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Bayerischer Kabarettpreis 2017 Die Preisträger stehen fest

2017 verleiht der Bayerische Rundfunk gemeinsam mit dem Münchner Lustspielhaus zum 19. Mal den "Bayerischen Kabarettpreis". Die Preisträger in diesem Jahr sind Helge Schneider, Michael Altinger, Maxi Schafroth und Hazel Brugger. Die Preisverleihung wird am Montag, 17. Juli 2017, live aus dem Münchner Lustspielhaus im BR Fernsehen übertragen. Der Kabarettist Alfred Dorfer führt als Moderator durch den Abend.

Stand: 30.01.2017

Helge Schneider, Maxi Schafroth, Hazel Brugger und Michi Altinger auf Polaroidfotos | Bild: Till Oellerking, Susie Knoll, Mirco Rederlechner, Martina Bogdahn, Montage: BR

"Es ist mir eine große Freude, dass der Bayerische Rundfunk dieses Jahr vier Künstler auszeichnen darf, die sich auf höchst unterschiedliche Weise mit unserer Gesellschaft auseinandersetzen, dabei aber alle das Besondere und Eigene im vermeintlich Banalen aufzeigen. Helge Schneider, Michael Altinger, Maxi Schafroth und Hazel Brugger haben jeder für sich eine ganz individuelle Art von Humor – doch allen gemein ist die große Verspieltheit und Lust an absurden Gedankenexperimenten. Gewohnte Pfade zu verlassen und den eigenen Blickwinkel zu erweitern – diese wichtigen Aufgaben von Kabarett und Satire erfüllen alle vier Ausnahmekünstler mit Bravour. Der Bayerische Rundfunk gratuliert den Preisträgern sehr herzlich."

Annette Siebenbürger, Leitung Programmbereich Bayern und Unterhaltung

Senkrechtstarter-Preis: Hazel Brugger

Mit zahlreichen Auftritten als Poetry Slammerin, dem Verfassen von Kolumnen, regelmäßigen Talk-Abenden und nicht zuletzt ihrem ersten Soloprogramm "Hazel Brugger passiert" hat sich die Schweizerin in der deutschsprachigen Kulturszene beeindruckend etabliert. Ihre Arbeit lebt von absurden, urkomischen Gedankengängen, bei denen sie sich nicht scheut, auch düstere Wege zu beschreiten. Souverän und facettenreich bewegt sich die 23-Jährige in einem Themenspektrum von Popkultur bis Philosophie, von Tagespolitik bis Alltagsfrust. Mit einem scharfen Auge für Details setzt sie sich differenziert mit dem Menschen auseinander und lotet gekonnt stereotype Rollenbilder und gesellschaftliche Konventionen aus. Das Spiel mit Erwartungen beherrscht sie perfekt: Schön schwarzhumorig und mit einer großen Lust an unerwarteten Pointen und Ideen verhandelt sie Tabus und unterwandert gängige Klischees. Hazel Brugger macht die Kabarettlandschaft um eine wichtige Stimme reicher: immer komisch, oft böse und einfach einzigartig.

Musikpreis: Maxi Schafroth

Maxi Schafroth ist ein Allroundtalent: Ob Kabarettist, Musiker, Schauspieler beim Nockherberg-Singspiel oder im "Tatort": Stets beherrscht der Allgäuer Bauernsohn und gelernte Banker seine Rolle perfekt. Als Kabarettist und Musiker unterzieht Maxi Schafroth sowohl in seinem Debüt "Faszination Allgäu" als auch im aktuellen Programm "Faszination Bayern" seine Umgebung einer scharfsinnig-skurrilen Analyse. Er versteht es, die Absonderlichkeiten der Großstadtwelt mit dem Allgäuer Landleben und dessen Heimat- und Brauchtums-Befindlichkeiten zu konterkarieren.

