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Immer mehr Wölfe in Bayern Schützen oder abschießen?

Im vergangenen Jahr wurden so viele Wölfe in Bayern gesichtet wie nie zuvor. Dabei galt er lange als ausgerottet. Inzwischen gehen Experten davon aus, dass Wölfe auch bei uns wieder heimisch werden und sich bald Rudel in bayerischen Wäldern ansiedeln. Unter Schäfern und Almbauern geht die Angst um. Politiker fordern weniger Wolfsschutz und mehr Abschüsse. Zu Recht? Wie gut ist Bayern auf den Wolf vorbereitet?

Von: Ronja Dittrich und Anne Hinder

Stand: 01.02.2017

150 Jahre galt der Wolf als ausgestorben. Jetzt ist der Wolf, das Fabelwesen und Raubtier, wieder zurück. In ganz Deutschland gibt es mittlerweile etwa 130 erwachsene Wölfe. Und auch in Bayern sieht man die Tiere in letzter Zeit immer häufiger. In vielen Regionen um Bayern herum ist der Wolf sogar schon heimisch. Experten erwarten bereits die Bildung eines ersten Rudels im Freistaat.

Abschuss der Wölfe gefordert

Die Schafe von Brigitta Regauer wurden von einem Wolf gerissen.

Sehr zum Ärger von Schäfern, Bauern und Almbauern. Sie sorgen sich um ihr Vieh. Denn auch wenn es keinen einzigen Angriff auf Menschen gab, seitdem der Wolf wieder in Deutschland ist - auf Schafe und Kälber schon, immer wieder. Beispielsweise traf es vor sechs Jahren im Landkreis Miesbach die Schafherde der Bäuerin Brigitta Regauer. Ihre große Sorge ist seitdem, dass so etwas wieder passieren könnte. Die Almbäuerin erinnert sich noch genau an den Tag:

"Wie wir die gefunden haben - ja, das war nicht schön. Die Schafe die atmen zum Teil, also selbst mit der zerfleischten Kehle. Dann können sie nicht mehr durch die Nase atmen - und es ist schauerlich. Also ich wünsch' keinem Viech, dass es das erleiden und erleben muss."

Almbäuerin Brigitta Regauer

Viele Viehalter in Bayern fordern, den Schutzstatus des Wolfs herab zu stufen. Denn die Tiere sind sowohl nach deutschem als auch nach EU-Recht streng geschützt und dürfen normalerweise nicht geschossen werden. Erst im Notfall wird ein Wolf zum Anschuss freigegeben - wenn er gefährlich wird.

Kontroverse Meinungen im Bayerischen Landtag

Was also tun? Wie soll man auf den Wolf in Bayern reagieren? Das diskutieren diese Woche auch die Abgeordneten im Landtag. Und auch dort gehen die Meinungen auseinander.

"Der Schutzstatus sollte unserer Meinung nach herabgesetzt werden - um eine Entnahme, wie es so schön heißt, also ein Fangen oder einen Abschuss leichter zu rechtfertigen."

Eric Beißwenger, CSU

"Es gibt überhaupt keinen Grund, den Schutzstatus vom Wolf zu senken. Wir haben bislang Einzeltiere in Bayern."

Christian Magerl, Bündnis 90/Die Grünen

"Dieser hohe Status ist noch aus einer Zeit, in der es kaum Wölfe gab. Die Realität ist mittlerweile eine andere, er hat sich massiv vermehrt."

Hubert Aiwanger, Freie Wähler

"Bayern muss sich klar dazu bekennen Wolfserwartungsland zu sein und das ist ja was Positives. Wir haben den Wolf ausgerottet in der Vergangenheit und sind jetzt in der Pflicht, die Fehler wieder gut zu machen."

Herbert Woerlein, SPD

Menschen müssen mit dem Wolf leben

Christian Hierneis, Mitglied des Landesvorstandes des BUND Naturschutz in Bayern e.V.

Für den Bund Naturschutz ist die Sache klar: Weniger Wolfsschutz kommt nicht in Frage. Vielmehr müsse man lernen, mit dem Wolf zu leben und entsprechende Schutzvorkehrungen zu treffen, in Form von beispielsweise Herdenschutzhunde, Elektrozäune oder Hirten. Dies müsse aber auch staatlich gefördert werden, meint Christian Hierneis vom BUND Naturschutz.

"Es darf nicht allein auf dem Rücken der Schafhalter oder Rinderhalter ausgetragen werden. Die können das auch gar nicht finanzieren."

Christian Hierneis, Mitglied des Landesvorstandes des BUND Naturschutz in Bayern e.V.

