Tracks der Woche #29/17 Superfruit, Bdotissa, Honne, Casper feat. Drangsal, Kele Okereke

Die Tracks der Woche gehen Feiern: sie tragen auffällige Outfits, rücken mit ihrer gesamten Crew an, haben Bock zu tanzen und bleiben bis zum bitteren Ende – nur Einer wäre eigentlich lieber zu Hause geblieben.

Von: Sophie Kernbichl

Stand: 14.07.2017 | Archiv

Superfruit, Bdotissa, Honne, Casper feat. Drangsal, Kele Okereke | Bild: Superfruit, Bdotissa, Honne, Casper feat. Drangsal, Kele Okereke

Superfruit – Imaginary Parties

Ob Hemd mit Fischdruck, Anzüge mit Blümchenmuster, pinker Streifenpelzmantel oder nietenbesetzte Lederjacke – bei dem Klamottenfundus aus dem Video zu "Imaginary Parties" wird sogar Lady Gaga neidisch. Das Duo Superfruit mag es nicht nur optisch auffällig: Mit ihrer neuen Single verbinden Scott Hoying und Mitch Grassi ihre Vorliebe für spritzigen Pop mit augenzwinkerndem Gesang. Die beiden Texaner sind Gründungsmitglieder der mit einem Grammy ausgezeichneten A-capella-Gruppe Pentatonix. Sprich: Stimmlich ist hier so gut wie alles möglich. Ihr neues Projekt Superfruit hat als Youtube-Show angefangen, in der sie sich auf Künstler-Medleys spezialisiert haben. Jetzt machen die beiden mit ihrer Debüt-EP "Future Friends – Part One" ihr eigenes Ding. Und dabei geht es ihnen nicht darum, mit ihren hervorragenden Stimmen zu glänzen, sondern darum spaßige, LGBTQ-freundliche Pop-Dance-Musik zu machen.

Bdotissa – Do It Big

An Selbstbewusstsein hat es Bdotissa von Anfang an nicht gemangelt. Mit seiner Debütsingle "Bout it" hat der Newcomer letztes Jahr gleich mal geklärt, dass er in Sachen Flow und Wortgewalt mit jedem Big Player mithalten kann. Und auch wenn Bdotissa früher mit seinen Kumpels die Trap-Schiene gefahren ist, steht er mittlerweile nicht mehr auf genuschelte Wiederholungen und Zwischenrufe. Für den Augsburger machen einen guten Rapper seine Texte und Delivery aus, also die Art wie er seine Bars rüberbringt. Dementsprechend hagelt es auf seiner neuen Single "Do It Big" eine Zeile nach der anderen. Das heißt aber nicht, dass der Track todernst ist: "Do It Big" ist ein klassischer Turn-Up – inklusive Gangsta-Attitüde und bekennender Crewliebe. Den lässigen Beat – der dann aber doch ein bisschen vom Trap inspiriert ist – hat sein Buddy Crazy-T beigesteuert, der auch schon für Lloyd Banks und 2 Chainz gearbeitet hat.

Honne – Just Dance

Mit ihrem cleveren Debütalbum "Warm On A Cold Night" haben Honne letztes Jahr für Aufsehen gesorgt. Darauf haben die Londoner ihre ausgeklügelte Mischung aus Elektro und Soul zelebriert und sich anschließend damit einmal quer durch die Welt gespielt. Und dass der Sound von Honne auch live super funktioniert, wissen wir spätestens seit dem letzten Puls Open Air. Von der Festivalbühne ging es direkt zurück ins Studio – und schon hat das Duo wieder neues Material am Start. "Just Dance" heißt ihre neue Single, die dank Upbeat und Synthie – wie könnte es bei diesem Titel auch anders sein – äußerst tanzbar ist. Nachdem James Hatcher und Andy Clutterbuck in der Vergangenheit des Öfteren darauf hingewiesen haben, dass es sich zu ihrer Musik herrlich Kinder zeugen lässt, heißt es jetzt: auskuscheln und ab in den Club. Und dafür ist der schonungslos gut gelaunte Track "Just Dance" genau der richtige Anpeitscher.  

Casper feat. Drangsal – Keine Angst

Casper und Drangsal – diese Liaison ist gar nicht so frisch, wie es auf den ersten Blick scheint. Max Gruber a.k.a. Drangsal, der sich seit dem überschäumenden Hype um sein Debütalbum "Harieschaim" gerne als das Enfant terrible des deutschen Indies inszeniert, war bereits bei der letzten Tour des Rappers als Support dabei. Für diesen Herbst hat Casper sein neues Album "Lang lebe der Tod" angekündigt. Ja, diesmal kommt es wirklich. Als Beweis dafür gibt es nach dem düsteren Track "Sirenen" jetzt die nächste Single-Auskopplung "Keine Angst". Eine Symbiose der besonderen Art: Caspers unverwechselbarer, pulsierender Rap und der nebulös-hallende Refrain in bester New-Wave-Manier fügen sich perfekt zusammen. "Würd‘ lieber sterben als nach Hause gehen. Einfach loslassen im freien Flug", knüpft Casper an den Refrain an und unterstreicht damit die Mischung aus Endzeit- und Aufbruchsstimmung.

Kele Okereke – Streets been talkin’

Kele Okereke ist das beste Beispiel dafür, dass man problemlos gleichzeitig eine Band und eine Solokarriere haben kann: Letztes Jahr erschien das fünfte Bloc-Party-Album und für dieses Jahr hat der Frontmann der britischen Indie-Band eine neue Platte unter eigenem Namen angekündigt. "Fatherland" wird sie heißen und Ende Oktober erhältlich sein. Die vorab erschienene Single "Streets been talkin'“ lässt einen gehörigen Richtungswechsel vermuten: War Kele auf seinen bisherigen zwei Alben doch sehr elektronisch und basslastig unterwegs, liefert er mit "Streets been talkin'" eine folkige Singer-Songwriter-Nummer. Von der dafür obligatorischen Akustikgitarre begleitet, singt der 36-Jährige davon, dass seine feierwütigen Tage zwar gezählt sind, sein Partner das aber noch nicht so richtig einsehen will: "By now you should have known. All that glitter is not gold. And there are times we must say no".

Sendung: Freundeskreis, 17.07.2017 - ab 10.00 Uhr

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