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Oktoberfest Die Wiesn, rein wirtschaftlich betrachtet

324 Millionen Euro: Diesen Betrag nehmen Wirte und Schausteller jährlich an den 16 Tagen Oktoberfest ein. Noch viel mehr Geld aber lassen die Feierwütigen vor und nach dem Besuch der Festwiese in München, für Trachten, Hotel oder After-Wiesn-Party - die Wirtschaftszahlen zur Wiesn.

Stand: 07.10.2011
Bier wird abkassiert auf der Wiesn | Bild: picture-alliance/dpa

Fußballstar Mehmet Scholl und Schwimmstar Franzi van Almsick werben in Krachlederner und Dirndl für das Trachtensortiment eines Bekleidungshauses. Sogar die Münchner Filialen einer bekannten Erotik-Kette springen auf den Wiesn-Zug auf, bieten Bustiers mit Balconett-Ausschnitt für ein extra sexy Dirndl-Dekolleté an. Sie kämpfen um die Gunst der sechs Millionen Gäste, die Jahr für Jahr zum Oktoberfest kommen. Denn die bringen richtig viel Geld mit.

Der Durchschnittsgast gibt 54 Euro aus

Rund 54 Euro gibt jeder Oktoberfest-Besucher direkt auf der Theresienwiese aus - im Bierzelt, an den Fahrgeschäften und an den Marktständen. Bei sechs Millionen Gästen macht das insgesamt 324 Millionen Euro. Diese Zahlen hat das Münchner Tourismusamt veröffentlicht. Doch mit der Wiesn lässt sich in der bayerischen Landeshauptstadt auch abseits der Bierzelte und Fahrgeschäfte ein Reibach machen.

Eine halbe Milliarde Euro abseits der Festwiese

Laut Tourismusamt machen allein die auswärtigen Besucher vor und nach dem Festbesuch noch einmal über 200 Millionen Euro in der Gastronomie, im Einzelhandel, für Taxis und öffentliche Verkehrsmittel locker. Hinzu kommen weitere gut 300 Millionen Euro für Übernachtungen. Das Oktoberfest pumpt damit über eine halbe Milliarde Euro in die Kassen der Münchner Wirtschaftsbetriebe, die nicht selbst auf der Theresienwiese präsent sind. Insgesamt spült die Wiesn rund 830 Millionen Euro in Münchner Kassen. Der Werbewert, den die weltweit bekannte Marke Oktoberfest der Stadt zusätzlich bringt, lässt sich kaum beziffern.

Die Wiesn als Jobmotor

Während direkt auf dem größten Volksfest der Welt rund 12.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, ist das Oktoberfest auch für die übrige Landeshauptstadt ein Jobmotor. Weil der Verkauf von Tracht sprunghaft ansteigt, beschäftigt etwa der Münchner Trachtenhändler Angermaier zur Wiesnzeit zweimal so viel Verkaufspersonal wie im restlichen Jahr. "Die Touristen haben den Drang, sich zugehörig zu fühlen", glaubt Geschäftsführer Axel Munz. Auch die Taxler können sich freuen: "Ein Taxifahrer kann zur Wiesnzeit zwischen 20 und 50 Prozent mehr Umsatz machen", sagt Frank Kuhle von der Münchner Taxi-Genossenschaft. Während des Oktoberfests seien so gut wie alle Münchner Taxis im Einsatz.

Eineinhalb Millionen Übernachtungen

Bei den Münchner Hoteliers, Pensionswirten und Campingplatz-Betreibern klingelt ebenfalls die Kasse: Während rund 60 Prozent der Festbesucher aus München kommen, reisen die restlichen 40 Prozent aus dem übrigen Bayern und Deutschland sowie aus der ganzen Welt an. Das sind etwa zweieinhalb Millionen Menschen. Rund eineinhalb Millionen von ihnen buchen eine Übernachtungsmöglichkeit. Die Anbieter von Schlafplätzen sind einen derartigen Andrang aber gewöhnt: Die Wiesn ist lediglich die zweitstärkste Buchungszeit nach der Baumaschinenmesse Bauma im April.

Wer, woher, wie alt, wie oft?

Herkunft

Woher kommen die Gäste?

Die bayerischen Wiesn-Besucher sind nach wie vor in der Überzahl: Stolze 72 Prozent der Gäste kommen aus dem Freistaat, davon 60 Prozent aus München. Die restlichen Bundesländer werden jedoch von ausländischen Besuchern überholt. Nur neun Prozent der Gäste stammen aus dem restlichen Deutschland, 19 Prozent kommen aus dem Ausland. Allen voran, wie könnte es anders sein, die Italiener. 17 Prozent der ausländischen Gäste reisen aus Italien an.

Alter

Wie alt sind die Besucher?

Die Gesellschaft wird immer älter, dementsprechend steigt auch das Durchschnittsalter der Wiesn-Gäste. Im Jahr 2000 waren 40 Prozent der Besucher über 30 Jahre alt, 2008 waren es schon 53 Prozent. Die Gruppe der 45- bis 59-Jährigen ist mit 15 Prozent vertreten, gegenüber neun Prozent von 2000. Der Anteil der Gäste unter 30 ging von 60 Prozent auf 47 Prozent zurück.

Geschlecht

Mehr Männer oder mehr Frauen?

Die weiblichen Wiesngänger sind auf dem Vormarsch. 2000 waren die Männer mit 62 Prozent noch in der Überzahl. Nur 38 Prozent waren Besucherinnen. 2008 ist fast der Gleichstand eingetreten: 49 Prozent der Gäste sind weiblich und nur noch 51 Prozent männlich.

Einmal ist keinmal

Wie oft kommen die Besucher?

Ein Wiesn-Besuch kommt selten allein. Rund drei Viertel aller Wiesngänger kommen mehr als einmal auf die Theresienwiese. Die Münchner sind noch treuer: Knapp 90 Prozent der "Einheimischen" besuchen die Wiesn nicht nur einmal.

Werbung

In aller Munde

Wer kann, der kann: Jedes Jahr pilgern rund sechs Millionen Besucher zur Bavaria. Da rührt sich die Werbetrommel ganz von alleine. Gut für die Veranstalter: Seit 1985, dem 175. Jubiläum mit rekordverdächtigen 7,1 Millionen Besuchern, wird für die Wiesn nicht mehr geworben.