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Angst um Schafe Kampfhunde gegen Wölfe

Seit es wieder Wölfe in Bayern gibt, fürchten die rund 6.500 Schafhalter im Freistaat um ihre Tiere. Schäfer Johannes Rudorf in Tirschenreuth hat sich Herdenschutzhunde gekauft, spanische Mastins. Doch die Tiere sind teuer und das Hauptproblem: es sind Kampfhunde.

Von: Birgit Fürst und Christine Schneider

Stand: 28.04.2017

Dass Hunde Schaf- und Ziegenherden begleiten, ist nichts Ungewöhnliches. Hütehunde treiben die Herde voran, passen auf, dass alle Tiere zusammen bleiben und sich keines verläuft. Hütehunde zwicken auch mal ein Schaf, deshalb haben die Schafe Respekt vor ihnen. Doch die Herde von Schäfer Johannes Rudorf in der nördlichen Oberpfalz wird zusätzlich von Herdenschutzhunden begleitet, hierzulande eine Seltenheit. Es sind spanische Mastiffs, Mastin Espanols. Sie leben Tag und Nacht mit den Schafen und Ziegen zusammen. Bei einem Kollegen in Thüringen hat Johannes Rudorf zum ersten Mal diese Herdenschutzhunde gesehen. Auch wenn sie harmlos wirken, sind sie seiner Meinung nach perfekte Bodyguards.

"Der Mastin hat 80 Kilo. Die Masse ist das schlagende Element bei dem Mastin Espagnol. Der Wolf wird in unseren Breitengraden selten über 60 kg kommen. Ich gehe davon aus, dass allein das ausreicht, wenn dieser massige Hund auf den Wolf zugaloppiert, merkt der Wolf, was auf ihn zukommt durch die Bodenvibration und ein ganz tiefes Brummen und Bellen, was der Mastin von sich gibt. Das kommt an beim Wolf."

Johannes Rudorf, Schäfer, Tirschenreuth

Sechs Hunde für zwei Herden

Deswegen hat sich Rudorf vor über fünf Jahren zwei Herdenschutzhunde in Spanien gekauft. Dort sind die Wölfe nie ausgerottet worden. Der Mastin Espagnol wird seit Jahrhunderten als Herdenschutzhund gezüchtet und ist in Spanien ein Statussymbol. Doch der Start in der Oberpfalz war nicht leicht.

"Ich hab' angefangen mit zwei Junghunden, zwölf Wochen alt, das war schwierig. Es gibt ja in Deutschland keine Erfahrungen mit Herdenschutzhunden."

Johannes Rudorf, Schäfer, Tirschenreuth

Johannes Rudorf ließ sich nicht entmutigen. Aus den zwei Hunden hat er heraus gekitzelt, was sie ohnehin in den Genen haben. Und er hat sich weitere Hunde dazu geholt. Mittlerweile besitzt er sechs Hunde für zwei Herden mit insgesamt 200 Tieren. Allerdings ist diese Schutzmaßnahme sehr teuer: Mindestens 2.000 Euro kostet ein ausgebildeter Mastin in der Anschaffung, ein Welpe 1.000 Euro. Dazu kommen etwa 1.000 Euro Unterhalt pro Jahr für Futter, Impfungen, Entwurmungen und so weiter. Beim Bayerischen Landesverband für Schafhalter sieht man dieses Konzept deshalb nicht als ideale Lösung.

"Wir haben in Bayern eine Durchschnittsgröße von 30 Mutterschafen pro Betrieb und da ist diese Lösung zu teuer. Das kann nicht aus der Schafhaltung erwirtschaftet werden bei diesen Betrieben."

Rene Gomringer, Landesverband bayerischer Schafhalter

Herdenschutzhunde sind Kampfhunde

In Bayern gelten die Mastins außerdem als Kampfhunde und deshalb dürfen sie nicht frei laufen. Damit beschäftigt sich gerade das Innenministerium. Und der Schäfer verstößt gegen Tierschutzvorschriften, weil für Nutztiere andere Richtlinien gelten als für Haustiere. Schafe darf man hinter einem Elektrozaun halten, Hunde nicht. Das sind Themen, die noch nicht geklärt sind.

Zaun als Schutzmaßnahme

Aber Johannes Rudorf schützt seine Schafe und Ziegen auch mit einem Zaun. Um Wölfe abzuhalten, raten Experten, einen doppelten Zaun aufzustellen, in einem Abstand von etwa fünf Metern. Ein Wolf springt nicht gerne. Und der äußere Zaunring hält ihn von der Herde so weit fern, dass die Tiere nicht in Panik geraten. Doch auch das sind teure Investitionen für die Tierhalter.

Zu wenig Unterstützung vom Staat?

