Hauchend zum Erfolg Warum Flüsterpop der neue Sound ist

Ohren spitzen – denn Pop wird jetzt geflüstert! Schmettern bis die Gläser platzen à la Céline Dion und Mariah Carey ist ziemlich out. Gut singen funktioniert jetzt mehr mit Understatement. Wir nennen das Phänomen: Flüsterpop.

Von: Christina Wolf

Stand: 14.11.2017

Cowpunk, Goregrind oder Crunkcore – ulkige Musikgenrebezeichnungen sind nix Neues. Aber jetzt kommt eine neue dazu. Wir nennen die neue Musikrichtung: Flüsterpop! Und der ist nichts aus der Nische. Nein, so klingt Mainstream-Pop. Egal ob Selena Gomez...

.... oder Julia Michaels: Alle machen es! Das Wichtigste ist, so leise und verhuscht zu singen, als hätte man Angst belauscht zu werden.

Diesem Trend folgen aber nicht nur weibliche Popstars! Justin Bieber nutzt das sanfte Hauchen sowieso schon lange. Es passt auch so gut zum Inhalt moderner Popsongs: Wie sonst sollte man über Liebe singen oder gar sexy klingen?

Woher kommt der Trend zum Understatement-Gesang?

Ein Grund könnte - wie immer - dieses Internet sein. Denn Popstars des 21. Jahrhunderts müssen immer und für alle verfügbar sein, uns minütlich mit Stories aus ihrem Leben versorgen und uns das Gefühl geben, dass wir dank Instagram und Co. ganz nah dran sind. Dazu passt ein Gesangsstil, der Intimität vorspielt: Als ob Selena oder Justin ganz allein für uns, ja genau: UNS singen - uns quasi auf dem Schoß sitzen und ins Öhrchen hauchen.

Ein anderer und bisschen simplerer Grund: Vielleicht haben wir "Richtig-Gut-Singen-Können" zu lange mit dem gleichgesetzt, was uns jetzt bald seit Jahrzehnten in Casting-Shows aufgetischt wird: Hauptsache mit viel Druck, Power und fünf Oktaven Stimmumfang. Und vielleicht können wir genau das jetzt langsam nicht mehr hören.

Jeder kann mitmachen beim Flüsterpop-Hype

Und das Beste ist: Jeder kann mitmachen beim Flüsterpop-Hype. Keine Sorge! Die Firma, die schon mit Autotune dafür gesorgt hat, dass wirklich jeder so klingt, als ob er singen kann, hat das passende Flüsterpop-Plug-In entwickelt: Software angeknipst – und schwupps, klingt ihr ganz ohne Stimmwürgen so sexy und verhaucht wie Selena und Co.

Sendung: Filter, 14. November 2017 - ab 15 Uhr

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