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Helfer machen's möglich Kostenloses WLAN für Flüchtlinge

Im Netz surfen, Facebook, Whatsapp – für die meisten Deutschen selbstverständlich. Für Flüchtlinge dagegen ist ein Internetzugang kaum bezahlbar, aber wichtig, um Kontakt mit der Familie zu halten oder sich über Asylbedingungen zu informieren. Die Initiative Freifunk will hier helfen, Hindernisse zu überwinden.

Von: Vera Cornette

Stand: 30.08.2015 | Archiv

Pullach, der Park vor der Turnhalle der Mittelschule: Knapp ein Dutzend junge Männer sprechen in ihre Smartphones, wischen und tippen. Einer von ihnen ist Hamady, Mitte zwanzig. Vor vier Monaten ist er aus Mali vor den Wirren des Bürgerkriegs geflohen. Jetzt lebt er mit gut 100 Leuten auf engstem Raum in der Notunterkunft. 4.000 Kilometer von seiner Familie, seinen Freunden, seiner Heimat entfernt.

"Ich bin mit meiner Familie und meinen Freunden über Skype und Whatsapp regelmäßig in Kontakt."

Hamady

Dass Flüchtlinge Zugang zum Internet haben, also nicht von ihrer alten Heimat isoliert leben müssen, ist jedoch alles andere als selbstverständlich: Bei weitem nicht jede Flüchtlingsunterkunft ist mit einem drahtlosen Internet-Zugang per WLAN oder einem DSL-Anschluss ausgestattet, der ein sicheres, kostenfreies und anonymes Surfen möglich macht. Und die Ausgabe für einen mobilen Datentarif fürs Smartphone können sich die Menschen meist nicht leisten.

Gesetzlicher Störfunk

Die Gemeinde Pullach hat erkannt, wie wichtig Internetzugang für Flüchtlinge ist. Allerdings: Einfach das eigene WLAN zu öffnen und frei zugänglich zu machen, das ist in Deutschland wegen des Gesetzes zur Störerhaftung nicht unbedingt ratsam. Die Störerhaftung besagt, dass der WLAN-Anschlussinhaber für Rechtsverletzungen, die innerhalb seines Netzwerkes begangen werden, haftet. Würde sich also jemand ins WLAN einwählen und illegal Filme oder Musik downloaden, ist der Anschlussinhaber verantwortlich.

"Wegen der Störerhaftung zieren sich natürlich viele Gemeinden WLAN anzubieten. Freifunk beugt vor, indem über einen speziellen Router der Datenverkehr über gemeinsame Server, teilweise im Ausland, geleitet wird. So genießt Freifunk das so genannte Providerprivileg und müsste im Fall des Falls nicht haften"

– Christian Obersteiner, Initiative Freifunk

Indem Pullach so die Störerhaftung umgeht, können die Flüchtlinge kostenlos ins Internet. Und längst ist online sein nicht nur wichtig, um Informationen über die aktuelle Lage im Heimatland zu erhalten oder mit Verwandten und Bekannten in Kontakt zu bleiben. Im Fall von Hamady kann es auch ein Beitrag zum Ankommen, zu mehr Integration in der neuen Heimat bedeuten: So hat er einen Aushilfsjob in einem Restaurant gefunden, wo er ab Anfang September arbeiten kann.


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