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Jubiläumswiesn 2010 Böller, Rösser und ein Mann mit Zylinder

Gut, dass auch Böllerschützen und Alphornbläser mitgemacht haben: Das eigentliche Pferderennen war schneller vorbei, als man die Namen des historischen Brautpaars buchstabieren kann. Dafür dauert die historische Wiesn gute zwei Wochen.

Stand: 17.09.2010

Der Bauernverbandspräsident spricht lange, aber er überzeugt nicht alle. "Mama, wann kommen denn die Pferde?", fragt ein kleines Mädchen dreimal pro Minute seine Mutter.

Alphornbläser vor dem Riesenrad

Die Mutter sagt "gleich" und "frag halt net dauernd". Erst mal kommen - die Älteren wissen das - die Ansprachen, und Gerd Sonnleitner lässt sich gern Zeit, auch wenn der Oberbürgermeister mit einer Fahne neben ihm steht. Elegant im Frack mit Zylinder gibt Christian Ude das Startsignal zum Rennen.

Rennen gelaufen, Jubiläumswiesn eröffnet

Die Pferde sind etwas schneller. Fünf Stück sind es, sie tragen Namen wie "Cindy" und "No Name" und reiten nicht eben rasant, aber doch so, dass in den Kurven der Sand spritzt.

Fünf Pferde im "großen Ring"

"Langsam!" mahnt ein Ansager. Hier reiten keine Jockeys, geschweige denn Kavalleristen wie 1810, sondern junge Frauen und ein Herr, die sonst als Mediengestalter oder Hotelfachfrau vorwärtskommen wollen. Entsprechend sind sie auch nicht historisch gewandet, sondern tragen krachbunte Leiberl.

"Nicht applaudieren!" sagt der Ansager. Zwei Runden geht es um den "großen Ring", der etwas größer ist als die Fläche des Spielfelds in der Allianz-Arena, und als das kleine Mädchen endlich die Schultern ihrer Mama erklommen hat, ist es fast schon wieder vorbei. Tanja Hanisch, 26, aus dem Loisachtal freut sich schon über ihren Sieg; nur die Startnummer Eins trödelt dem Hauptfeld entspannt hinterher.

Bauernchef Gerd Sonnleitner und Stadtchef Christian Ude

Was es sonst noch zu sehen gibt: tausendmal mehr Zuschauer als Pferde und viel Prominenz auf den Tribünen, die der historischen Königsloge nachempfunden sind. Dazu 500 bayerische Gebirgsschützen, Blasmusikanten, Trachtler und den Stadtrat in historischen Gewändern. Vor allem Christian Ude macht im Zylinder was her, als er anschließend verkündet: "Ich erkläre die Historische Wiesn 2010 für eröffnet!"

Calypso und Mäuseroulette

Hier gibt es in den nächsten zwei Wochen einiges zu sehen - vom "Herzkasperlzelt" bis zum "Humoristischen Velodrom". Dazu viele nostalgische Karusselle vom knarzenden Uralt-Rundfahrgeschäft bis zum bonbonfarbenen "Calypso" aus den 60er-Jahren.

Die Großen trinken danach bernsteinfarbenes Nostalgiebier, das dem Elixier vor 200 Jahren gleichen soll. Das kleine Mädchen könnte sich im Museumszelt für das zu kurz geratene Rennen entschädigen. Hier gibt es ab zwei Uhr Nachmittags alte Oktoberfestspiele wie das "Mäuseroulette" und "Die Nadel im Heuhaufen suchen". Auf einer Tafel steht: "Mitmachen kostet nix. Solange der Platz reicht". Manches war früher tatsächlich besser.