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Diskriminierung auf dem Mietmarkt Ausländer unerwünscht

Bei der Wohnungssuche werden Menschen mit Migrationshintergrund deutlich benachteiligt. Das zeigt eine Recherche der Datenjournalisten von BR und SPIEGEL. Besonders angespannt ist die Lage in München. Dort haben Bewerber mit ausländischem Namen nur halb so große Chancen wie ein Deutscher, zu einer Wohnungsbesichtigung eingeladen zu werden.

Von: Oliver Schnuck, Robert Schöffel (BR Data)

Stand: 22.06.2017

Sie heißen Ismail Hamed, Aylin Demirci oder Mikolaj Janowski. Ihre Gemeinsamkeit: Sie werden bei der Vergabe von Wohnungsbesichtigungen regelmäßig diskriminiert, und zwar nur aufgrund ihres Namens. Während der deutsche Mitbewerber zu einer Besichtigung eingeladen wird, erhalten sie eine Absage oder gar keine Antwort. Besonders stark betroffen von dieser Art der Diskriminierung sind Bewerber mit türkischem oder arabischem Migrationshintergrund. Sie werden in jedem vierten Fall, in dem ein deutscher Interessent eine positive Rückmeldung auf seine Anfrage erhält, übergangen.

20.000 Anfragen mit fiktiven Profilen

Ismail, Aylin und Mikolaj sind Teil einer Gruppe von fiktiven Testpersonen, die der Bayerische Rundfunk und der SPIEGEL über mehrere Wochen ins Rennen um Besichtigungstermine für Mietwohnungen geschickt haben. Insgesamt haben die Datenjournalisten in einem automatisierten Verfahren rund 20.000 Anfragen auf Online-Mietangebote im Internet versendet und 8.000 Antworten erhalten. Die Testpersonen waren nahezu identisch, lediglich ihr Name variierte und ließ auf eine Herkunft aus Deutschland, Polen, Italien, der Türkei und dem arabischen Raum schließen.

München als Härtefall

Die Auswertung der Antworten zeigt zudem, dass private Wohnungsanbieter stärker diskriminieren als gewerbliche Anbieter. Das könnte damit zusammenhängen, dass sie seltener Massenbesichtigungen organisieren und bereits bei den Einladungen zu den Besichtigungsterminen härter selektieren. Die Stadt München, die ohnehin einen extrem angespannten Mietmarkt aufweist, fiel in der Recherche durch einen großen Anteil an privat angebotenen Wohnungen auf. Auch deshalb haben es Bewerber mit ausländischem Namen hier besonders schwer: Ihre Chancen auf eine Einladung zu einer Wohnungsbesichtigung sind in München nur halb so groß wie die eines Deutschen.

Diskriminierung am Wohnungsmarkt

Die IG Bau kennt das Phänomen

Die Gewerkschaft bekommt immer wieder Hinweise darauf, dass vor allem Menschen mit muslimisch klingenden Nachnamen am Mietmarkt diskriminiert werden. IG-Bau-Chef Robert Feiger appelliert an die Vermieter, nach Vertrauen und nicht nach Namen oder Religionszugehörigkeit zu entscheiden. Das Antidiskriminierungsgesetz verbietet eigentlich die Benachteiligung von Ausländern, auch bei der Vermietung. Aber ähnlich wie die Mietpreisbremse sei das Gesetz eben nur gut gemeint, so Feiger.

"Der Vermieter ist ja frei darin, wem er seine Wohnung vermietet. Er kann ja nicht gezwungen werden, einer bestimmten Person, die Wohnung zu vermieten. Und wenn er zu dem Ergebnis kommt, dass er jemanden mit ausländisch klingendem Namen nicht in die engere Wahl nimmt, dann ist das diskriminierend, aber ich weiß auch nicht, wie man das wirklich sanktionieren will."

Lukas Siebenkotten, Deutscher Mieterbund

Die einzige Möglichkeit laut Siebenkotten: Genügend Wohnraum schaffen. Dann hätten die Vermieter wenig Möglichkeiten zu diskriminieren.  


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Wanda, Donnerstag, 22.Juni, 23:10 Uhr

89. leichtfertiger Umgang mit dem Begriff Diskrimination

...auf gut bairisch: egal woher ich komme, wenn ich ein Saubär bin und höchtswahrscheinlich Probleme in der Mietergemeinschaft verursache, habe ich weniger Chancen. Logisch, dass sich ein Vermieter diese Probleme ersparen will. Aber das wird von Gutmenschen gleich als Diskrimination gewertet...
- Erfüllt ein Bewerber nicht die Anforderungen eines Arbeitgebers (und sei es wegen der Sprachbarriere) ist das etwa auch schon Diskrimination ?
- Ich erlaube mir, Freunde und Besuch nach meinen ganz persönlichen Kriterien auszuwählen und anderen diesen Kreis zu verweigern: auch Diskrimination ?
Wo bleibt eigentlich mein Recht auf die eigene Entscheidung ?
Die BR-Abstimmung zeigt das interessante Ergebnis - natürlich lupenreine Diskrimination, oder ?

