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Politik Wird Andrea Nahles die Trümmerfrau der SPD?

Sie ist die mächtigste Frau in der SPD, die erste, die je den Vorsitz der Bundestagsfraktion übernahm. Jetzt soll Andrea Nahles auch die erste Parteichefin werden – und die Sozialdemokraten vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit retten. Dass sie kämpfen kann, hat sie bereits bewiesen.

Von: Wolfgang Kerler

Stand: 13.02.2018

Die damalige Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sitzt im September 2017 auf der Bühne bei der Landesvertreterversammlung in Lahnstein unter dem SPD-Logo. | Bild: dpa-Bildfunk/Andreas Arnold

Beim Sonderparteitag der SPD am 21. Januar riss Andrea Nahles das Ruder herum. Martin Schulz lieferte zuvor eine kraftlose Rede ab. Der einstige 100-Prozent-Vorsitzende schaffte es nicht, die Genossen für Koalitionsverhandlungen mit der Union zu erwärmen.

Andrea Nahles kritisiert Juso-Vorsitzenden

Blieb nur noch Nahles. Statt ihrer vorgeschriebenen Rede hielt sie ein energisches Plädoyer. Sie warf den Kritikern der GroKo um den Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert vor, keine Antwort darauf zu haben, was sie mit ihrer #NoGroKo-Kampagne eigentlich "Großes" erreichen wollen.

"Ich bin in dieser Partei, weil ich was Großes im Kleinen immer gesehen habe, im Fortschritt ganz konkret für Millionen von Menschen. Deswegen habe ich den Mindestlohn durchgesetzt wie verrückt nochmal."

Andrea Nahles auf dem SPD-Parteitag am 21.1.2018

Nahles hat den Nerv der SPD getroffen

Nahles und Schulz beim SPD-Parteitag am 21.1.2018

Während Schulz nur müden Applaus bekam, wurde Nahles von der Mehrheit der Delegierten gefeiert. Der Parteitag stimmte knapp für Koalitionsgespräche mit der Union. Nahles hatte den Nerv der Sozialdemokraten getroffen.

Als Ministerin wurde Andrea Nahles auch von der Union geschätzt

Auch wenn sie auf Parteitagsbühnen über "die Konservativen" schimpft, vom "blöden Dobrindt" spricht oder den politischen Gegnern auch mal androht, sie bekämen jetzt "in die Fresse" – in ihren vier Jahren im Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde sie auch von Unionskollegen geschätzt.

Selbst Seehofer lobt Nahles

Als Arbeitsministerin setzte sie Punkt für Punkt den Koalitionsvertrag um: Mindestlohn, Rente mit 63, Mütterrente. Selbst von CSU-Chef Horst Seehofer bekam sie Lob dafür. Mittlerweile lässt sich die 47-jährige Nahles keinem der Parteiflügel mehr eindeutig zuordnen. Das war nicht immer so.

Aufstieg im linken SPD-Parteiflügel

Die Katholikin Nahles stammt aus der Eifel, ist Tochter eines Maurers. Schon früh wollte sie in die Politik. Mit 18 trat sie in die SPD ein. In der Abiturzeitung schrieb sie zu ihrem Berufswunsch: „Hausfrau oder Bundeskanzlerin“.  Ihren Aufstieg in der Partei schaffte sie mit klar linken Positionen.

Als Chefin der Jusos mischte sie beim Sturz Rudolf Scharpings 1995 mit. Der Linke Oskar Lafontaine konnte übernehmen. Später kritisierte Nahles lautstark Bundeskanzler Gerhard Schröder, weil sie seine Agenda-Politik – Stichwort: Hartz IV – ablehnte.

"Für die Agenda kriegen wir vielleicht irgendwann einmal den Ehrenpreis für aufrichtige Reformen, doch eine Wahl gewinnen wir so nicht."

Andrea Nahles am 4.6.2005 im Spiegel

Andrea Nahles, die Königsmörderin von SPD-Chef Müntefering

Auch beim Sturz von Franz Müntefering, der bis 2005 SPD-Chef war, war Nahles wieder maßgeblich beteiligt. Gegen seinen Willen kandidierte sie im Parteivorstand für die Nominierung zur Generalsekretärin – und gewann auch noch. Müntefering trat ab.

Nahles kritisierte Gerhard Schröder und Hartz IV

Aber Nahles hatte vorerst nichts davon. Auf dem Parteitag kandidierte sie dann doch nicht. Eine Königsmörderin wollte niemand zur Generalsekretär wählen. Erst vier Jahre später, nach der Bundestagswahl 2009, bekam sie den Posten – bis sie 2013 das Arbeitsministerium übernahm.