Begleitet von seinem kongenialen Gitarristen Markus Schalk oder dem in die Jahre gekommenen "Kinderchor der Jungen Union Miesbach" bietet er brillant-präzise Gstanzln bis rotzigen Blues und malt dabei stimmungsintensive und urkomische Bilder von Allgäuer Tankstellen, dreibeinigen Nutzkatzen und lustlosen Bankern. Er besingt mit rauchiger Stimme die Leidenschaft fürs Sparen, die Kunst der Heuernte oder Kässpätzle. Hierbei beweist Maxi Schafroth großes musikalisches Können. Seine klugen Texte, absurden Gedankensprünge und sein verdrehter Humor offenbaren, dass das Banale durchaus Bedeutung hat. Lyrisch, authentisch und scheinbar mühelos ist die Musik von Maxi Schafroth, und er trifft damit direkt ins Herz.

Hauptpreis: Michael Altinger

Auch wenn er nicht so aussieht: 2017 feiert Michael Altinger sein 25-jähriges "Kabarettistendaseinsjubiläum": Mit neun Soloprogrammen (stets mit seiner großartigen "Ein-Mann-Band" Martin Julius Faber), fortdauernder Ensemblearbeit (Lach- und Schießgesellschaft, Occams Rache) und mit wunderbar absurden Duo-Programmen an der Seite von Alexander Liegl hat er sich in die Herzen seines Publikums gespielt. In der Sendung "schlachthof" des BR Fernsehens nimmt er sich gemeinsam mit Christian Springer tagesaktuell gesellschaftlicher und politischer Themen an. Bei jedem dieser Projekte zeigt er sich verspielt im allerbesten Sinne: lebhaft, begeistert und mit großer Liebe zum Unfug.

Michael Altingers zentrales Thema ist der Zustand unserer Gesellschaft, ihre Entwicklung, ihre Krisen, Nöte und Hoffnungen. Dabei ist er so freundlich, dass einem mitunter die bittere Note seiner Texte entgeht – legt er doch dar, wie brüchig das Gerüst aus Moral, Höflichkeit, Respekt und Fairness ist, das unser Leben stützen soll. Doch bei all dem kommt Michael Altinger nie der Glaube an den Menschen und das Gute in ihm abhanden – darin ist er ein Philanthrop klassischer Schule.

Jedes seiner Programme folgt einem roten Faden, in jedem schlägt Michael Altinger einen großen Bogen über ein Thema, das zum Ende in einer finalen Pointe kulminiert. Altingers aktuelles Programm "Hell" ist der erste Teil einer Kabarett-Trilogie: Er hat sich darin mit dem Assoziationsraum von Licht bis Hölle einer Vielzahl von Themen angenommen, die den Rahmen eines einzelnen Kabarettabends sprengen würden. Dramaturgisch noch ausgefeilter als in den vorangegangenen Programmen, offenbart sich in "Hell" auch sein ausgesprochen feines, differenziertes Spiel. Michael Altingers Arbeit ist facettenreich, klug, empathisch und sehr, sehr komisch.

Ehrenpreis: Helge Schneider

Helge Schneider sprengt in seinem beispiellosen Werk mit dadaistischer Leichtigkeit Konventionen und schafft so urkomische Meisterwerke von erhabener Sinnlosigkeit. Egal ob mit Gesang, Klavier, Cello, Gitarre, Schlagzeug, Trompete, Blockflöte, Tröte oder nahezu jedem anderen Instrument – der hochtalentierte Ausnahmemusiker schafft es mit kindlicher Spielfreude, Erwartungen zu brechen.

Als Jazzmusiker ist die Basis all seiner Kunstformen die Improvisation – ob als Musikclown, Komiker, Schauspieler, Hörspiel-, Krimiautor oder Filmregisseur. Sein respektlos-grotesker Stil der Antikomik provoziert, polarisiert und verstört. Seine ihm eigene Mischung von Banalem mit Anspruchsvollem bleibt immer bewusst unvollkommen und unberechenbar. Niemals verletzend, aber immer entlarvend und mit klugem Blick auf – vermeintliche – gesellschaftliche Gewissheiten und erstarrte Routinen. Lieder wie "Katzeklo" oder "Es gibt Reis, Baby" sind mittlerweile Teil des deutschen Kulturguts – und haben dennoch nichts von ihrer anarchischen Kraft eingebüßt. Konsequent grenzenlos zeigt Helge Schneider seit über 30 Jahren neue Wege auf, Parodien, Satire und Pointen zu denken und überrascht sein Publikum immer wieder aufs Neue – und sogar sich selbst.

Weitere Informationen unter: www.br.de/kabarettpreis 


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