Brandauer, Donnerstag, 22.Juni, 23:00 Uhr

88. Ein Skandal, der keiner ist...

Das ist mal wieder eine typische Sommerloch-Meldung, wenn den Schreiberlingen nichts mehr einfällt. Wenn jemand eine Wohnung zu vermieten hat und jemand aus seiner eigenen Familie möchte sie haben, dann wird er sie diesem vermieten und nicht jemand anders. Das ist keine Diskriminierung. Ganz im Gegenteil, es wäre fragwürdig, wenn er sich anders verhalten würde.

Und was ist mit den vielen Deutschen, die sich bei den absurden Mieten in einer Stadt wie München gar keine Wohnung mehr LEISTEN können? Weil sie keine Doppelverdiener in höheren Positionen sind? DAS ist Diskriminierung!! Die Politik sollte endlich das fortschreitende Wachstum Münchens stoppen, z.B. indem Arbeitsplätze nicht dort, sondern in strukturschwachen Gebieten geschaffen werden. Dann würden sich die Mieten in München wieder normalisieren, der Mietmarkt sich entspannen, und das von irgendwelchen linken Journalisten aufgebauschte Problem der angeblichen "Diskriminierung" wäre keins mehr.

Sonja R.S., Donnerstag, 22.Juni, 21:43 Uhr

87. Sozialwohnungen benötigt, es gibt viele Arme

Ich habe mir die Überschrift jetzt auch noch einmal durchgelesen und frage mich,
was das soll. Ausländer unerwünscht.

Die Diskriminierung gibt es, das zeigt der Artikel und die Kommentare.

Das größte Problem ist aber, es sind nicht genügend Sozialwohnungen für Familien, Alleinerzieher,
Geringverdiener, Dienstleister, Handwerker, Akademiker mit Niedrigverdienst uvm.
vorhanden.
Da seit Jahrzehnten der soziale Wohnungsbau so gut wie eingestellt wurde, Tafelsilber-
Wohunungen verscherbelt wurden, ist es nicht verwunderlich,
dass wir jetzt diese missliche Lage haben.

Dafür mache ich aber nicht die Flüchtlinge verantwortlich (die verschärfen die Lage nur).
sondern unsere Politiker.

Es gibt so etwas wie Stadtplaner, Demographen und viele Spezialisten, die
Entwicklungen voraussagen, berechnen. Warum hört man nicht auf die ?

Oder warten die Politiker nur alle ab und sagen sich - die Zeit wird's richten - ?
Für was werdet ihr von uns gewählt und bezahlt ?

Kiechl rudolf, Donnerstag, 22.Juni, 21:10 Uhr

86. Benachteiligung von Ausländern bei Wohnungssuche

Warum die Aufregung ? wir sind Rentner und suchen schon lange nach einer Wohnung und werden diskriminiert, auch Rentner sind auf dem Mietmarkt nicht gefragt , nur junge sehr zahlungskräftige Kunden zählen, sehr traurig

Rüdiger Schalke, Donnerstag, 22.Juni, 18:26 Uhr

85. Ausländer unerwünscht

Wenn mann eine so große zahl von Flüchtlingen unkonntrolliert ins Land läßt,hätte man sich vorher klar werden müssen das man diese Anzahl nicht so einfach unterbringen kann,da selbst für Einheimische kaum Wohnraum da ist.Ich war selbst Flüchtlingskind nacg 1945 und mußte 4Jahre in Baracken leben.Deshalb ist esfür die Regierenden nötig vorher zu überlegen und dann zu handeln, dann hätten wir diese Diskussion nicct.

  • Antwort von highwayfloh, Donnerstag, 22.Juni, 21:17 Uhr

    @Rüdiger Schalke: Auf einen solch geschmacklosen und zynischen Kommentar kann ich nur folgendes Antworten: Schade dass Sie seinerzeit unkontrolliert ins Land gelassen wurden als Flüchtling, denn die hiesige Bevölkerung erlitt dadurch noch größere Wohnungsnot, durch die damaligen Zwangs-Einquartierungen. Ebenso hätten Sie ja auch woanders hin flüchten können und nicht unbedingt nach Deutschland! Ja, dies ist unverschämt von mir und soll es auch sein, vielleicht erkennen Sie dann die Perversität Ihres Kommentars!

  • Antwort von Dagobert, Donnerstag, 22.Juni, 22:19 Uhr

    @highwayfloh: Was ist an Schalkes Kommentar zynisch? Er macht doch nur anhand seiner Geschichte als Beispiel darauf aufmerksam, dass bereits Erfahrungswerte aus der Vergangenheit vorhanden sein mussten.

  • Antwort von Donald, Donnerstag, 22.Juni, 23:16 Uhr

    Die Diskussion hätten wir so und so, weil seit Jahrzehnten nicht mehr billiger
    Wohnraum geschaffen wurde.
    Die Flüchtlinge haben daran keine Schuld !
    Die Regierenden haben seit Jahren nichts gemacht um die Lage zu entspannen.