Tracks der Woche #20/17 Shabazz Palaces feat Thaddillac, Japanese Breakfast, RIN, Liam X, Leyya

Der Traum vom Fliegen bei den Tracks der Woche: durch die Weiten des Weltalls gondeln, mit Hilfe diverser Substanzen durch die Nacht schwirren und der Schwebezustand als Bandphilosophie.

Von: Sophie Kernbichl

Stand: 12.05.2017

Shabazz Palaces feat Thaddillac, Japanese Breakfast, RIN, Liam X, Leyya | Bild: Shabazz Palaces feat Thaddillac, Japanese Breakfast, RIN, Liam X, Leyya

Shabazz Palaces feat Thaddillac - Shine A Light

Shabazz Palaces machen im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich abgespaceten HipHop. Das Duo - bestehend aus Rapper Ishmael Butler und Multi-Instrumentalist Tendai Maraire - hat sein neues Album "Quazarz: Born on a Gangster Star" nach einem außerirdischen Wesen benannt, das als musikalischer Abgesandter auf die Erde geschickt wurde. Ein Auszug aus dieser Mission ist die neue Single "Shine A Light": Unmittelbar nach einem klassischen Streicher-Intro schwebt der verzerrte Refrain wie ein Raumschiff durch die Atmosphäre. Dieser wird übrigens gesungen von Thaddillac, einem Musiker aus Seattle, der normalerweise für seine überragenden Gitarrenskills bekannt ist. Trotz dieser unterschiedlichen Einflüsse sind Shabazz Palaces tief im Herzen aber immer noch eine HipHop-Kombo. Deshalb darf der Rap-Part auch auf "Shine a Light" nicht fehlen. Bedächtig ziehen sich die Lines von Ishmael Butler wie ein roter Faden durch den nebulösen Track. 

Japanese Breakfast - Machinist

Gedämpfter Reis, Miso-Suppe und gegrillter Fisch - so sieht ein klassisches, japanisches Frühstück aus. Klingt gut, also warum nicht einfach mal ein Musik-Projekt danach benennen? Das dachte sich wohl auch Michelle Zauner aus Oregon, die bis vor ein paar Jahren noch mit ihrer Band Little Big League unterwegs war. Letztes Jahr hat sie als Japanese Breakfast ihr Debütalbum "Psychopomp" veröffentlicht und darauf den Tod ihrer Mutter verarbeitet. Mitte Juli dieses Jahres wird das neue Album "Soft Sounds From Another Planet" erscheinen. Und wie der Titel schon verspricht: Der Sound wird softer - aber nicht gewöhnlich. Erster Beweis dafür ist die Single "Machinist" über die Liebe zwischen einer Frau und einer Maschine. Musikalisch inszeniert durch die einerseits kühlen, computerbasierten Beats und den andererseits emotionalen Lyrics. Dazu schmuggelt sich gegen Ende noch überraschend ein Saxophon und macht die Sci-Fi-Liebesgeschichte perfekt.

RIN - Bros.

RIN, das ist der Kerl mit den langen, schwarzen Rasta-Zöpfen, der zusammen mit Yung Hurn letztes Jahr die Cloudrap-Hymne "Bianco" rausgehauen hat. Damals war der Rapper noch Teil des Rap-Kollektivs Live From Earth und hat in jedem Interview betont, wie revolutionär das ist, was er und seine Brudis da machen. Umso erstaunlicher war es, als es dann letztes Jahr plötzlich hieß, die Zusammenarbeit sei beendet. Es braucht schon ein gehöriges Selbstvertrauen, wenn man sich auf dem Höhepunkt des Hypes von einem der gefragtesten Labels trennt. Aber alles halb so wild. Die neue Single "Bros" zeigt, dass bei dem Rapper aus der Nähe von Stuttgart erfreulicherweise alles beim Alten geblieben ist: mit den Jungs hängen, Supreme feiern, Marlboro Gold rauchen und Gin trinken - das alles auf einem Beat von Produzent Minhtendo. Und weil RIN - wie er auf Facebook schreibt - keine Lust hat, Zeit mit Dingen zu verschwenden, die nichts mit Musik zu tun haben, gibt es Ende Juni sein Debütalbum "Eros".

Liam X - Morphin

Seine erste EP namens "Liam" hat einige Majors aufhorchen lassen, aber der Wahl-Berliner hat sich dazu entschieden, lieber selbst ein Label zu gründen. Denn so kann Liam X genau die Musik machen, die er auch machen will: international klingender Pop mit deutschen Texten und einer Prise Soul. Und wenn man mit Künstlern wie Bon Iver, The National oder Woodkid zusammengearbeitet hat, müssen ja zwangsläufig gute Einflüsse im Sound zu hören sein. Dass Liam X trotz so viel Erfahrung noch kein Album veröffentlicht hat, liegt vor allem an seiner perfektionistischen Art. Lange soll es aber nicht mehr dauern - und bis dahin gibt es vorab den neuen Track "Morphin": ein elektrolastiger, trotziger Trennungssong mit viel Atmosphäre.

Leyya - Zoo

Ihr erstes Album heißt "Spanish Disco" und klingt dabei weder nach Spanien, noch nach Disko. Aber das soll so sein, denn Leyya mögen es, wenn man ihr Konzept nicht gleich auf Anhieb versteht. Die Österreicher überraschen gerne. Zum Beispiel damit, dass ihre Songs eigentlich sehr elektronisch daherkommen, sie live aber den Computer gerne mal gegen Gitarren tauschen und ihre Tracks in Rock-Versionen spielen. Und mit dieser etwas eigenwilligen Strategie fährt die Band um Sängerin Sophie Lindinger und Produzent Marco Kleebauer ziemlich gut: Dieses Jahr haben sie sich gegen ihre Kollegen Vodoo Jürgens und Mavi Phoenix durchgesetzt und den FM4-Award eingesackt. Was andere von ihnen halten, ist der Band aber immer noch egal. Auf ihrer neuen Single "Zoo" beteuern sie mit engelsgleicher Stimme "Don’t give a shit that they talk about me". Besonders fein das Video dazu: vertauschte Rollen inklusive gelangweiltem Gesichtsausdruck.

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