Nicht nur Schäfer, auch Rinderhalter mit Weidetieren, vor allem im Voralpenland, klagen in Sachen Wolf über mangelnde Unterstützung vom Staat. Für Zäune und Herdenschutzhunde gibt es bisher nur Beratungsangebote, nur in ausgewählten Pilotprojekten wird leihweise Zaunmaterial zur Verfügung gestellt. Laut Landesamt für Umwelt ist ein flächendeckendes Förderprogramm für Nutztierhalter in Arbeit, bis Ende 2018 soll jeder Anspruch auf finanzielle Förderung für Herdenschutzmaßnahmen haben. Für vom Wolf gerissene Tiere zahlt der Staat Entschädigungen: 120 Euro für ein Lamm, bis zu 250 Euro für ein Schaf.

Große Gefahr oder viel Wind um nichts?

Die grundsätzliche Frage ist, ob derzeit überhaupt Herdenschutzmaßnahmen nötig sind. Denn die Zahl der Wölfe ist gering. Nach Angaben des Landesamts für Umwelt gibt es auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der Oberpfalz und im Nationalpark Bayerischer Wald jeweils ein Wolfspaar. Am Truppenübungsplatz  Hohenfels (Oberpfalz) und im Veldensteiner Forst (Landkreis Bayreuth, Oberfranken) ) wurden einzelne „Durchzieher" gesichtet.


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Seidl-Sculz, Donnerstag, 04.Mai, 19:56 Uhr

27. Harmlosigkeit von Wölfen!

Wenn Wölfe Hunger haben reissen Sie!
Wenn Haie in Überfischten Gewässern sind erwitern Sie Ihr Beutespektrum!
Wenn Beamte der Unteren Naturschutzbehörde Herden bewachen müssen und dies zu Ihrem Job gehört helfen Sie und werden anständig mit Problemen Ihrer
Mitmenschen umgehen!
Wenn Sie selbst praktische Abhilfe anbieten müssen werden Sie furchtbar Jammern über Lebensqualitätsverlust und Identitätsverluste!
Wenn Wolfsfreunde nur einmal in der Wildnis einen Ihnen überlegenen Prädatoren gegenüberstehen ,werden Sie wissen das es nur um das surviving of the
fittest geht.

  • Antwort von highwayfloh, Sonntag, 07.Mai, 17:57 Uhr

    Da haben sie mit Ihrem süffisantem Kommentar durchaus Recht, nur: Ich als "Mensch" weiss und bin mir bewusst, dass "ich" NICHT der Mittelpunkt alles Lebens etc. bin und dass ich irgendwann mal sterben werde. Natürlich wünscht man sich diesbezüglich einen "schönen" Tod. Aber letztendlich, wird es so passieren, wie es dann sein wird. Von daher: Sollte es so kommen, dass mich ein Wolf auffrisst, dann ist es so, ebenso wenn "er" dann der Stärkere ist. Dennoch ist es schön, wenn es Ansätze gibt, der Natur wieder mehr Lebensraum zu gewähren. Diese ist sowieso langfristig stärker als der Mensch.... egal was wir als Menschen versuchen uns alles mit Hilfe von Technik zu unterjochen.

Seidl-Schulz Hermann, Donnerstag, 04.Mai, 19:42 Uhr

26. Unterstützung durch den Staat bei Schäden!

Sehr geehrte Damen und Herrn!
Mit einer Maurerschaffel wurden die ersten Biber nach Weich,s Bad Abbach gebracht.Authorisiert durch den 1. Bürgermeister Jakob Will wurden
Biber von Max Kefer ausgesetzt. In den nächsten Jahrzehnten erfolgten mehrfach Überflutungen durch Biberdämme von Zuckerrüben und Maisflächen.
Die Untere Naturschutzbehörde verweigerte jeden offiziellen verwaltungsrechtlichen Bescheid. Im Bayerischen Landtag wurde die Schadenshäufigkeit
und Dimension bedauert. Nur sei der Etat für Entschädigungen zu klein wurde BBV-Präsident Hiedl erklärt. Genauso wird es mit den Wölfen kommen
Zuerst werden die Klagen belächelt und die Entschädigung suggeriert. Später wenn Wildknappheit zur Erweiterung des Beutespektrums führt.
Die ersten Menschen gerissen werden bei 3000 Wölfen. Werden nicht die Unteren Naturschutzbehörden zur Abhilfe aufgefordert ,sondern die
Versäumnisse der Jäger beklagt. Darum sollen die Unteren Naturschutzbehörden "Jetzt die Wölfe zum Abschuß freigebe

Reinhard Zölch, Dienstag, 02.Mai, 02:24 Uhr

25. Herdenschutzhunde!


Die Sendung und der Beitrag war sehr interessant.

