Interview mit Superorganism Die Hype-Band aus London über Gewaltphantasien, Katzen und das WG-Leben

Bunt, poppig und ziemlich verrückt: Superorganism ist die Band der Stunde. Im Interview erzählen Orono und Harry, wie es ist, von Null auf Hundert durchzustarten und warum sie anfangs so ein Geheimnis um ihre Band gemacht haben.

Von: Matthias Scherer

Stand: 04.12.2017

PULS Festival 2017 München | Bild: BR

Videos, die sich irgendwo zwischen Expressionismus und epileptischem Anfall bewegen, dazu Gameboy-Sounds und eine maximal verstrahlte Bühnenperformance: Superorganism aus London sind ein Gesamtkunstwerk und werden gehyped wie keine andere Band momentan. Wir haben sie beim PULS Festival in München getroffen - und von ihnen alles über die Geburt einer Band, die Dringlichkeit alternativloser Putzpläne und maritime Meeressäuger gelernt.

PULS: Ihr hattet euren ersten Auftritt dieses Jahr auf dem Reperbahn Festival in Deutschland. Wie war das?

Orono: Ich war so unfassbar nervös! Ich hatte aus irgendeinem Grund Gewaltphantasien. Ich wollte unbedingt irgendetwas schlagen.

Harry: Ja, das habe ich gemerkt. Wir haben ein Interview gegeben, kurz bevor wir auf die Bühne sind, und ich hab diese fiese Energie von dir gespürt. Es war ja dein allererstes Konzert überhaupt. Ich hatte davor schon in ein paar Bands gespielt, aber für dich war es das allererste Mal...

Orono: Ja, vor 500, 600 Leuten.  Ich dachte nur so: Ok, cool, ich muss jemanden umbringen, damit ich das schaffe. Dieses Mal will ich eine Katze streicheln. Ich bin jetzt eine sehr ruhige Person.

Harry: Sie ist total zen geworden.

Um euch herum passiert gerade total viel. Wie bekommt ihr selbst diesen krassen Superorganism-Hype mit?

Harry: Manchmal ist das echt seltsam. Es gab teilweise die wildesten Spekulationen darüber, wer wir sind und wo wir herkommen. Das war ganz witzig. Im Grunde haben wir ja nur einen einzigen Song online gestellt und überhaupt nicht viel erwartet – und dann geht alles so durch die Decke.

Interessanterweise seid ihr auch erstmal anonym geblieben und habt die ganze Sache laufen lassen. Wolltet ihr daraus, wer ihr seid, ein Geheimnis machen?

Superorganism beim PULS Festival 2017

Harry: Wir hatten diese verrückte Idee, verschiedene Schauspieler zu Interview-Terminen zu schicken. Leute, die nichts mit der Band zu tun haben und auch nichts über die Band wissen. Das wär bestimmt witzig geworden, aber unser Manager hat sein Veto eingelegt. Der wahre  Grund dafür, dass wir alles so geheim gehalten haben, war, dass wir noch nicht wussten, was mit dieser Band passiert. Es ging alles so schnell und wir wollten einfach verstehen, wer und was wir sein wollen. Und zwar ohne dass zu viel Aufmerksamkeit auf uns gerichtet wird. Das war ein ganz natürlicher Vorgang.

Bereut ihr es manchmal, dass ihr nicht anonym geblieben seid?

Orono: Nein, das wäre ja langweilig.

Wie habt ihr euch eigentlich genau kennengelernt?

Harry: Ich und ein paar der anderen, die auch bei Superorganism spielen, haben 2015 in einer anderen Band gespielt. Mit der waren wir dann zehn Tage in Japan. Und da haben wir Orono in Tokio kennengelernt.

Orono: Und dann waren wir am nächsten Tag Mittagessen.

Harry: Ja, wir waren im Hard Rock Cafe. Und dann waren wir im Zoo. So sind wir Freunde geworden. Das war einfach echt gutes Timing. 

Wenn man sich eure Webseite und Videos ansieht, dann fällt vor allem eins auf: Wale. Ständig kommen Wale vor. Warum sind die so wichtig für euch?

Harry: Damals, als es darum ging, unseren Stil zu finden, haben wir lange überlegt, welche Elemente uns wichtig sind. Am Ende haben wir für unsere Musik drei Konstanten gefunden: Das Internet, den Weltraum und die Natur. Und es gibt so vieles, was einen Wal ausmacht. Er ist sein eigenes Öko-System, alles macht Sinn und ergibt dieses wunderschöne massive Tier. Da wollten wir auch als Band hin. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile und so. Wir finden das verkörpert ein Wal ganz gut.

Ihr wohnt ja auch zusammen in einer WG in London. Wie ist es so in der Casa Superorganism?

Superorganism beim PULS Festival 2017

Harry: Außergewöhnlich entspannt. Wir haben einen sehr strengen Putzplan. Das muss sein, wenn so viele unterschiedliche Leute in einem Haus wohnen. Wir hängen die ganze Zeit in der Küche ab und hören Musik. Wenn so viele Leute zusammen wohnen, kommen auch dauernd Leute vorbei. Im Grunde könnte man sagen: Wir sind eine eigene kleine Gesellschaft.

Wer ist der beste Koch?

Orono: Puuh, schwer zu sagen. Ich finde, dass jeder irgendwas kann.

Harry: Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich sagen, es ist Robert. Das ist der Typ, der unsere Videos macht. Der hat echte Kochskills.

Haben wir das eigentlich richtig gesehen, dass ihr auf Twitter ein Video von einem Superorganism-Konzert gepostet habt, auf dem Tom Hanks am Start war?

Orono: Ooooh yes! Das war bei Jools Hollands Fernsehsendung bei der BBC. Wir wussten erst am Ende der Show, dass er im Publikum saß. Und es war Halloween! Ich bin total durchgedreht. Und dann hat auch noch Noel Gallagher direkt vor uns gespielt.

Harry: Am Ende haben wir sogar mit Noel Gallagher zusammen vor Tom Hanks gejammt.

Orono: An Halloween! Bei Jools Holland.

Harry: Es war der Wahnsinn.

Sendung: Hochfahren am 04.12.2017 ab 07.00 Uhr