Oktoberfest Geschätzt, nicht gezählt: Die Wiesn-Besucher
Rund 6,9 Millionen Menschen haben 2011 das Oktoberfest besucht. Aber woher stammt diese Zahl? Sie wird geschätzt. Gebrauchte Babywindeln, Wiesnmüll und verkaufte Tütchen mit gebrannten Mandeln spielen dabei eine Rolle.
Das schöne Wetter hat dieses Jahr einen Besucheranstrum auf das Oktoberfest ausgelöst. Fast sieben Millionen Menschen haben die Wiesn 2011 besucht. Um diese Zahl richtig zu schätzen, wird auf historisches Bildmaterial zurückgegriffen.
Am Anfang waren die Luftbilder
Grundlage der Schätzung sind Luftbilder aus den 1970er-Jahren. Damals machte die Stadtbildstelle im Auftrag des Fremdenverkehrsamtes zur Oktoberfestzeit Luftaufnahmen von der Theresienwiese. Die Fotos wurden an einem Wochentag gemacht und mit einem Raster versehen. Dann wurden die Menschen gezählt, die sich in einem Rasterfeld zum Zeitpunkt der Aufnahme aufhielten.
Sitz- und Gehplätze
Diese Zählung erbrachte, dass sich auf den Straßenflächen der Theresienwiese an einem durchschnittlichen Tag rund 94.000 Menschen aufhalten. In den Festzelten und Schankbetrieben auf der Wiesn gibt es ein Sitzplatzangebot, das bekannt ist. 2011 können sich zum Beispiel rund 115.000 Menschen in den Zelten hinsetzen. Erfahrungsgemäß halten sich auf den "Straßen", die durch das Oktoberfest führen, in etwa genauso viele Menschen auf, wie in den Festzelten. Aus diesem Erfahrungswert und den beiden Zahlen - der Anzahl der Menschen auf den Straßen und dem Sitzplatzangebot in den Zelten - ergibt sich eine Belegungsgröße: Für 2010 beträgt diese Zahl also zum Beispiel rund 209.000.
Wer, woher, wie alt, wie oft?
Herkunft
Woher kommen die Gäste?
Die bayerischen Wiesn-Besucher sind nach wie vor in der Überzahl: Stolze 72 Prozent der Gäste kommen aus dem Freistaat, davon 60 Prozent aus München. Die restlichen Bundesländer werden jedoch von ausländischen Besuchern überholt. Nur neun Prozent der Gäste stammen aus dem restlichen Deutschland, 19 Prozent kommen aus dem Ausland. Allen voran, wie könnte es anders sein, die Italiener. 17 Prozent der ausländischen Gäste reisen aus Italien an.
Alter
Wie alt sind die Besucher?
Die Gesellschaft wird immer älter, dementsprechend steigt auch das Durchschnittsalter der Wiesn-Gäste. Im Jahr 2000 waren 40 Prozent der Besucher über 30 Jahre alt, 2008 waren es schon 53 Prozent. Die Gruppe der 45- bis 59-Jährigen ist mit 15 Prozent vertreten, gegenüber neun Prozent von 2000. Der Anteil der Gäste unter 30 ging von 60 Prozent auf 47 Prozent zurück.
Geschlecht
Mehr Männer oder mehr Frauen?
Die weiblichen Wiesngänger sind auf dem Vormarsch. 2000 waren die Männer mit 62 Prozent noch in der Überzahl. Nur 38 Prozent waren Besucherinnen. 2008 ist fast der Gleichstand eingetreten: 49 Prozent der Gäste sind weiblich und nur noch 51 Prozent männlich.
Einmal ist keinmal
Wie oft kommen die Besucher?
Ein Wiesn-Besuch kommt selten allein. Rund drei Viertel aller Wiesngänger kommen mehr als einmal auf die Theresienwiese. Die Münchner sind noch treuer: Knapp 90 Prozent der "Einheimischen" besuchen die Wiesn nicht nur einmal.
Werbung
In aller Munde
Wer kann, der kann: Jedes Jahr pilgern rund sechs Millionen Besucher zur Bavaria. Da rührt sich die Werbetrommel ganz von alleine. Gut für die Veranstalter: Seit 1985, dem 175. Jubiläum mit rekordverdächtigen 7,1 Millionen Besuchern, wird für die Wiesn nicht mehr geworben.
Der Belegungsfaktor ist geschätzt
Je nach Wetter und Wochentag - hier wird Wochenende, Familientag oder normaler Arbeitstag unterschieden - ändert sich die Belegungshäufigkeit, also der Wechsel der Gäste auf der Wiesn. Ausgehend von der Dichte des Besucherstroms und der Belegung der Zelte wendet das Fremdenverkehrsamt deswegen einen Belegungsfaktor an, um letztlich zu ermitteln, wie viele Menschen die Wiesn an einem Tag besuchen. Der Belegungsfaktor ist der eigentliche Schätzwert, der vor allem auf der langjährigen Erfahrung der Wiesn-Experten im Amt beruht.
Erst geschätzt, dann gezählt
Auf die Schätzung allein verlässt sich das Fremdenverkehrsamt aber nicht: Um die Zahl zu überprüfen, werden durch verschiedene Parameter Rückschlüsse auf die Besucherzahl gezogen. Die Wirte zum Beispiel melden jeden Tag, wie viel Mass Bier und Hendln verkauft wurden. Andere Schausteller übermitteln die Anzahl von Tüten mit gebrannten Mandeln. Die Wiesnbank liefert die ausgegebene Menge Wechselgeld, die Kinderstation zählt die Babys, die gewickelt wurden. Auch die Menge Wiesn-Restmüll, der Umsatz des Wiesn-Postamts und die Verbrauchszahlen bei Strom, Wasser und Gas helfen dabei, die Schätzung bei der Besucherzahl zu überprüfen. Die Wiesn-Polizeidienststelle steuert zusätzlich jeden Tag ihre Zahlen bei und die Anzahl der verkauften Souvenirs ist ein Indikator, um den Anteil der ausländischen Wiesngäste zu ermitteln.
Stuttgart zählte nach
Dass man sich auf die Schätzung verlassen kann, hat ein Experiment von 1997 gezeigt: Damals hatte der größte Wirt des Cannstatter Wasen in Stuttgart und längjährige Präsident des Bundes der Schausteller und Marktkaufleute, Walter Weitmann, Zweifel an den Schätzungen über die Wiesnbesucher geäußert. Daraufhin durfte er eine eigene Besuchererfassung per Radar und Kamera an den Eingängen zur Wiesn einrichten - und musste klein beigeben: Die geschätzten Zahlen wurden durch die Zählung eindrucksvoll belegt.

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