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Weltwirtschaftsforum in Davos Die Angst der Verursacher

Die Stimmung in Wirtschaft und Industrie sinkt. Über Gründe für und Wege aus diesem möglichen Abschwung diskutieren die wichtigsten Wirtschaftsgrößen und Politiker in den kommenden Tagen beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Doch es ist eine Angst zu spüren.

Von: Margit Siller

Stand: 20.01.2016

Der Umriss eines Mannes neben dem Logo des WEF an einer Fensterscheibe | Bild: picture-alliance/dpa/Laurent Gillieron

Sie haben sich bestimmt nicht abgesprochen vorher, die Internationale Arbeitsorganisation ILO in Genf und die Strategen von PwC. Wie immer zum Auftakt in Davos hat die Unternehmensberatung weltweit gut 1.400 Top-Manager befragt. Das Ergebnis lässt aufhorchen: Die Zuversicht schwindet, der Pessimismus wird größer. Die ILO spricht gar von einer globalen Jobkrise, vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern – mit dramatischen Folgen für die Bevölkerung. Soziale Unruhen seien nicht mehr auszuschließen. Sehr nachdenklich erläuterte deshalb Norbert Winkeljohann, der Deutschland- und Europa-Chef von PwC, die Ergebnisse der aktuellen Umfrage. Anders als sonst in Davos, meint er, sei die Globalisierung ein Stück weit entzaubert worden.

"Wir haben gemeint, über Internet sind die Grenzen von Raum und Zeit gesprengt, wir können rund um den Globus, rund um die Uhr Geschäft machen. Und jetzt stellen wir fest, dass es doch protektionistische Züge gibt, dass es Egoismen gibt, dass Staaten unterschiedliche Kulturen haben, dass man es aufgrund dieser unterschiedlichen Kulturen es eben doch nicht schafft, ein Wertesystem, eine Weltbank, ein Rechtssystem eben rund um den Globus zu etablieren."

Norbert Winkeljohann, Deutschland- und Europa-Chef PwC

Die Weltwirtschaft läuft nicht mehr rund. Verwerfungen drohen, weil es zu viele Unwägbarkeiten gibt: die geopolitischen Krisen, die Wachstumsschwäche Chinas, die sinkenden Ölpreise. Nicht zu vergessen: viel billiges Geld schwappt um den Globus; Wechselkurse werden verzerrt; schon sprechen einige von einem neuen Währungskrieg und neuen Handelshürden. Dabei dokumentiert die PwC-Umfrage in 83 Ländern auch markante Unterschiede. Deutsche Top-Manager sind zwar weniger optimistisch als im Vorjahr, mit Blick auf ihr eigenes Unternehmen. Die globale Sicht stellt sich für sie aber nicht so schlecht dar, und deshalb überrascht folgendes Ergebnis.

"Die Einstellungspolitik ist im Vergleich zum Vorjahr erstaunlicherweise unverändert. Genauer gesagt: 43 Prozent wollen weiter einstellen, ein Drittel möchte auch Entlassungen vornehmen, aber insgesamt ist die Perspektive, was die Einstellungspolitik anbelangt, noch positiv. Man kann sogar sagen, dass über die Hälfte, 60 Prozent genau gesagt, sich große Sorgen machen, den Fachkräftebedarf entsprechend decken zu können."

Norbert Winkeljohann, Deutschland- und Europa-Chef PwC

Risiken werden zu Chancen (v)erklärt

In diesem Jahr geht es in Davos vor allem um die Folgen der Digitalisierung; um die Frage, was dieser Umbruch und das Managen riesiger Datenströme für die Mittelschicht bedeuten werden. Die Pessimisten sehen einige Millionen Arbeitsplätze verschwinden. Norbert Winkeljohann von PwC hält dagegen, dass gleichzeitig neue Berufe entstehen werden. Und vor allem könnte gerade Deutschland davon profitieren, dass Unternehmen Produktion und Prozesse von hier aus steuern – und nicht aus dem Ausland. Vor Jahrzehnten waren Jobs noch ausgelagert worden.

"Und da bin ich relativ optimistisch, dass ein Teil davon zurückkommen wird, weil wir heute über eine ganz andere Produktivität, Effizienz – Industrie 4.0, Digitalisierung – diese Tätigkeiten auch über das Inland wesentlich besser steuern können, und zum Teil im Inland auch effizienter machen können."

Norbert Winkeljohann, Deutschland- und Europa-Chef PwC

Dies aber setzt voraus, dass die Unternehmen – große wie kleine – mit diesem Umbruch zurechtkommen. Und ihre Beschäftigen dabei mitnehmen.

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