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Fit für die Zukunft Würzburger Traditionsfirma im digitalen Wandel

Die Koenig & Bauer AG ist der älteste Druckmaschinenhersteller der Welt. Die Digitalisierung von Produkten und Arbeitswelt jedoch stellte das Unternehmen vor große Probleme. Die Würzburger stellten sich der Herausforderung - mit Erfolg.

Von: Arndt Wittenberg

Stand: 12.10.2017

In der Fertigung bei Koenig & Bauer | Bild: picture-alliance/dpa

Seinen Weg zur Arbeit kennt Michael Öhrlein in- und auswendig. Seit 40 Jahren arbeitet er beim Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer. Der Betrieb hat eine Jahrhunderte alte Tradition in der Main-Metropole. Viele Würzburger Familien arbeiten über Generationen in dem Unternehmen. So ist es auch bei Michael Öhrlein.

"Mein Vater hat hier sein ganzes Leben gearbeitet, Onkel und Tante waren hier im Unternehmen, ich bin jetzt im 40. Jahr, und mein Sohn ist jetzt im Unternehmen. Das macht einen schon ein bisschen stolz."

Michael Öhrlein

Mit "Industrie 4.0" wurde alles anders

Michael Öhrlein hat eine typische Laufbahn hinter sich: Mit 15 Jahren begann er hier seine Lehre als Maschinenschlosser, danach folgten  Jahre in der Produktion und der Abschluss zum Meister. Heute arbeitet der 55-Jährige in der Arbeitsvorbereitung, einer Schnittstelle zwischen Konstruktion und Produktion. Mit der Digitalisierung – Stichwort „Industrie 4.0“ - hat sich auch seine Arbeitswelt erheblich verändert.

"Wir werden gemessen an der Schnelligkeit. Früher - vor 4.0 - wenn ich die großen Maschinen sehe, dann war die Durchlaufzeit eineinhalb Jahre, da war der Prozess träge. Mittlerweile wird versucht, in einem Jahr 6-7 Maschinen durchzuziehen. Dementsprechend müssen die Prozesse schneller sein, mehr Druck, mehr Leistung, Zeit ist Geld mittlerweile."

Michael Öhrlein

200 Jahre Tradition

Tradition und neue Technik: Fertigung bei Koenig & Bauer

Die Mitarbeiter von Koenig & Bauer  können auf eine lange Firmen-Geschichte zurückblicken. 1817 wurde in Würzburg der Grundstein für die älteste Druckmaschinenfabrik der Welt gelegt. Es war der Beginn der industriellen Revolution:  Die ersten Druckmaschinen wurden noch mit Dampf betrieben. Im Laufe der Zeit machte sich Koenig & Bauer weltweit einen Namen: als zweitgrößter Maschinenhersteller für Banknoten-, Wertpapier- und Zeitungsdruck.

Die digitale Krise

Noch vor zehn Jahren machte Koenig & Bauer einen Großteil seines Umsatzes mit Zeitungsdruckmaschinen. Doch mit der digitalen Revolution kam die Krise: Die Auflagen von Zeitungen und Werbeprospekten brachen stark ein, und damit auch die Nachfrage nach den entsprechenden Druckmaschinen.

"Es sind viele Produkte einfach in die digitale Welt abgewandert. Sie sind vom Markt schlichtweg verschwunden. Denken Sie ein Jahrzehnt zurück: das große Kataloggeschäft ist nicht mehr existent. Wir waren ein sehr starker Lieferant in ganz USA für Telefonbücher und Gelbe Seiten, das ist heute kaum noch vorhanden. Es sind große Druckmärkte einfach verschwunden in unserem klassischen Geschäft." Claus Bolza-Schünemann, Vorstandvorsitzender von Koenig & Bauer

Einschnitte, die weh taten

2014 musste das fränkische Unternehmen schmerzhafte Einschnitte umsetzen, um wieder aus den roten Zahlen zu kommen. Zwei Standorte wurden geschlossen. Von insgesamt 6.400 Mitarbeitern verloren über 1.000 ihren Job.  

Auch Michael Öhrlein erinnert sich nur ungern an diese Zeit. Im Würzburger Werk ging die Angst um. Mehr als 700 Mitarbeiter mussten gehen.

"Die Stimmung war auf dem Tiefpunkt, im ganzen Unternehmen. Jeder hat vorsichtig auf den Anderen geschaut. Trifft´s mich? Hoffentlich trifft es einen Anderen. Es war nicht schön, möchte ich nicht noch einmal erleben."

Michalel Öhrlein

Die digitale Lösung

Zufrieden mit der Entwicklung: Claus Bolza-Schünemann

Heute läuft die Produktion wieder auf Hochtouren. Grund dafür ist eine radikale Neuausrichtung des Unternehmens: weg von der Fertigung der Zeitungsdruck-Maschinen, hin zum Geschäft mit Digital-, Werbe- und Verpackungsdruck. Seit einem Jahr macht das Unternehmen wieder Gewinne, und die Orderbücher sind gut gefüllt.

"Wir sehen unser Wachstum in erster Linie in der Verpackung, das ist ein weites Feld. Es wird immer aufwändiger und komplizierter verpackt. Das gilt für alle Materialien, die wir heute bedrucken können, sei es Kunststofffolien, Aluminiumfolie, eine Kartonage, eine Wellpappe, ein Papier, ein Blech. Eine sehr hochwertige Verpackung, die Blechschachtel – das ist so unsere Welt heutzutage."

Claus Bolza-Schünemann, Vorstandvorsitzender von Koenig & Bauer

Hoffnung auf den Riesen-Deal

Zurzeit testen die Mitarbeiter eine knapp drei Meter breite digitale Druckmaschine für Wellpappen, die in Zusammenarbeit mit einem US-amerikanischen PC-Hersteller entwickelt wurde. Bald könnten pro Jahr sechs bis sieben Maschinen dieses Typs gefertigt werden. Für das Traditionsunternehmen wäre es ein Riesen-Deal.  

Die Krise ist überwunden, die neuen Geschäftsfelder – so hofft Michael Öhrlein zumindest – werden auch seinen Arbeitsplatz sichern.

"Für mich bin ich eigentlich optimistisch. Für meinen Sohn hoffe ich auf Optimismus und eine gute Wirtschaftslage. Dass er praktisch in seiner Abteilung genauso viel Erfolg hat wie ich oder mein Vater."

Michael Öhrlein


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