Interview mit Kraftklub "Unsere Ex-Freundinnen streiten sich darum, an wen der Song gerichtet sein könnte"

Er hat "Huuuuuuure" gesagt! Felix Brummer, der Sänger von Kraftklub, ist mies gelaunt und dann brennt auch noch ein riesiges K! Was für ein Comeback für die Band aus Karl-Marx-Stadt.

Von: Malte Borgmann

Stand: 17.03.2017 | Archiv

Kraftklub Interview | Bild: Screenshot

Das große K ist ihr Markenzeichen: Und nein, es ist nicht der Klu-Klux-Klan gemeint. Kraftklub sind nach drei Jahren der Abstinenz mit neuem Song und neuem Album zurück. Nach "Mit K" und "In Schwarz" kommt passend für die Festival-Saison die dritte Platte der Kombo: Am 2. Juni erscheint "KEINE NACHT FÜR NIEMANDEN".

PULS: Die neue Single "Dein Lied" ist draußen und die Fans reagieren schon wie die Wahnsinnigen. Ich habe einen Kommentar gelesen von einer gewissen Nathalie, die schreibt zum Beispiel auf Facebook: "Seit zwei Jahren versuche ich meinem Freund Florian zu vermitteln, dass ich das Wort Hure nicht hören möchte – jetzt singe ich lauthals 'Du verdammte Hure'. Erziehungsmaßnahme gegen Null, danke Kraftklub."

Felix Brummer: Da fragt man sich ja, in welchem Zusammenhang ihr Freund sie Hure nennt. Also da würde ich mir eher Gedanken machen über die Beziehung mit dem Freund, Nathalie.

Also Florian hat jetzt nicht von euch den Persilschein für permanentes H-Word-Dropping?

Ey, auf keinen Fall.

"Dein Lied" ist ja quasi Elton Johns "Your Song" in der post-breakup Variante…

Ja klar, quasi ja.

Du singst: "Du hast ständig gesagt, schreib mir mal ein Lied". Ist das so ein klassisches Musiker-Dilemma: Egal mit wem man zusammen ist, der- oder diejenige erwartet insgeheim immer, dass sie oder er einen Song gewidmet kriegt?

Ja, vielleicht so ein bisschen, wahrscheinlich schon. Unsere ganzen Ex-Freundinnen streiten sich darum, an wen der Song gerichtet sein könnte.

Okay, aber ihr haltet euch bedeckt?

Selbstverständlich. Das muss geheim bleiben.

Es gibt im Internet einen Artikel mit der Überschrift "Warum du niemals einen Musiker daten solltest". Eine der Gründe lautet: Solange ihr zusammen seid, wird er niemals ein Lied über dich schreiben. Warum kriegen Musiker das meistens immer erst im Nachhinein hin?

Wenn ich in einer glücklichen Beziehung bin und einen Song schreibe, dann wird der scheiße. Also ich persönlich kann nur Songs schreiben über schlechte Erfahrungen. Das hat irgendwie für mich mehr Kraft. Aber Cro, der hat bestimmt schon der ein oder anderen Freundin, mit der er zusammen war, einen geschrieben, worüber sie sich gefreut hat. Ich kann halt einfach per se nicht so viele positive Songs gut schreiben. 

Okay, du bist also eher im Negativen zu Hause…

Ja genau und negativ ist dann ja erst die Trennung.

Der Song ist der erste Vorbote zum neuen Album. Der Sound ist ein bisschen anders, mit Orchesterbegleitung und Pipapo. Seid ihr in eurer größenwahnsinnigen Streicherphase angekommen? Wird das jetzt euer "S&M"?

Ja, natürlich, das wird unser Bombast-Album. Jetzt haben wir den ganzen Vorschuss nur für die Produktion verkloppt . Wir haben mit London Symphonic Orchestra das ganze Ding in bombast aufgezeichnet: 12 Songs verwoben in einem großen Streichgewand.

Es ist ein Konzeptalbum geworden, oder?

Ein großes Konzeptalbum. Es werden nur Songs über diese eine Frau drauf sein. Und die heißen auch nur Hure 1, Hure 2, Hure 3. Es wird einfach die komplette Beziehung in einem großen Bombast verarbeitet.

Sehr schön, ich bin schon sehr gespannt. Ist ja auch klassischerweise so das Ding, oder? Drittes Album, da muss man dann als Band seinen Sound so ein bisschen rebooten.

Ja, also naja… Der Song ist ja rausgekommen ohne Vorankündigung oder so. Und ich fand es dann schon relativ lustig zu sehen, dass das unsere Fans auch teilweise sehr irritiert hat. Was das jetzt soll und so. Und das stimmt, ich hätte es jetzt nicht so geil gefunden, wenn wir mit dem dritten Album jetzt einen neuen Song rausgehauen hätten und die Leute so: "Joah, ist halt ein typischer Kraftklub-Song."

Kann man denn auch schon was über das Album verraten? Verstecken sich da auch Veränderungen und Irritationsmomente? 

Ja, das auf jeden Fall. Aber ich will davon jetzt noch nicht so viel verraten. Was ich sagen kann: Es wird auf jeden Fall, bevor das Album kommt, noch mindestens eine weitere Single geben. Da wird man dann wahrscheinlich auch merken, wie das Album so ein bisschen ist.

"Keine Nacht für niemand" klingt so ein bisschen nach substanzgeschwängerten Endlos-Sessions im Studio. Ich habe allerdings gehört, ihr seid da eher recht stabil unterwegs? So mit vormittags anfangen und abends schön pünktlich Feierabend...

Naja, der Feierabend, das ist gar nicht so wichtig. Aber ja, wir sind tatsächlich keine Nachtarbeiter. Das hängt dann eher damit zusammen, dass man, wenn man früh fertig ist, abends auch noch ausgehen kann. Wir haben das Album in Berlin aufgenommen und der einzige Vorteil dieser Stadt ist ja, dass sehr, sehr viele interessante Bands da hinkommen und da spielen. Dann waren wir halt tagsüber im Studio und abends haben wir uns zusammen Konzerte angeguckt von anderen Bands. Das war sehr schön

Kann so ein leichter Kater am nächsten Tag beim Aufnehmen dann auch hilfreich sein?

Ja, den kann man halt immer wegspielen, den Kater. Und außerdem muss mann ja auch immer nur so kurz da sein, also so mental da sein. Ansonsten lungert man gefühlt so 90 Prozent der Studiaufnahmezeit auf einem Sofa rum.

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