Tracks der Woche #11/17 Kasabian, Animal House, Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi, Howling, Hajk

Mexican Stand-Off bei den Tracks der Woche: Gitarrenrock-Ultras gegen Synthie-Liebhaber und dazwischen ein verschrobener MC, der ein Fabelwesen beschwört - eine musikalische Pattsituation.

Von: Sophie Kernbichl

Stand: 17.03.2017

tracks-der-woche-12-2017 | Bild: Kasabian, Animal House, Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi, Howling, Hajk

Kasabian – You're in Love with a Psycho

Rock'n'Roll ist eigentlich ein ausgelutschter Begriff, aber zum Kasabian-Sound passt er doch perfekt. Zugegeben, das ein oder andere graue Haar hat sich bei der Band mittlerweile eingeschlichen, aber Friese und Skinny Jeans sitzen. Mit "You're in Love With a Psycho" bringen uns Kasabian den Sound der 00er-Jahre zurück - ganz ohne Synthesizer oder sonstige Soundexperimente. Gitarrist und Songwriter Serge Pizzorno sagt, dass er in letzter Zeit viel Post-Punk gehört und sich daraufhin nochmal neu in seine Gitarre verliebt hat. Zu dieser bedingungslosen Liebe passt dann auch die Songzeile "You're in love with a psycho and there is nothing you can do about it".

Animal House – English Girls

Die ersten zehn Sekunden von "English Girls" laufen und man denkt sofort: Ah, The Vaccines. Aber Moment mal, die Stimme ist etwas rauer, die Gitarrenriffs verzerrter und das Ganze klingt irgendwie dreckiger. Tatsächlich stecken hinter diesem Garage-Rock-Sound nämlich vier Australier, die sich Animal House nennen. Warum sie dann von englischen Mädchen singen, die dummerweise grundsätzlich vergeben sind? Weil die Band vor einiger Zeit den Wohnort und damit Bristol gegen Brighton getauscht hat und jetzt in England wohnt. Dieses Unternehmen wäre allerdings zwischendurch fast an Visa-Problemen gescheitert. Nach viel Papierkram können sich Animal House dafür jetzt mit dem Titel "Exceptional Talent Migrants" schmücken und sich wieder voll auf ihre Musik konzentrieren. Höchste Zeit also, das europäische Festland von sich zu überzeugen - und zwar am besten live: Im Mai starten sie ihre Tour mit Stopps in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi – Wobwobwob

"Unsere Nichtigkeit heißt zum einen Peng und Sie zum anderen herzlich willkommen". 2013 musste sich Multitalent Käptn Peng auf der ersten Single des Albums "Expedition ins O" noch vorstellen. Mittlerweile sollte sich rumgesprochen haben, wer der Kerl ist, der nicht nur um die Ecke, sondern gleich um den ganzen Block zu denken scheint. Vier Jahre hatten wir jetzt Zeit die so irrsinnigen wie genialen Texte des Berliners auswendig zu lernen. Währenddessen hat der Käptn aka Robert Gwisdek ein Buch geschrieben und diverse Features mit seinen Labelkollegen von Kreismusik fabriziert. Aber jetzt melden sich der MC und seine Band höchstpersönlich mit der ersten Single aus dem kommenden Album "Das Nullte Kapitel" zurück.  In "Wobwobwob" geht es um das Fabelwesen "Wob" – und dabei irgendwie auch um alles und nichts. Tatsächlich könnte die neue Single auch easy der Hidden Track vom alten Album sein, was im Fall von Käptn Peng ein Kompliment ist.

Howling – Phases (Radio Edit)

2012 hat der deutsche DJ Frank Wiedemann aus dem Song "Howling" von Folk-Pop-Musiker Ry X eine Elektro-Version gemacht. Das Ergebnis überzeugt den Original-Sänger so sehr, dass die beiden kurzerhand das gleichnamige Duo Howling gründen. Ihre Zusammenarbeit ist geprägt von Intuition und Improvisation - trotz der sehr unterschiedlichen Hintergründe der beiden Künstler: Ry X ist auf einer kleinen, australischen Insel in hippieeskem Umfeld aufgewachsen, während Wiedemann seine Jugend in der 300.000-Einwohner-Stadt Karlsruhe verbracht hat. 2015 erschien auf Monkey Records, dem Label von Moderat, ihr erstes gemeinsames Album "Sacred Ground". Mit der aktuellen Single "Phases" beweisen Howling einmal mehr wie gut einfühlsamer Gesang und softe Elektrobeats zusammenpassen. Besonders dem letzten Drittel des Songs hört man durch die leicht nervösen, ausbrechenden Vocals den Freigeist-Charakter seiner Urheber an.

Hajk - Magazine

Was tun, wenn einem diese eine Person partout nicht aus dem Kopf gehen will, auch wenn man sich mit allen Mitteln versucht abzulenken? Gar nichts. Außer "Magazine" von der norwegischen Alternative-Pop-Band Hajk hören. Die haben nämlich genau das gleiche Problem und einen Song draus gemacht. Der klingt dank des unbeschwerten Falsettgesangs von Sängerin Sigrid Aase, dem verhaltenen Synthie-Einsatz und den leichten Gitarrenakkorden aber mehr nach in der Sonne liegen als zu Hause heulen. Das passt auch besser zu Hajk, denn dass die Mitglieder der fünfköpfigen Band keine Stubenhocker sind, deutet schon ihr Name an. Hajk ist eine pädagogisch wertvolle Form des Orientierungslaufes aus der schwedischen Pfadfinderbewegung. Die Früherziehung hat funktioniert. Wie Brotkrumen haben Hajk bereits letztes Jahr ein paar Songs ausgestreut, damit wir auch zuverlässig den Weg zu ihrem im Februar erschienenen Debütalbum "Hajk" finden.

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