stand. "Ich weiß noch von meiner Seite, ich konnte nicht so gut damit umgehen", erzählt er. "Ich hab' dann auch immer gedacht, das wird jetzt auf mich bezogen, oder dass man mir da irgendwie nen Vorwurf macht." Mit seiner Freundin hat er darüber nicht gesprochen. Rückblickend glaubt er, dass er dafür noch zu jung war.

Männer brauchen mehr Unterstützung

Patrick und seine damalige Freundin sind heute nicht mehr zusammen. Wenn er an die Zeit des Schwangerschaftsabbruchs denkt, fragt er sich manchmal, ob er nicht auch bessere Beratung gebraucht hätte. Er hätte zum Beispiel gern noch besser gewusst, welche Unterstützung seine Freundin genau braucht. Er konnte damals auch noch nicht abschätzen, wie sich die Abtreibung auf ihn als Partner auswirken würde. "Diese Frage: Was macht das eigentlich mit jemandem, also was können da die Reaktionen sein? Die hab‘ ich mir damals nicht gestellt", sagt Patrick. "Und die habe ich dann eben im Nachhinein auch nicht verstanden." Er glaubt deshalb, dass es sinnvoll wäre, auch Männern bessere Unterstützung zu geben.

Der Schwangerschaftsabbruch war auch für Patrick als Freund und Begleiter nicht einfach. Trotzdem sagt er: Beratung für Männer ist nicht so wichtig, wie die Sicherheit, dass Frauen wirklich frei entscheiden können, ob sie ein Kind bekommen oder nicht. Sonst bestehe die Gefahr, dass viele Männer nicht helfen oder dem beistehen, was die Frau möchte, sondern versuchen, sie in ihrem Sinne zu beeinflussen: "'Her body, her choice - das finde ich wichtig."

Sendung: Filter, 14. Juni 2017 - ab 15 Uhr.