Nur kurz einpaar Anmerkungen zum Beitrag. A) ES gibt auch deutsche Rassen von Herdenschutzhunden, wie den Harzerfuchs, und weitere Rassen. Herdenschutzhunde sind Keine Kampfhunde, sondern Hunde die eben eigene Ansprüche an ihr Herrchen stellen. Wir haben eine Harzer Füchsin seit 8 Jahren in unseren Haus, zu dem zwei Katzen und einen Spitz Rüden. Unsere Harzer-Füchsin mußte auf Grund ihrer traurigen Vergangenheit und Ihre Mißhandlungen, erst einmal resozialisiert werden. Aber heute eine super Begleiterin. Ich gehe ohne Leine inzwischen mit ihr IN Flur und Wald. Sie jagt weder noch ist sie sonst wie auffällig. Über eine sehr gute Hundetrainerin erfuhren wir mehr über die Rasse, und ihre Ansprüche. MAn sollte mal genauer ins Blickfeld nehmen welchen Hund man sich anschafft. Spitz die ja die meisten kennen, waren die herden Hunde dieser Art. Die adeligen erlaubten ihre Haltung, als erstes dem gemeinen Volk für ihre Hühner und Federvieh

  • Antwort von Hans, Dienstag, 02.Mai, 11:43 Uhr

    Was soll das? Unnötige Wiederholung von Unwahrheiten.

Reinhard Zölch, Montag, 01.Mai, 06:11 Uhr

24. Herdenschutzhunde!


Die Sendung und der Beitrag war sehr interessant.

Nur kurz einpaar Anmerkungen zum Beitrag. A) ES gibt auch deutsche Rassen von Herdenschutzhunden, wie den Harzerfuchs, und weitere Rassen. Herdenschutzhunde sind Keine Kampfhunde, sondern Hunde die eben eigene Ansprüche an ihr Herrchen stellen. Wir haben eine Harzer Füchsin seit 8 Jahren in unseren Haus, zu dem zwei Katzen und einen Spitz Rüden. Unsere Harzer-Füchsin mußte auf Grund ihrer traurigen Vergangenheit und Ihre Mißhandlungen, erst einmal resozialisiert werden. Aber heute eine super Begleiterin. Ich gehe ohne Leine inzwischen mit ihr IN Flur und Wald. Sie jagt weder noch ist sie sonst wie auffällig. Über eine sehr gute Hundetrainerin erfuhren wir mehr über die Rasse, und ihre Ansprüche. MAn sollte mal genauer ins Blickfeld nehmen welchen Hund man sich anschafft. Spitz die ja die meisten kennen, waren die herden Hunde dieser Art. Die adeligen erlaubten ihre Haltung, als erstes dem gemeinen Volk für ihre Hühner und Federvieh

  • Antwort von Hans, Montag, 01.Mai, 10:17 Uhr

    Der Harzer Fuchs ist ein Hütehund und wird von Wolf gefressen. Wölfe wiegen doppelt soviel wie Harzer Füchse!

  • Antwort von Hans, Montag, 01.Mai, 12:13 Uhr

    Absoluter Nonsens! Hütehunde wie der Harzer Fuchs bleiben nicht in der Herde wenn der Schäfer geht.

Ferencak, Sonntag, 30.April, 13:47 Uhr

23. mangelhafter Bericht 2

Es gibt zahlreiche HSH Rassen die alle auch in Bayern problemlos eingesetzt werden können. Für HSH gibt es keine Ausbildung, ergo auch keine ausgebildeten Hunde. Sie werden als Welpen in die Schafherde integriert und nehmen die Schafe quasi in ihren Schutzbereich auf. Natürlich braucht man adulte Hunde die den Nachwuchs an die Arbeit heranführen aber dies ist eine einmalige Investition, die sich auch auszahlt, da man die überzähligen Welpen in Zukunft verkaufen kann. Ein Geschäftsmodell welches man in der Lausitz bereits begriffen hat. Wie gute und richtige Wolfsprävention ausschaut, kann sich die bayerische Staatsregierung mal in der Schweiz anschauen, wo es u.a. HSH zum leasen gibt von den Kantonen bzw. dem Ministerium. Dort funktioniert Wolfsmanagement trotz Tourismus weitestgehend problemlos, wie auch in Italien, wo es für Schäfer selbstverständlich ist HSH einzusetzen.

  • Antwort von Hans, Sonntag, 30.April, 16:45 Uhr

    Laut vorherigen Berichten bei Kontrovers, in der Abendschau, im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt, auf BR1 und im Neuen Tag, hält der tirschenreuther Schäfer 3 Mastin, 2 Patus und einen Kangal. Er wird schon wissen warum der Mastin für seinen Betrieb der Bessere ist.