Diskussion: Wie wird München zur nächsten Popcity? München braucht eine Popkultur-Strategie

Zu wenig Proberäume, zu wenig Platz, zu teuer. München ist für Musik und Subkultur kein guter Standort. Wie sich das ändern könnte, diskutierten PULS und SZ im Bahnwärter Thiel. Aber auch dieser schließt heute seine Tore!

Von: Christine Auerbach

Stand: 16.02.2017

Podiumsdiskussion von PULS in München | Bild: BR

"Ich will nicht nach Berlin – wie wird München zur nächsten Popcity?" Bei der Diskussionsrunde zu diesem Thema stellt Münchens zweiter Bürgermeister Josef Schmid, CSU, gleich zu Beginn klar: Die Stadt will weg vom Wiesn-Image, hin zum Kulturgenuss. Die Frage ist nur: wie? Und für welche Kultur? Die Subkultur hat es in der Stadt seit Jahren schwer. Es gibt zwar kleine Oasen, wie das Bahnwärter Thiel oder andere Zwischennutzungsorte, aber eine langfristige Strategie, wie man die Popkultur in der Stadt halten und fördern kann, die fehlt.

Selbst eine Band wie Claire probt inzwischen eine Stunde außerhalb von München, weil sie in der Stadt keine bezahlbaren Bandräume findet.

"Wir haben in München in einem Raum ohne Fenster geprobt, da kann man auf Dauer nicht kreativ sein. Jetzt fahren wir jeden Tag eine Stunde raus und eine Stunde wieder rein in die Stadt. Es ist gut, dort wo wir sind, aber wir würden gerne auch wieder in München proben."

Josie-Claire Bürkle, Claire

Auch das Bahnwärter Thiel ist eigentlich nur aus der Not heraus entstanden: Der Gründer Daniel Hahn sucht und bespielt Brachflächen, weil er keine Orte in der Stadt gefunden hat, an denen er dauerhaft sein Zirkuszelt und seine Bahnwaggons aufbauen kann. Man könnte jetzt sagen: Not macht erfinderisch. Aber eine dauerhafte Popkultur-Förderung sieht anders aus.

"Wenn München Popcity werden will, muss man die aktive Entscheidungen treffen, der Kunst Raum zu geben. Es geht dabei nicht nur um Musiker, sondern auch um alles darum herum: Musikbusiness, Publikum, Freiräume. Wenn ich Geld von der Stadt bekäme, würde ich vor allem solche Freiräume für die unterschiedlichsten Arten von Kunst schaffen."

Julia Viechtl, Fachstelle Pop im Feierwerk.

Bürgermeister Josef Schmid beteuert, dass diese Nachricht bei der Stadt angekommen ist: "Wir haben in München eine Popkulturszene, die sich herzeigen lässt. Es muss jetzt ein Gesamtkonzept her, um die Szene sichtbar zu machen." Schmid verspricht konkrete Schritte: "Ich werde jetzt Gespräche im Stadtrat führen, damit eine Strategie kommt. Das ist mein erklärtes Ziel. Es ist Zeit dafür."

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