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Verkehrsschilder Beschmiert und zugeklebt!

Eigentlich sollen sie das Chaos ordnen. Zuweilen sind sie aber bis zur Unkenntlichkeit beschmiert und zugeklebt: Verkehrsschilder. Für Autofahrer ärgerlich, für Kommunen ein finanzieller Aufwand: Ein Schild zu ersetzen, kostet etwa 70 Euro. Und das kommt nicht gerade selten vor.

Von: Alex Brutscher

Stand: 11.01.2016

Wolfgang Ackermann steht vor einem orangenen Container gefüllt mit ausgedienten Verkehrsschildern: zerkratzt, verbeult, ausgeblichen. Einige sind vollgeklebt - "nicht mehr zu retten", wie der Leiter des Münchener Verkehrszeichenbetriebes sagt. Er kümmert sich mit seinem Team darum, dass unkenntliche Schilder repariert oder ausgetauscht werden.

Für den Straßenverkehr sind unkenntliche Straßenschilder schließlich nicht ungefährlich. Wer allerdings denkt, dass zugeklebte und beschmierte Verkehrsschilder automatisch dazu führen, dass man sie nicht mehr beachten muss, der täuscht sich. Einen solchen Fall hatte der Leiter der Münchener Verkehrsbetriebe noch nie.

Aggressive Aufkleber

Die Schilder können oft nicht mehr gerettet werden. Denn die Aufkleber lassen sich schwer ablösen, die Schmierereien schlecht entfernen. Das Einzige, was da hilft, sind chemische Reiniger. Doch die haben einen Nachteil: Sie zerstören die reflektierende Folie, die dafür sorgt, dass man die Schilder auch nachts gut sieht. Die Folge: Das Verkehrszeichen wird unbrauchbar. Ein Problem, das in den vergangenen Jahren zugenommen hat.

"Das ist einfach Gedankenlosigkeit. Ich glaube nicht, dass es den Leuten bewusst ist, was sie für einen Aufwand, was sie für Kosten verursachen."

Wolfgang Ackermann, Leiter des Münchener Verkehrszeichenbetriebes

Vandalismus im (Nürnberger) Schilderwald

Und bei Ihnen?

Zugeklebtes Schild in der Münchener Innenstadt | Bild: BR/Günther Rehm zum Formular Verkehrsschilder Schicken Sie uns Ihre Fotos!

Stören Sie die beschmierten und zugeklebten Schilder in Ihrer Nachbarschaft? Dann schicken Sei uns Fotos davon! Die "besten" stellen wir online. [mehr]

Ackermann rechnet vor: Der Ersatz kostet etwa 70 Euro - pro Schild. In Nürnberg kommen so jeden Monat über 1.000 Euro zusammen. Laut des Servicebetriebes Öffentlicher Raum könnte man die Schilder in der Nürnberger Innenstadt - vor allem in der Königstraße - jeden Tag austauschen. Halten sollten sie eigentlich rund 30 Jahre.

Gemacht wird das aber nur, wenn das Verkehrszeichen so unkenntlich ist, dass damit eine Verkehrsgefährdung entstehen könnte. Bei nur wenigen Aufklebern macht sich die Stadt nicht mehr die Mühe. Kann sie auch gar nicht. In München etwa gibt es über eine Millionen Straßenschilder. Alle beklebten zu ersetzen, wäre unwirtschaftlich.

"Das Geld könnten wir woanders besser gebrauchen."

Dr. Ulrike Goeken-Haidl, Servicebetrieb Öffentlicher Raum Nürnberg

Kein Kavaliersdelikt

Besonders beliebt sind Aufkleber bayerischer Fußballvereine. Die Münchener Löwen, der FC Bayern, der Club in Nürnberg, der FC Augsburg. Aber auch Aufkleber mit politischen Inhalten sieht man oft. Die müssen sofort entfernt werden. Sofern sie denn von der Polizei oder den Bürgern gemeldet werden. Bei der Vielzahl an unkenntlichen Schildern eine Sisyphos-Arbeit.

Wer beim Beschmieren oder Zukleben erwischt wird, den erwartet eine Anzeige. Laut Münchener Polizei handelt es sich dabei nämlich nicht um ein Kavaliersdelikt, sondern um Sachbeschädigung.


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Isabel , Mittwoch, 13.Januar, 20:17 Uhr

7. Beschmiert und zugeklebt

Ein sehr interessanter Bericht, vor allem, da ich jeden Tag an 5 Parkverbotschildern vorbeilaufe, die 'vom 28.07.15 mit 03.09.15' befristet waren. Im Grunde handelt es sich um 5 Schilderensemble. An jedem der 5 Schilderstangen(Masten?) sind jeweils 3 Schilder befestigt.
So wertvoll scheinen die Schilder dann doch nicht zu sein, wenn sie dermaßen in Vergessenheit geraten.
Deutschland, Dein Schilderwald.

Besagte Schilder stehen übrigens am Giesinger Bahnhof. Gerne hätte ich Bilder hinzugefügt....

Herzlicher Gruß

Isabel

Hannes, Mittwoch, 13.Januar, 11:07 Uhr

6. Rechnung

Bessere Politik=mehr zufriedene Bürger=weniger Aufkleber

Bea, Mittwoch, 13.Januar, 11:03 Uhr

5. Die Aufkleberflut ist nicht von ungefähr!

Für mich völlig verständlich wenn man sieht was auf den Aufklebern draufsteht. Die die ich gesehen habe zeigten: Merkel Rücktritt! oder z. B. Asyl für Snwoden und Stopp TTIP!
Das kommt aus meiner Sicht von Politik gegen den Bürger! Irgendwie schaffen sich die Bürger dann Gehör.

Ex Merkelist, Mittwoch, 13.Januar, 10:58 Uhr

4. Wird schon seinen Grund haben............

Meiner Meinung nach zeigen die Aufkleber den immer größern Unmut der Bevölkerung(was hier wieder als Chaoten abgetan wird).
Diese Menschen werden ihren Grund haben Aufkleber auf Schilder zu kleben. Bei diesem Vorgehen ist die Zensur der Regierung nicht so leicht wirksam.
Sie sollten in ihrem Bericht mal zeigen was auf den Aufklebern steht! Wahrscheinlich suchen Sie sich(vom ÖR) aber wieder nur die rechtsradikalen Aufkleber raus.
Bin mal gespannt ob dieser Kommentar überhaupt veröffentlicht wird! In einem Staat in dem alles in bester Ordnung ist hat man meiner Meinung nach auch kein Problem mit Aufklebern!

Wolfgang Huber, Mittwoch, 13.Januar, 10:13 Uhr

3. Niedrige Tatschwelle mit hoher Aggressionsmotivation

Egal ob Verkehrsschilder, Dachrinnen, Scheiben, etc.. hier zeigt sich, wie aggressiv gestört manche Bevölkerungsschichten sind. Sicher tiefgründig soziologisch ergründbar (Milieuschaden, alkoholisiert etc..), jedoch müssten die überführten Täter in Reinigungskolonnen antreten, mindestens 2 Wochen, unter Aufsicht. Ich wette, das hülfe nachhaltig.