Schon vor der Wahl sprach die SPD-Fraktionsvorsitzende von Neuaufstellung

Im vergangenen Jahr unterstützte sie Martin Schulz im Wahlkampf. Auf den Bühnen und vor laufenden Kameras gab sie die routinierte, selbstbewusste Ministerin. Doch abseits davon wirkte sie nachdenklich. Schon vor dem Wahldebakel sprach sie von der Notwendigkeit einer Neuaufstellung – und einer neuen Kultur an der SPD-Spitze, abseits der männlichen Führungsfiguren.

Diese Neuaufstellung ist nun vom Bundesvorstand einstimmig beschlossen. Nahles stellt sich auf dem Sonderparteitag am 22. April als SPD-Chefin zur Wahl. Bis dahin übernimmt Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz das Amt kommissarisch.


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Kommentare

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Fred Ammon, Mittwoch, 21.Februar, 06:38 Uhr

17. Frau Nahles an der Sptze der SPD

Nach meiner Auffassung wird Frau Nahles für die SPD das werden,
was Herr Rössler einmal für die FDP war.
Insofern halte ich sie tatsächlich für eine "Trümmerfrau"
im wahrsten Sinne des Wortes.

Keire, Dienstag, 20.Februar, 19:30 Uhr

16. SPD im feien Fall

Nahles war an der Groko entscheidend beteiligt, sie hat keine politische Erfahrung, ebenso Scholz, der nur arrogant wirkt. Beide können die SPD nicht retten.
Sie liegt derzeit bei knapp 16%
Malu Dreyer ist mit 97,5% als stellvertretende SPD - Vorsitzende, ihre politische Erfahrung ist eine Tatsache. Nach dem Schulz-Debakel und dessen Rücktritt ist Malu Dreyer ab sofort zuständig.
Scholz mit nur 54% Erfahrung wohl nur als Bürgermeister von Hamburg glaubwürdig, denn vom Ffinanzministerium hat er nun keine Ahnung, Nahles hat nichts zu melden. Viele wollen sie nicht, ein Huruck-Verfahren ist ihr zweiter Fehler.
Inzwischen hatte sich eine Konkurrentin gegen Nahles bei der'SPD-Leitung schriftlich angemeldet.

Earl of Trudering, Mittwoch, 14.Februar, 12:17 Uhr

15. Frau Andrea Nahles, ein Gewinn für die SPD?!

...ich glaube schon, sie hat etwas geschaffen was ihren Vorgängern/inen verwehrt geblieben ist. Selbst die Mietpreisbremse beginnt zu wirken.
Die SPD sollte stolz auf Frau Nahles sein.

polit, Mittwoch, 14.Februar, 09:15 Uhr

14. SPD

ob Hinz oder Kunz - Scholz oder Schulz - falsches oder wahres - und dann noch die Nahles? diese Chaoten-SPD geht mir am Hintern vorbei. Was mir Sorgen macht ist, dass die uns mit den z.T. wichtigsten Ministerien regieren sollen oder gar wollen!

Dieter, Mittwoch, 14.Februar, 08:15 Uhr

13. Der Trümmerhaufen SPD

Warum das Dupiklat waehlen, wenns auch das Original gibt
Seit Schröder die SPD auf neoliberal eingeschworen hat, unterscheiden sich die Ziele von SPD und CDU/CSU nur um Nuancen.
Warum sollte ich dann das Duplikat wählen, dann doch gleich die Schwarzen.
Man kann mit gewisser Häme sagen: geschieht ihnen recht, den SPD'lern. Soweit von den Wählern entfernt und so blind, was die Zukunft angeht. In Zeiten eines sehr kompetitiven Arbeitsmarktes, klammern sich unsere Politiker an ihre gut dotierten Posten, wie die Zecken an den Hals des Hundes.
Wählerauftrag, gibt es nicht mehr, das Volk ist zum Stimmvieh geworden. M. Schulz war schon eine Bankrotterklärung; jetzt soll es aufwärts gehen mit A Nahles und O Scholz. Wir, der Wähler und ich als Bayernkurier Abonnent wollen von diesen Volksverrätern in Zukunft nichts mehr hören. Nicht zu vergessen den Siggi aus Goslar und unseren westfälischen Grußaugust ebenso.
M.f.G.

  • Antwort von Truderinger, Mittwoch, 14.Februar, 11:41 Uhr

    Sie sind nicht wir, Sie sind nicht das Volk! Sie verbreiten Putin-Propaganda! Sie sind ein Vaterlandsverräter und Deutschlandhasser! Bestellen Sie den Bayernkurier ab! Wir CSUler wollen mit Ihnen nichts mehr zu tun haben!