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Wiesn-Geschichte Bombenanschlag auf das Oktoberfest

Ein sonniger Wiesn-Freitag - ein schwarzer Tag in der Geschichte Münchens: 13 Menschen, darunter der Attentäter, werden bei einem Bombenattentat getötet, 211 weitere zum Teil schwer verletzt. 30 Jahre danach wird immer noch nach möglichen Mittätern geforscht.

Stand: 06.09.2011

26. September 1980 - ein Tag mit vorbildlichem Wiesn-Wetter geht zu Ende, bald schließen die Zelte. Um 22.21 Uhr findet die bierselige Stimmung ein jähes Ende. Mit einem fürchterlichen Knall explodiert beim Haupteingang eine Bombe.

Wo zuvor noch hunderte Wiesn-Gänger die Theresienwiese verließen, liegen jetzt Tote und Verstümmelte, Verletzte schreien um Hilfe. In einem Umkreis von 30 Metern gibt es 211 Verletzte und 13 Tote. Unter ihnen auch der Attentäter selbst: Der 21-jährige Geologie-Student Gundolf Wilfried Köhler aus Donaueschingen, der kurz zuvor durch eine Prüfung gefallen und früher Anhänger der neonazistischen, kurz zuvor verbotenen "Wehrsportgruppe Hoffmann" gewesen war. Viele Opfer werden mehrfach operiert und bleiben doch für den Rest ihres Lebens gezeichnet.

Die Bombe aus dem Papierkorb

Die Bombe mit fast 1,5 Kilogramm TNT hatte Köhler in einem Abfalleimer platziert, der an einem Verkehrsschild beim Haupteingang befestigt war - Grund dafür, dass es seither keine Papierkörbe mehr auf der Wiesn gibt. Das Oktoberfest wurde für einen Tag unterbrochen, am Eingang ein Mahnmal errichtet.

Verwirrter Einzeltäter oder vernetzter Rechtsterrorist?

Eine zeitweise 100 Beamte umfassende Sonderkommission zum Wiesn-Attentat befragte 1.800 Zeugen, kam aber zu keinem weiter reichenden Tatverdacht. Die Bundesanwaltschaft legte den Fall nach zwei Jahren zu den Akten: Köhler sei ein von einer Persönlichkeitskrise und Unzufriedenheit mit dem System getriebener Einzeltäter, lautete die Begründung. Bis heute gibt es Zweifel, ob Gundolf Köhler den Anschlag allein geplant und begangen hat. Sie vermuten, dass Rechtsterroristen hinter dem Terrorakt standen. 

Neue Erkenntnisse aus Stasi-Archiven

Der Bombenleger Gundolf Köhler war Mitglied in der Wehrsportgruppe Hoffmann.

Ein neues Licht auf die Ereignisse warf Ende 2008 Tobias von Heymann mit seinem Buch "Die Oktoberfest-Bombe". Der Autor hat Stasi-Akten gewälzt und herausgefunden, wie intensiv DDR-Spione die rechte Szene der Bundesrepublik observierten und sogar Geheimdienstaktivitäten beobachteten. Bezüge zwischen Neonazis und dem Wiesn-Attentat werden nahe gelegt, Beweise fehlen allerdings. Der BR-Redakteur Ulrich Chaussy, der auf neue Erkenntnisse durch heutige DNA-Analyse hoffte, erfuhr von der Bundesanwaltschaft, dass die gesammelten Beweismittel inzwischen vernichtet worden sind.

Ermittlungen im Wahlkampf

Hinterbliebene und Überlebende erheben bis heute Vorwürfe: Ministerpräsident Franz Josef Strauß - in jenen Wochen Kanzlerkandidat der Union - hatte die Gefährlichkeit der rechtsextremen "Wehrsportgruppe" zuvor heruntergespielt und ihr Verbot durch Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) kritisiert. Jetzt brauchte die bayerische Polizei einen schnellen Erfolg. Wurden die Ermittlungen zu früh abgeschlossen? Der damalige Leiter der Mordkommission, Josef Ottowitz, sieht das anders: "Wo nichts ist, kann man auch nichts finden", meint er und vertritt damit die These vom Einzeltäter.

Der damalige Opfer-Anwalt Werner Dietrich dagegen glaubt fest an Aussagen von Zeugen, die den Attentäter in Begleitung gesehen haben wollen. Dietrich meint, der Anschlag könne in einem größeren Zusammenhang gestanden haben: Köhler könnte ein rechtsradikales Attentat zwei Monate zuvor in Bologna zum Vorbild genommen haben, bei dem 85 Menschen starben. Falls sich neue Aspekte ergeben, will Dietrich den Fall neu aufrollen lassen.

Mahnmal erinnert an die Opfer

Seit dem ersten Jahrestag des Attentats erinnerte eine bronzene Stele des Laufener Bildhauers Friedrich Koller an die Opfer. Der Künstler hat 2008 das Denkmal neu gestaltet. Alle früheren Versuche, das Mahnmal im Wiesngetümmel zu schützen, waren fehlgeschlagen. Lieferwagen und Betrunkene hatten die Stele beschädigt. Ein Podest, eine Steinwand und ein eingezäuntes Blumenbeet sollten Sicherheitsabstand schaffen - ohne Erfolg. Das Beet wurde als Mülleimer benutzt. 

Audio Kopfhörer | Bild: Stockbyte zum Audio Oktoberfest Historie Der Anschlag

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Um die Würde der Gedenkstätte am Haupteingang wiederzustellen, wurde nach viel Hin und Her im Rathaus Künstler Friedrich Koller mit der Überarbeitung beauftragt. Vom alten Ensemble ist nur die Stele übriggeblieben - und mit ihr die Inschrift zum Gedenken an die Opfer. Eine rostige, durchlöcherte Stahlwand um die Stele herum wirkt wie von einer Explosion zerfetzt. In den Boden sind 13 Stahlsplitter eingearbeitet, für jedes Todesopfer einer. "Dieser Mantel aus Stahl ist Metapher für Schutz, ja für Demokratie", erläutert der Künstler, "dieser Mantel wurde verletzt, er zeigt die Wunden."

Schwierige Erinnerung

Der damalige Leiter der Mordkommission hat bis heute die Eindrücke präsent. Die Schuhe und die Hose, die er während des Einsatzes trug, hat er nie wieder angezogen. Der mittlerweile pensionierte Polizist ging nach dem Attentat ein paar Jahre nicht mehr auf die Wiesn - so sehr hatte ihn das Geschehen mitgenommen: "Da war Blut, nur Blut, das war einfach ein fürchterliches Bild", erinnert sich Josef Ottowitz. Wenn er heute auf die Wiesn geht, sei er "schon ein bissl traurig", wenn Besucher am Mahnmal "gedankenlos rumhängen oder sich lachend fotografieren lassen".