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Mehrkosten für zweiten S-Bahn-Tunnel Dobrindt kennt keine Schmerzgrenze

Trotz deutlicher Kostensteigerungen soll die zweite Stammstrecke für die Münchner S-Bahn gebaut werden. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sicherte der Staatsregierung eine angemessene Beteiligung des Bundes an den Mehrkosten zu.

Von: Nikolaus Neumaier und Till Erdtracht

Stand: 01.12.2015

Wenn die Stammstrecke teurer werde, erhöhe der Bund seinen finanziellen Anteil, betonte der CSU-Minister nach Beratungen mit dem bayerischen Kabinett in München. Es gebe keine Zweifel, dass der Bund an einer Realisierung "höchstes Interesse" habe. Mit Blick auf die mögliche Höhe der Beteiligung sagte Dobrindt:

"Ich kenne zur Zeit kein Limit."

Alexander Dobrindt, Bundesverkehrsminister

Mit ersten vorbereitenden Baumaßnahmen könne nächstes Jahr begonnen werden, sagte Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU). Eine Inbetriebnahme stellte er für Ende 2025 in Aussicht.

Die neue Trasse soll den öffentlichen Nahverkehr in der Landeshauptstadt entlasten. Die Kosten liegen nach früheren Berechnungen bei gut zwei Milliarden Euro. Dobrindt und die Staatsregierung gehen derzeit von Gesamtkosten von knapp drei Milliarden Euro aus, inoffiziell ist von 2,8 Milliarden Euro die Rede. Eine neue, endgültige Kostenschätzung soll aber erst im April vorliegen - nach Abschluss eines ersten Ausschreibungsverfahrens.

Der Bund bleibe mit im Boot - in welcher Höhe, das werde man im April sehen, betonte Dobrindt. Bislang hatte der Bund eine Beteiligung von knapp 500 Millionen Euro zugesichert. Der größte Geldgeber ist der Freistaat Bayern. Er will sich mit knapp 1,3 Milliarden Euro beteiligen.

Appell an die Stadt München

Herrmann und Dobrindt sehen nun die Stadt München in der Pflicht. Weil München der Hauptprofiteur sei, müsse sich bei einer Kostensteigerung auch die Stadt stärker finanziell beteiligen. Wenn die Kosten steigen, müssen alle entsprechend dabei sein, sagte Herrmann. Derzeit liegt der Anteil der Landeshauptstadt bei 113 Millionen Euro.

Seit über 15 Jahren wird das Projekt einer zweiten Stammstrecke für die Münchner S-Bahn geplant. Baurecht gibt es bereits für den westlichen und den mittleren Bauabschnitt. Für das östliche Teilstück werde der Planfeststellungsbeschluss nun voraussichtlich im ersten Quartal 2016 vorliegen, sagte Dobrindt.

"Lippenbekenntnisse reichen nicht aus"

SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher forderte von Dobrindt und der Staatsregierung konkrete und belastbare Finanzzusagen für das Projekt: "Lippenbekenntnisse reichen nicht aus." Der verkehrspolitische Sprecher der Landtags-Grünen, Markus Ganserer, mahnte, das Milliardenloch bei der Finanzierung der zweiten Röhre lasse sich auch mit nebulösen Zusagen des CSU-Bundesverkehrsministers nicht stopfen.


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Enrico Pelocke, Mittwoch, 02.Dezember, 01:54 Uhr

9. was unentbehrlich ist

An der 2. Stammstrecke führt nichts vorbei. Sie ist unentbehrlich, weil die 1. Stammstrecke überlastet und relativ oft wegen Notarzt+Polizeieinsätzen gestört ist. Sie kann trotz Bedarf keine zusätzlichen Züge aufnehmen. Zusätzlich sind aber auch Südring, evtl. Nordring, 2gleisige Abschnitte und Neubaustrecken in den Außenästen nötig, um die Zuverlässigkeit der Münchner S-Bahn zu erhöhen, nach Störungen schnell wieder pünktlich zu fahren und weiteren Verkehr auf die Schiene zu bringen. Investitionen in das übrige Eisenbahnnetz dürfen aber nicht eingeschränkt werden. Z.B. sind zwischen Plattling und Landshut 2gleisige Abschnitte nötig, damit der Donau-Isar-Expreß pünktlicher wird. Woher das Geld kommen soll? Keine Waffenexporte mehr -> weniger Flüchtlinge, weniger Seiten im Schwarzbuch der Steuerzahler, weniger Straßen+Autobahnen bauen (denn die Leute sollen Zug fahren), mehr Geld in Bildung +Kinder+Jugensarbeit -> weniger Schäden durch Drogenmißbrauch+Randalierer+Kriminelle.

Krille, Dienstag, 01.Dezember, 19:20 Uhr

8.

Wenn die zweite unterirdische Stammstrecke in München kommt, kann man die vielen anderen Baustellen der Bahn im übrigen Bayern auf Jahre vergessen. Mir graut beispielsweise davor, dass man bei Niederbayern von einer Aufsteigerregion spricht und bei der Fahrt nach München auf einem eingleisigen Bummelzug steigt. Wie passt das zusammen? Auch der dringend notwendige Ausbau der Magistrale Linz-Passau-Regensburg-Frankfurt wäre damit wohl begraben. Ich bin auch für eine Verbesserung der Situation in München - mit einer oberirdischen Ringlösung über das südliche Stadtgebiet. Das wäre verhältnisweise preiswert zu haben und obendrein relativ schnell zu realisieren. Gemessen am schlechten Lebensstandard von Restbayern wäre eine weitere Milliardeninvestition in München purer Anachronismus und ein Schlag ins Gesicht all derer, die den Unterschied in der Lebensqualität zwischen München und Bayern zu minimieren suchen.

John R., Dienstag, 01.Dezember, 17:53 Uhr

7. Was bedeutet endgültig?

"Endgültig auf den Weg gebracht wurde die zwei(te?) Stammstrecke schon mehrmals. "
Was soll das bedeuten?
Wurde das Wort "endgültig" neu definiert?

"Seit über 15 Jahren wird das Projekt einer zweiten..."
Wurde oder wird der BER als Vorbild genommen?

BR-Fan, Dienstag, 01.Dezember, 17:46 Uhr

6.

"Dobrindt kennt keine Schmerzgrenze"
Und das überall.

Stimmt 100%

Besser ist sein Zustand nicht zu beschreiben!
Das ist Bayerns Aushängeschild ;-)

Barbara, Dienstag, 01.Dezember, 15:59 Uhr

5. Warum ist man nur auf eine zweite Stammstrecke fixiert?

Gibt es denn keine adäquatere Lösung?