Band der Woche // Lost Name Der bayerische Conor Oberst

Lost Name gehört zu einer Singer/Songwriter-Generation, die auf Stilgrenzen keinen Bock hat. Der Solokünstler loopt und sampelt sich selbst bis zur Post-Rock-Ektase - und erschafft dabei ein neues Genre: Post-Singer/Songwriter.

Von: Vanessa Patrick

Stand: 20.03.2017

Musik für...

...Leute, die eine ungewöhnliche Schnittmenge an Lieblingsbands haben. Einerseits schreibt Lost Name recht einfache Songs mit Akustik-Gitarre und Gesang als Hauptbestandteilen. Er klingt stellenweise wie der bayerische Conor Oberst. Andererseits bekennt sich der Hardcorefan der englischen All Tomorrow's Parties zu seinen Postrock-Wurzeln: Bei den noisigen Ausbrüchen und Soundwänden hört man den Einfluss von Mogwai oder Godspeed You! Black Emperor. Damit kreiert Lost Name ein völlig neues Genre: Post-Singer/Songwriter.

Mögen wir, weil…

...kein Mensch Genregrenzen und Schubladendenken braucht. Lost Name ist kein klassischer Songschreiber, er sampelt seine Musik lieber mit einer Loopstation. So kann der Münchner mehrere Gitarrenspuren übereinander türmen, bis am Ende eine sich ständig wiederholende Soundwand entsteht - wie man es eben aus dem Post-Rock kennt. Mit diesem experimentellen Ansatz sticht er ganz schön heraus aus der aktuellen Singer/Songwriter-Szene.

Was man wissen muss...

"Silent Friend" ist nicht nur ein Albumtitel, sondern auch das Thema, das in vielen seiner Songs vorkommt. Freunde ziehen weg, man trifft sie wenn überhaupt, dann in Chatrooms, bis irgendwann nur noch die Facebook-Freundschaft bleibt. Diese Entwicklung verpackt der Singer/Songwriter gekonnt melancholisch.

Bester Moment...

...war für Lost Name wohl, als er es nach vier Jahren endlich schafft, das Album fertigzustellen. In Würzburg und München sind Ideen immer wieder verworfen, reflektiert, weiter aufgenommen und verfeinert worden. Bis er nach Berlin gegangen ist und zusammen mit dem ehemaligen Tomte-Mitglied Simon Frontzek den Aufnahmeprozess beendet hat. Zwei Wochen nach dem gemeinsamen Produzieren der Platte hat Frontzek bei Lost Name angerufen: "Ich habe das ganze Album jetzt nochmal mit etwas Abstand gehört und es ist wahrlich kein Kind von Fröhlichkeit geworden."

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HipHop
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