Sausage Party beim Deutschen Musikautorenpreis Wie die GEMA sehenden Auges in einen Shitstorm gesegelt ist

Am 15. März verleiht die GEMA zum 10. Mal den Deutschen Musikautorenpreis. In der Kritik steht sie schon jetzt: Weil unter 21 Nominierten nur eine einzige Frau ist und die Jury komplett aus Männern besteht. Autsch.

Von: Malte Borgmann

Stand: 08.02.2018

Ein Notenschlüssel in Penisform | Bild: BR

Die Kommentare auf Facebook sprechen eine eindeutige Sprache:

"Für mich ist das als Frau in der Musikwelt leider ein Schlag ins Gesicht. Es gibt so viel weibliches Talent, das endlich gefördert werden muss! So wird das nichts…"

"Liebe Gema, der seit Jahren auffällige Trend beim Musikautorenpreis wird damit auf die Spitze getrieben - diskriminierend und peinlich!"

"Mich nervt diese Gender-Debatte eigentlich selbst, aber das ist doch nun wirklich rückständig. Wir leben doch nicht mehr in den 50ern!"

Klingt nach Shitstorm, könnte man sagen.

Aber wie kam's dazu? Am Mittwoch hat die GEMA die Nominierten für den Deutschen Musikautorenpreis 2018 bekanntgegeben. Diese Auszeichnung wird vergeben an Musikschaffende, also Komponist/innen und Textdichter/innen aus den verschiedensten Sparten und Genres – dieses Jahr zum mittlerweile zehnten Mal. Der runde Geburtstag aber scheint zum PR-Desaster zu werden: Weil Balbina die einzige Frau unter 21 Nominierten ist. Und die siebenköpfige Jury gleich mal komplett aus Männern besteht.

Das sieht nicht nur katastrophal aus, das ist es auch

Dass das – erst recht in Zeiten von #metoo, #aufschrei und intensiv geführten Sexismus-Debatten – negativ aufstößt, gibt auch die Pressesprecherin der GEMA, Ursula Goebel, zu: "Es ist klar, dass das kein gutes Bild abgibt. Dass wir eine Riege an Nominierten haben, die überwiegend männlich dominiert ist, das ist nicht gut."

Ähnlich sieht das der Sprecher der Jury, der Musiker und Songwriter Sera Finale: "Das sieht natürlich nach außen hin katastrophal aus, und ich sehe das auch und finde das auch überhaupt nicht gut, dass die Jury nur aus Männern besteht."

Wie es trotzdem zu dieser einseitigen Konstellation von Jurymitgliedern und Nominierten kommen konnte? Nun, zum einen wird die GEMA (wie die Musikindustrie insgesamt) rein zahlenmäßig immer noch von Männern dominiert: Nur 14 Prozent der musikschaffenden GEMA-Mitglieder sind weiblich. Was die Zusammensetzung der Jury angeht, die von den Nominierten und Preisträgern der Vorjahre gewählt wird, erklärt Ulrike Goebel außerdem:

"Es gab eine ganze Reihe von Frauen, guten und erfolgreichen Frauen, die für die Jury nominiert wurden, aber abgesagt haben oder das Jurorenamt abgelehnt haben. Entweder weil sie auf Tournee sind und zeitlich nicht verfügbar sind, aber oftmals auch – das erlebe ich immer wieder – weil sie sich nicht trauen. Weil sie sich nicht exponieren wollen, weil sie Sorge haben, dass sie dort andere Autoren wählen und bewerten müssen. Vielen Frauen fällt dieses Jurorenamt schwer – und den Männern weniger."

- Ulrike Goebel, GEMA-Pressesprecherin

Ob eine Quotenregelung ein geeignetes Mittel wäre, um in Zukunft für mehr Diversität unter Jury und Nominierten zu sorgen, darüber wird in der GEMA noch gestritten:

"Bislang haben wir die Quotendiskussion nicht geführt, weil wir bis dato immer eine sehr gute Verteilung hatten von Nominierten und Preisträgern einerseits, aber vor allem auch von Juroren und Jurorinnen. Das ist dieses Jahr in der Tat ein sehr unglücklicher Fall, den wir auch kritisch beobachten und auch schon im Rahmen des Kulturausschusses, der für den Musikautorenpreis zuständig ist, diskutiert haben. Die Frage, wie sich das für 2019 auswirken wird, ob wir sagen werden, 'Wir brauchen eine Frauenquote in der Jury!', das kann ich jetzt noch nicht beantworten."

- Ulrike Goebel, GEMA-Pressesprecherin

Jurysprecher Sera Finale hat derweil in einem Statement zahlreiche Kolleginnen für den Musikautorenpreis 2019 nominiert. Auch dieser Post hat zu kontroversen Diskussionen geführt. Aber immerhin: Diskussionen sollen ja zum Nachdenken anregen. Mal sehen, ob es kommendes Jahr so etwas wie einen Lernprozess gibt.

Sendung: Filter vom 08.02.2018 ab 15 Uhr