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ECHO 2014 Wie es zur Nominierung von Frei.Wild kommen konnte

Beim letzten Mal gab's noch einen Shitstom und Frei.Wild wurden vom Musikpreis ECHO ausgeschlossen. Dieses Jahr wurden sie wieder nominiert, der Protest blieb aus. Jetzt sind sie selbst zurückgetreten - und spielen das Opfer.

Von: Timo Nicolas

Stand: 20.03.2014

Frei.Wild Echo | Bild: BR

+++ Frei.Wild sagen Auftritt beim ECHO ab +++

Eine Woche vor dem ECHO 2014 ziehen Frei.Wild Konsequenzen aus dem Ausschluss im vergangenen Jahr und sagen die Veranstaltung ab. Grund: Sie fühlen sich von den Veranstaltern diffamiert. 2013 wurde die Band wegen ihrer kontroversen Texte von der Nominierungsliste gestrichen. Deswegen wurde dieses Jahr ein Ethikrat eingerichtet. Frei.Wild empfinden diesen als Beleidigung.

Kurze Rückblende: Als 2013 bekannt wird, dass Frei.Wild für den ECHO nominiert sind, löst das einen Shitstorm aus. Nach den lauten Protesten von Jennifer Rostock, MIA und Kraftklub wird die Band von dem Musikpreis ausgeschlossen.

Dieses Jahr gibt es wieder eine ECHO-Nominierung für Frei.Wild - aber außer Jennifer Rostock hat sich bisher niemand beschwert. Ein abrupter Sinneswandel in der öffentlichen Meinung? Wir haben uns das ECHO-Regelwerk geschnappt und nach Gründen gesucht.

Warum sind Frei.Wild erneut beim ECHO nominiert?

Weil sie in Deutschland extrem erfolgreich sind. In den Hauptkategorien werden jeweils die fünf meistverkauften Alben seit der letzten Echo-Verleihung nominiert. Und mit dem Akustikalbum "Still" haben es Frei.Wild im November direkt auf Platz eins der deutschen Albumcharts geschafft.

Warum sind sie in der Rubrik Rock/Alternativ National nominiert, obwohl sie aus Südtirol kommen?

Das hat für viel Verwirrung gesorgt. Dr. Florian Drücke, der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Musikindustrie, der den ECHO veranstaltet, erklärt das so:

"Diese Grenzfälle gibt es oft und an irgendetwas muss man es dann festmachen. Die Bandmitglieder haben in Teilen deutsche Pässe, sie singen auf Deutsch und die Songs werden in Deutschland produziet. In diesem Fall reicht das für diese Kategorie aus."

Dr. Florian Drücke

Letztes Jahr wurden Frei.Wild ausgeschlossen, dieses Jahr nicht. Ist das nicht inkonsequent?

Das kann man so sehen, aber die Veranstalter haben sich dieses Jahr etwas einfallen lassen. Sie haben einen ECHO-Beirat ins Leben gerufen, der unabhängig über kritische Fälle entscheiden soll. Das hat er bei Frei.Wild getan:

"Der Beirat ist nach einer sehr intensiven Diskussion zu dem Schluss gekommen, dass hier insgesamt die Grenze des künstlerisch vertretbaren nicht überschritten worden ist. Der Beirat hatte dabei auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien berücksichtigt - dort gab es keine Indizierung."

Dr. Florian Drücke

Warum bleibt der Shitstorm gegen die Nominierung von Frei.Wild dieses Jahr aus?

Das fragen wir uns auch. In der Kategorie von Frei.Wild sind vor allem Mainstream-Chartbands wie In.Extremo, die Scorpions oder die Mittelalter-Rockband Schandmaul nominiert. Auch die Sportis sind dabei, sie möchten sich aber erst im Rahmen der Echo-Verleihung in Berlin zum Thema äußern. Sie wollen den Südtirolern davor keine Plattform bieten. Auch Thomas Lindner, der Sänger von Schandmaul, verteidigt die allgemeine Zurückhaltung:

"Ich denke, dass die ganze Diskussion das Interesse noch schürt. Gebt dem Ganzen doch die Bedeutungslosigkeit, die es verdient!"

