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Zika-Übertragung in Deutschland Wohl nur geringe Gefahr

Gesundheitsminister Gröhe hält es für unwahrscheinlich, dass sich das Zika-Virus in Deutschland verbreitet, rät aber zu erhöhter Wachsamkeit. Die WHO hat den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Besonders betroffen ist Brasilien.

Stand: 02.02.2016

Eine Gelbfiebermücke. auch ägyptische Tigermücke genannt - ihr Körper ist gelb-schwarz gestreift, der Schwanz ist schwarz-weiß gestreift | Bild: picture-alliance/dpa

Eine Meldepflicht für Arboviren, zu denen das Zika-Virus und Dengue-Fieber gehöre, habe er auf en Weg gebracht, erklärte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe der "Rheinischen Post". Damit würden Reiserückkehrer besser überwacht und den Gesundheitsämtern lägen im Notfall die entsprechenden Informationen vor.

WHO ruft globalen Notstand aus

Bei der schnellen Ausbreitung des Zika-Virus handele es sich um ein außergewöhnliches Ereignis, das als internationaler Notfall gewertet werden müsse, erklärte die Weltgesundheitsorganisation WHO. Es gebe eine räumliche und zeitliche Verbindung zwischen dem Virus und dem Auftreten von Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie), sagte die WHO-Direktorin Margaret Chan. Es fehle aber noch der wissenschaftliche Beweis. "Wir brauchen eine koordinierte internationale Antwort", sagte sie. Die Staaten müssten sich auf Entwicklung und Produktion eines Impfstoffs gegen das Virus konzentrieren, sagte Chan.

Globaler Gesundheitsnotstand

Ausgerufen hatte ihn die WHO zuletzt 2014 wegen Ebola und Kinderlähmung und 2009 wegen der Schweinegrippe. Mit Ausrufung des Notstandes hat die WHO eine Krisenreaktionseinheit gebildet, die den Kampf gegen das Virus koordinieren und leiten wird. Mitgliedsländer sind verpflichtet, Maßnahmen gegen das Virus zu ergreifen. Die WHO kann auch nichtbetroffene Länder aufrufen, in die Forschung für Impfstoffe und Diagnose-Tests zu investieren.

Die Infektion ist vor allem für Schwangere und ihre Kinder gefährlich

Übertragen wird das Virus über Stiche der Ägyptischen Tigermücke, auch Gelbfiebermücke genannt. Wissenschaftler entdeckten das Virus erstmals 1947 in einer Forschungsstation in Uganda bei Rhesus-Affen. Die WHO äußerte die Befürchtung, dass sich aufgrund des Wetterphänomens El Niño die Aedes-Aegypti-Stechmücken stark vermehren, die das Virus übertragen. Die Infektion, die zu grippeähnlichen Symptomen führt, ist vor allem für Schwangere riskant. Auch ein Zusammenhang mit dem Guillain-Barré-Syndrom wird vermutet, das wegen einer Schädigung der Nerven Lähmungen hervorruft.

Für Gesunde meist ungefährlich

In bis zu 80 Prozent der Fälle bleibt die Infektion unbemerkt. In den anderen Fällen ähneln die Symptome einer Grippe mit Fieber, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen. Häufig treten auch Hautausschlag und Bindehautentzündungen auf.

Das Virus verbreitet sich explosionsartig, besonders in Süd- und Mittelamerika. Betroffen sind auch Länder in Afrika, Asien und im westpazifischen Raum. Allein in Brasilien registrierten die Behörden von Oktober bis Januar mehr als 400 Fälle von Schädelverformungen bei Neugeborenen. Allerdings sei nur in 17 Fällen ein Zusammenhang mit dem grassierenden Zika-Virus nachgewiesen worden, hieß es. 3.670 weitere Fälle werden den Angaben zufolge noch untersucht. Im größten Land Südamerikas werden inzwischen 220.000 Soldaten für den Kampf gegen das Zika-Virus aufgeboten. Die Soldaten sollen von Haus zu Haus gehen und die Bewohner aufklären, wie sie sich gegen die Stechmücken schützen und deren Brutstätten trocken legen können.

Brasilien rät Schwangeren von Olympia-Besuch ab

"Wir stehen in engem Kontakt mit der WHO, wir sind in Kontakt mit allen nationalen Olympischen Komitees."

IOC-Präsident Thomas Bach

Olympia-Gastgeberland Brasilien reagierte auf die Ausrufung des Notstandes und hat Schwangeren von einer Reise zu den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro abgeraten. Der Stabschef von Staatspräsidentin Rousseff teilte mit, Wissenschaftler aus den USA und Brasilien forschten gemeinsam nach einem Gegenmittel. Die Entwicklung eines Impfstoffes kann allerdings bis zu fünf Jahre dauern.

"Die Gesundheit aller Athletinnen und Athleten, aller Teammitglieder und auch derer, die vor Ort Olympia einfach nur genießen wollen, muss an erster Stelle stehen."

Alfons Hörmann, DOSB-Präsident

Zika-Virus bisher wenig erforscht

Eine generelle Reisewarnung in Länder mit hohen Zika-Infektionsraten sprach die WHO nicht aus. Schwangere sollten aber diese Gebiete meiden. Mückenschutz ist aktuell die einzige sinnvolle Schutzmaßnahme. Das Zika-Virus ist bislang wenig erforscht. Wissenschaftler forschen fieberhaft nach dem genauen Übertragungsweg der Infektion von der Mutter auf das ungeborene Kind. Brasilianischen Forschern gelang es vor kurzem, das Zika-Virus im Fruchtwasser und der Plazenta nachzuweisen.

Fälle in Deutschland

Auch in Deutschland gibt es laut Bundesgesundheitsministerium einige Personen, die mit dem Zika-Virus infiziert sind, allerdings ausnahmslos Reiserückkehrer. Das Auswärtige Amt rät Schwangeren und Frauen, die planen, schwanger zu werden, von vermeidbaren Reisen in die Risikogebiete ab. Eine Ansteckung in Deutschland ist nicht bekannt, heißt es auf den Internetseiten des Bundesgesundheitsministeriums


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