Der Wolfsmanagementplan des Freistaats

Wölfe haben auch Vorteile

In Sachsen-Anhalt gibt es bereits 12 Wolfsrudel. Dort hat man schon länger Erfahrung mit Wölfen und sorgt vermehrt mit Herdenschutzhunden für Sicherheit. Mittlerweile werden dort auch die Vorteile des Wolfs gesehen, denn er ernährt sich auch von Wildschweinen. Die richten jedes Jahr einen Millionen-Schaden auf deutschen Feldern an. Doch mit der Ansiedlung des Wolfs gibt es dort jetzt wieder einen natürlichen Feind - auch für Wild.

Doch wie können Schutzvorkehrungen vor dem Wolf in der Praxis funktionieren? Um das zu regeln, gibt es in Bayern eigentlich den Wolfsmanagementplan. Erstellt vom Umwelt- und Landwirtschaftsministerium - gemeinsam mit Bauern und Naturschutzorganisationen. Christian Hierneis arbeitet seit Beginn in diesem Gremium - das war 2006. Damals war man völlig unvorbereitet, als Bär Bruno durch Bayern zog, immer wieder Tiere riss und für viel Unruhe sorgte. Am Ende folgte der Abschuss des "Problembären". Dafür hagelte es viel Kritik.

"Nach Bruno wollte man diesen Fehler nicht mehr machen, dass man unvorbereitet ist. Man wollte einen Plan erstellen und sagen: Wenn der nächste Bär kommt, wenn der nächste Wolf kommt, sind wir vorbereitet. Man hätte die Chance gehabt, das zu machen. Nachdem das aber wieder eingeschlafen ist, kam dann der Wolf nach Bayrischzell und die Panik war da und keiner wusste: Wie gehe ich jetzt mit dem Wolf um?"

Christian Hierneis, Mitglied des Landesvorstandes des BUND Naturschutz in Bayern e.V.

Das Gremium wird aber nur noch einmal im Jahr einberufen. Und der Managementplan ist noch immer auf dem Stand von 2014. Christian Hirneis kann deshalb nicht verstehen, dass die politische Diskussion erst jetzt richtig beginne, schließlich gäbe es schon seit zehn Jahren eine Arbeitsgruppe für den Wolf, die all diese Fragen klären könnte, so Hirneis, und verweist auf das Bayerische Landesamt für Umwelt. Claus Kumutat, der dort verantwortlich ist für die bayerische Wolf-Strategie, hält die Forderung nach mehr Prävention oder Abschussquoten jedoch für übertrieben.

"Für mich ist die vor allem emotional geprägt. Weil wir in Bayern lediglich durchziehende Wölfe und einen standorttreuen Wolf haben. Ein flächendeckendes Problem kann ich nirgends sehen."

Claus Kumutat, Bayerisches Landesamt für Umwelt

Effektive Schutzmaßnahmen brauchen Zeit

Schäfer Johannes Ruhdorf hat seine Tiere mit Herdenschutzhunden vor Wölfen geschützt.

Während die Meinungen über den Umgang mit dem Wolf, über Präventionsmaßnahmen und Abschussquoten vielerorts noch weit auseinandergehen, haben zwischenzeitlich einige wenige Viehhalter schon vorgesorgt. Der oberpfälzer Schäfer Johannes Ruhdorf in der Nähe von Tirschenreuth arbeitet bereits seit fünf Jahren mit Herdenschutzhunden. In den letzten Jahren wurden immer wieder Wölfe in der Nähe gesichtet. Schon bald, glaubt er, wird sich auch ein Rudel ansiedeln.

Die Sicherheit seiner Herde hat ihm bis jetzt viel Aufwand bereitet und war sehr teuer: Rund 30.000 Euro hat er mit Unterstützung seiner Familie bereits dafür investiert. Dazu viel Zeit und Mühe, um seinen Betrieb umzustellen, denn die Schutzhunde sind offiziell Kampfhunde. Wenn sie nicht von klein auf an den Mensch gewöhnt werden, können sie gefährlich werden.

"Man braucht schon durchaus zwei Jahre bis das System rund läuft. Es ist definitiv 'ne Betriebsumstellung: Es sind Neukosten, die da auf einen zukommen, die Schafe müssen sich neu einstellen - und wenn ein Schäfer denkt, er kann seinen Herdenschutzhund dann so behandeln wie seinen Hütehund - dann hat er sich auch getäuscht."