Thomas Lindner

Man muss nämlich bedenken: Die Proteste von MIA und Kraftklub und der Rauswurf von Frei.Wild letztes Jahr haben der Band tatsächlich viel Publicity beschert. Und: In der selbstgewählten Opferrolle fühlt sie sich traditionell pudelwohl. Auf der aktuellen Platte singen Frei.Wild sogar darüber.

Wie rechts sind Frei.Wild überhaupt?

Frei.Wild wettern gegen "Gutmenschen" und "Moralapostel" , spielen mit Worten und Bildern, die gerne von der rechten Szene verwendet werden und nehmen in Kauf, Fans mit einer solchen Gesinnung anzuziehen. Die Band selbst möchte ihre Texte anders verstanden wissen. Sie sehen sich nicht im rechten Lager, nur weil sie die angeblich total unpolitische Liebe zu ihrer Heimat Südtirol besingen.
Hinterfragen sollte man aber definitiv eins: Ob es richtig ist, dass eine Band für den größten deutschen Musikpreis nominiert ist, die sich in dieser Grauzone bewegt.

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akamata, Mittwoch, 22.Oktober, 13:02 Uhr

2. Frei Wild

Ich denke das mein "Vorkommentator" den Finger auf der Wunde hat. Deutschland muss lernen das Extremismus nicht nur von rechts oder links kommt, sondern das man ihn täglich überall begegnen kann. Menschen aus der Gesellschaft auszuschließen, weil einem deren Meinung nicht passt, ist der erste Schritt in diese Richtung. Auch ich bin der Meinung das ein Journalist möglichst frei von seiner eigenen Meinung schreiben sollte.

Anon, Sonntag, 23.März, 23:51 Uhr

1. Schämt euch!

Konservative Patrioten sind keine Nazis! Punkt.
Wo sind die Beweise für die Anschuldigungen? Ich sehe hier nur Behauptungen. Recherchieren ist ja so 70er, nicht wahr? Was hat die persönliche Meinung des Autors in solch einem Artikel zu suchen? Die Überschrift lautet doch: 'Wie es zur Nominierung von Frei.Wild kommen konnte'. Also sollte der Artikel nur versuchen sachlich zu informieren und das von Subjekivem klar zu trennen. Mir ist durchaus klar, dass dieser Artikel noch sehr harmlos im Vergleich zu anderen über die Band ist, dennoch fällt das für mich bereits unter Rufmord.
Ich habe dieses Land allmählich wirklich satt. Typisch deutsches Mitläufertum. Jede Wette, einen Extremisten erkennt ihr nicht, wenn er mal vor euch steht. Aber Hauptsache der Masse blind gefolgt, um sich auf der 'richtigen' Seite zu fühlen. Dieser blinde Hass ist eines Demokraten absolut unwürdig! Grauzone. Wenn ich das schon höre. So etwas kann auch nur von Schwarz-Weiß Denkern kommen. Aber bleibt nur weiter so verblendet. Derweil errichtet sich im Hintergrund ein neues Sklavensystem dank NSA&friends, Nazis und diverse linksextremistische Gruppierungen verwüsten Berlin, die rechtsextreme Front National in Frankreich gewinnt regen Zulauf, Europa wird immer instabiler usw. usf., aber lieber brüskiert man sich über die potenzielle politische Einstellung einer Musikband, deren Sänger ein paar Jahre vor bis kurz nach der Jahrtausendwende ein Nazi war und der die Freiheitlichen, welche sich vor Jahren von der FPÖ abgekapselt haben eben wegen ihrer extremistischen Ausrichtung, mag. Was haben sich die anderen drei Bandmitglieder denn zu Schulden kommen lassen? Bei Landser und co wird stattdessen geschwiegen, weil die keinen so großen Hörerkreis haben(oh Wunder). Ihr kotzt mich an! Macht endlich eure Arbeit! Die wahren Journalisten drehen sich wohl alle in ihren Gräbern um ob der Erben!

Ein Linksliberaler.

PS: Musik ist Geschmackssache. Leben und leben lassen.