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Azubi-Mangel Studium statt Ausbildung

In Bayern gehen die Azubis aus, an vielen Unis dagegen werden die Studienplätze knapp. Warum entscheiden sich immer weniger junge Menschen, eine Ausbildung zu machen? Lisa Weiß hat zum Start der bayernweiten Woche der Aus - und Weiterbildung mit Abiturienten gesprochen.

Von: Lisa Weiß

Stand: 19.02.2016

Studenten des ersten Semesters bei der Begrüßung in einem Hörsaal der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. | Bild: picture-alliance/dpa

In wenigen Wochen wird Lorenz Peither Abitur am Münchner Theresiengymnasium machen. Zeit für den 17-Jährigen, sich Gedanken über seine Zukunft zu machen:

"Ich hatte mir kurz überlegt, eine Schreinerlehre zu machen, weil in unserer Familie, das ist schon in den Genen sozusagen. Und ich arbeite auch gerne handwerklich, vor allem eben mit Holz und dann dachte ich mir, hilft bestimmt auch, wenn man in Richtung Möbeldesign oder Innenarchitektur geht, sich mit dem Material auseinanderzusetzen."

Lorenz Peither, Abiturient

Aber nach reiflicher Überlegung hat sich Lorenz doch dagegen entschieden. Er will jetzt ein Jahr jobben und danach ganz klassisch studieren. Irgendetwas im Bereich Kunst oder Design.

"Für mich persönlich, wenn ich da ne Schreinerlehre machen würde und dann noch ein Studium mit vier, fünf Jahren, das dauert ja doch sehr lange. Das ist nichts, was man mal eben so macht. Und da muss man halt auch eben betrachten, wie schnell man irgendwie durchstarten will."

Lorenz Peither, Abiturient

"Firmen bewerben sich inzwischen bei den Azubis"

Eine Ausbildung ist keine verlorene Zeit, sondern wertvolle Erfahrung, meint dagegen Thomas Kürn von der IHK München und Oberbayern. Und wer besonders schnell sein will, könne ja beides verbinden: Mit einem dualen Studium – Uni und Ausbildung.  Aber auch er sagt: Die jungen Menschen drängen an die Unis und Hochschulen, genügend gute Auszubildende zu finden, ist für die Betriebe in vielen Bereichen schwieriger geworden:

"Ja, das hat sich in den letzten Jahren so entwickelt. Wir reden mittlerweile eher davon, dass sich die Unternehmen bei den Azubis bewerben müssen, als umgekehrt. In den letzten Jahren zum Beispiel der Bankkaufmann, der nicht mehr gerade so einen Zulauf hat, wie es früher war. Aber auch Gastronomie, Hotel, Einzelhandel tut sich ein bissl schwer."

Thomas Kürn, IHK München und Oberbayern

Viele, die früher vielleicht auch mit Abi Bankkaufmann geworden wären, entscheiden sich heute eher für ein BWL-Studium, glaubt Kürn. Welche Vorteile eine Ausbildung bietet, sei für Eltern und Schüler gar nicht mehr so präsent. Deshalb wirbt die IHK für die berufliche Bildung, startet Imagekampagnen. Schüler und Eltern sollen im Kopf haben, dass weniger junge Menschen eine Ausbildung abbrechen als ein Studium; dass der Praxisbezug höher ist. Bei Lorenz Peithers Zwillingsbruder Felix hat all das Werben nichts genutzt. Er wird dieses Jahr sein Fachabitur machen und will dann auch studieren, Informatik.

"Ne Ausbildung hätte ich auch nach der mittleren Reife machen können, aber ein Studium, das ist halt vertiefter und auch mehr in die Theorie. Ne Ausbildung, da bist du zwar viel näher an der Praxis dran, aber wenn man an die FH geht, da gibt’s ja auch ein Praxissemester. Und da hat man dann ja auch Firmenerfahrung."

Felix Peither, Abiturient

Besseres Gehalt und Aufstiegschancen mit Studium

Er glaubt: Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten sind nach einem Studium besser als nach einer Ausbildung. Doch er räumt ein, dass nicht für alle seiner Klassenkameraden an der Fachoberschule ein Studium die richtige Wahl wäre.

"Ich kenne viele Leute, die sich jetzt auf der Technik-FOS sehr schwer tun, weil sie eben mit dem theoretischen Teil überfordert sind, aber praktisch eben wirklich gut gearbeitet haben. Dann ist wahrscheinlich eine Ausbildung besser."

Felix Peither, Abiturient

Da trifft er bei Thomas Kürn von der IHK auf offene Ohren: Gerade, wer die Praxis liebt, sollte sich doch noch einmal überlegen, eine Ausbildung zu machen, meint er. Denn bei rund 350 Ausbildungsberufen in Deutschland sollte ja doch für viele was dabei sein.


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