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Hass-Videos 250 Unternehmen boykottieren Youtube-Werbung

Immer mehr große Unternehmen setzen ihre Anzeigenkampagnen bei Youtube aus, weil ihre Werbung im Umfeld extremistischer Botschaften erscheint. Googles Videoportal will nun reagieren - mit fragwürdigen Erfolgsaussichten.

Von: Florian Regensburger

Stand: 24.03.2017

Eine Werbung der britischen BBC vor islamistischer Terrorpropaganda, Reklame einer Bank in schwulenfeindlichen und antisemitischen Videobotschaften: Youtube schaut beim Werbeumfeld seiner Anzeigenkunden offenbar nicht so genau hin.

Werbeboykott gegen Youtube weitet sich aus

Immer mehr Unternehmen reagieren darauf mit einem Werbeboykott gegen die größte Online-Videoplattform der Welt. Nun kommen zwei prominente Namen hinzu: Die US-Großbank JPMorgan Chase und der Mischkonzern Johnson & Johnson ziehen ihre Kampagnen bei Youtube zurück.

Insgesamt haben laut Medienberichten bereits rund 250 Marken und Organisationen ihr Werbe-Engagement bei Youtube gestoppt. Darunter sind so prominente Namen wie die US-Telekommunikationsriesen AT&T und Verizon - allein Letzterer hat laut der britischen Times einen jährlichen Werbe-Etat von rund 2,5 Milliarden US-Dollar zu vergeben.

Neue Mitarbeiter sollen Kontrolle verbessern

Angesichts der vielen wegbrechenden Werbemillionen will Youtube-Mutter Google nun reagieren: Zwar könne bei Hunderten Stunden Videomaterial, die jede Minute bei Youtube hochgeladen werden, nicht alles vorab geprüft werden, zitiert das IT-Fachportal heise.de den Google-Manager Peter Barron. Dennoch sollen künftig zahlreiche neu eingestellte Mitarbeiter die Kontrolle der Videos verbessern, so dass Werbung im Umfeld extremistischer Videos innerhalb weniger Stunden entfernt beziehungsweise direkt die Videos entfernt werden könnten. Werbetreibende sollen außerdem bessere Möglichkeit bekommen, zu erkennen, wo genau ihre Anzeigen erscheinen.

Dennoch: So lange Youtube-Nutzer Videos veröffentlichen können, ohne dass diese zuvor von einem Menschen in Augenschein genommen wurden, wird das Problem weiterhin bestehen. Werbeanzeigen im fraglichen Umfeld dürften durch die angekündigten Maßnahmen lediglich ein bisschen weniger und ein bisschen schneller entfernt werden, als bisher.


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