CD-Tipp der Woche Neues von Yo La Tengo
Yo La Tengo waren immer schon eine Kritiker-Lieblingsband. Sabine Gietzelt stellt das neue Album "Fade" vor. Der CD-Tipp der Woche auf B5 aktuell - jeden Dienstag um 6.25 Uhr und um 8.25 Uhr auf B5 aktuell.
Ein ungewöhnlich perkussiver Anfang für eine Yo La Tengo Platte. „Ohm“ heisst der wunderbare Opener. Es ist fast das einzige Stück, das man gerade noch als „ein wenig ruppig“ bezeichnen könnte und das für den typischen Yo La Tengo Song stehen könnte, für den die Band immer wieder Velvet Underground Vergleiche einheimste. Die scheinen auf Fade ansonsten nämlich gar nicht mehr angebracht zu sein..
Schon im nächsten Stück zeigen Yo La Tengo ihre Veränderung noch offensichtlicher. Gitarrist Ira Kaplan singt „Is That Enough“ so liebevoll und zart, wie wir es bisher kaum kaum erlebt haben. Streicher verzieren das fast kitschig geratene Stück. Fast wie ein Liebeslied klingt es. Georgia Hubley, Ira Kaplans Ehefrau und die Schlagzeugerin der Band begleitet ihn im Chor.
Natürlich singt Georgia Hubley nicht nur im Hintergrund. Bei dem ebenfalls sehr zart geratenen „Cornelia and Jane“ werden wir neugierig: Wer sind Cornelia und Jane, die in diesem sympatischen Song zwischen dezenten Bläsern und Georgia Hubleys betextet werden, ohne das irgendetwas verraten, aber viel angedeutet wird. Ein wunderbarer Song auch das.
Entspannte Klänge
Yo La Tengo waren immer schon eine Band, die mindestens so entspannt war, wie ihre Musik klang. Spontane Zurufe mit Aufforderungen nach Coverversionen brachten die Band nicht etwa aus der Ruhe. Im Gegenteil : Yo La Tengo haben explizit dazu aufgefordert und Musikwünsche mit viel Spaß und Überzeugung im Radio live nachgespielt. Ob Pop, Soul, Countryfolk oder Jazz, Yo La Tengo konnten jeden Song spielen.
Wenn eine Band flexibel und vielseitig einsetzbar ist, dann Yo La Tengo. Dennoch sind sie immer unverkennbar Yo la Tengo geblieben, eine Band, die es in ihren beinahe 30 Jahren Bandgeschichte scheinbar nie ins Rampenlicht gedrängt hat, obwohl sie längst in einem Film die legendären Velvet Underground dargestellt und gespielt haben und bei den Simpsons in Erscheinung getreten sind.
Fade heisst nun also ihre inzwischen 13. Platte. Übers Verschwinden will uns der Titel etwas andeuten. Vielleicht wegen einer schweren Krankheit von Ira Kaplan oder doch wegen des dezenten ruhigen Sounds Vielleicht aber auch, weil das eine mit dem anderen zu tun hat. Auf jeden Fall ist Fade anders als frühere Yo La Tengo Platten, sie ist deutlich kürzer, kompakter. Die Songs sind stringenter und Ira Kaplans stets wunderbar krachende Gitarrenexkurse von früher scheinen nur ganz kurz auf. Eine erstaunlich ruhige Platte also, die dieses Mal der gut bekannte John Mc Entire produziert hat. Erschienen ist ihre sehr empfehlenswerte neue, dreizehnte Platte auf Matador.

Wetter