Johannes Ruhdorf, Schäfer

Er wird inzwischen seit zwei Jahren als Pilotbetrieb für Herdenschutz unterstützt bei seinen Präventionsmaßnahmen – bisher einer der ganz wenigen in Bayern. Die meisten Landwirte und Schäfer in Bayern sind nicht so vorbereitet wie er.

Managementplan Wölfe in Bayern - Stufe 1 und 2

Der Managementplan des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz "beschreibt den Handlungsrahmen und regelt Zuständigkeiten, Kommunikationswege, das Monitoring und die Abwicklung von Ausgleichszahlungen, wenn Wölfe nach Bayern zuwandern." 

Managementplan Wölfe in Bayern - Stufe 1 (Zu- und durchwandernde Einzeltiere) Stand: 12/2007
Managementplan Wölfe in Bayern - Stufe 2 (Einzelne standorttreue Tiere) Stand: 04/2014


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Hadschi Halef Omar ben Hadschi etc. etc. etc., Montag, 06.Februar, 20:19 Uhr

36. zwar nicht ein Wolf,

aber ein Luchs,
wieder einmal einer tot gefahren.

websaurier, Montag, 06.Februar, 13:06 Uhr

35. Große Gefahr...


Die größte Gefahr für "den Menschen" geht von den Jägern aus !!
Diese sollten dann auch entfernt werden??
Jagdunfälle ohne Ende; tote und schwer Verletzte jedes Jahr.
Das sind Fakten und keine "Mutmaßungen", wie sie hier laufend herausposaunt werden...

Also erst mal die ganzen angetrunkenen und offenbar halb blinden "Waidmänner" aus dem Verkehr ziehen, dann können wir später evtl. auch mal die "Gefahrenquelle" Wolf diskutieren !!
Vor einem Wolf habe ich keine Angst; vor trotteligen Waidmännern schon...

Alois Miller, Sonntag, 05.Februar, 15:10 Uhr

34. Abschuss von Wölfen

Meine liebe Frau Regauer,
wie geht der Mensch mit unseren Tieren in den Schlachthäusern um. Machen Sie sich mal schlau bevor Sie so einem Quatsch verbreiten.

  • Antwort von Bayerwaldfan, Sonntag, 05.Februar, 20:16 Uhr

    @Alois Miller

    Wie weltfremd muss man sein, um das, was Frau Regauer hier berichtet hat, als Quatsch zu bezeichnen?

    Haben Sie selbst Schafe draußen auf der Weide?

    Oder sind Sie Mitarbeiter auf einem Schlachthof?

    Woher nehmen Sie ihre Kenntnisse, die Sie zu solch einem Post befähigen?

    Weshalb erlauben Sie sich hier: Meine liebe Frau Regauer, zu schreiben?

    Ich glaube kaum, dass sich Frau Regauer von Ihnen auf diese Art ansprechen lassen möchte.

Hadschi Halef Omar ben Hadschi etc. etc. etc., Donnerstag, 02.Februar, 20:59 Uhr

33. Totgefahren

die meisten Wölfe werden doch eh totgefahren. Genauso, wie viele Rehe, Hasen, Schweine, Füchse, Bussarde, Eulen, Marder, Katzen, Hunde, Igel und Menschen totgefahren werden.
3000 Tote Menschen jährlich im Straßenverkehr in Dtl. + ca. 50.000 Verletzte.
Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

Die Jäger sollten sich auch nicht fürchten. Es gibt nämlich viele Jäger, die ihren Abschussplan eh nicht erledigt kriegen. Da können die gut ein wenig Hilfe gebrauchen.

Wanda, Donnerstag, 02.Februar, 20:06 Uhr

32. Steht schon in der Bibel

Wachset und mehret Euch und macht Euch die Erde untertan !
Aber klar doch: diesen göttlichen Auftrag befolgen wir bis zum Exzess. Wir wuchern uns und den Planeten kaputt, Da ist doch für so ein Viech wie der Wolf es ist kein Platz. Den beanspruchen wir (als Krone der Schöpfung) für uns. Wäre ja noch schöner...

  • Antwort von Didier, Freitag, 03.Februar, 11:40 Uhr

    Tja, das wohl am meisten mißverstandene und mißbrauchte Wort der Bibel. Ich denke, es geht bei der hier erwähnten Erde um den Augiastall des eigenen Seelenlebens. Denn: Wenn der biblische Gott nun der Schöpfer ist, warum hat er die Naturgesetze wohl so gemacht, daß sie sich nicht überlisten lassen? Lügt der Schöpfer sich nun selber in die Tasche oder ist er dümmer als seine besserwisserischen Menschen-Geschöpfe?