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Stunde der Wintervögel Spähmission ins Vogelhäuschen

Umweltschützer rufen von Freitag bis Sonntag wieder zur Vogelzählung auf. Bei der elften "Stunde der Wintervögel" in Bayern sollen sich Naturfreunde eine Stunde lang Zeit nehmen und die heimischen Vogelarten zählen.

Von: Ruth Petscharnig

Stand: 08.01.2016

Kohlmeisen | Bild: Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V./Ralph Sturm

Die Aktion des Landesbund für Vogelschutz LBV in Bayern wird zusammen mit dem deutschlandweit vertretenen Partner NABU initiiert. Eine der wichtigsten Fragen diesmal: Welche Folgen haben die Hitzewellen im Sommer und der ungewöhnlich warme November und Dezember 2015 auf unsere Vögel?

Was passiert mit dem Stieglitz?

Der Stieglitz als Star: Er ist der Vogel des Jahres 2016

Besondere Aufmerksamkeit verdient heuer der Stieglitz, der Vogel des Jahres 2016. Der Bestand des farbenfrohen Finkenvogels hat hierzulande zuletzt stark abgenommen. Jetzt sollen die aktuellen Zahlen aus Deutschlands größter wissenschaftlicher Mitmachaktion mit den Ergebnissen der vergangenen Jahre abgeglichen werden.

Früher war der Stieglitz vor allem ein Vogel der freien Feldflur, doch findet er aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft dort kaum noch geeigneten Lebensraum. "Es wird interessant, ob der Stieglitz trotz seines allgemeinen Rückgangs vermehrt in Gärten zu sehen sein wird", erklärt der LBV-Biologe Alf Pille.

In den vergangenen Jahren rangierte der Distelfink in den bayerischen Vogelcharts nicht mehr unter den 20 häufigsten Wintervögeln. Wer aber Stauden- oder Blütenstände im Garten stehengelassen hat, hat gute Chancen, jetzt Besuch vom Vogel des Jahres 2016 zu bekommen. Bei Schnee sucht der Sperling zudem auch Futterhäuschen auf.

Die wichtigsten Vogelarten im Winter

Wie steht’s um Erlenzeisige, Meisen und Amseln?

Die LBV-Biologen haben festgestellt, dass das trockene und heiße Sommerwetter bei einigen Vogelarten wie Erlenzeisig, Amsel oder Meise für mehr Nachwuchs gesorgt hat. Erlenzeisige kommen im Winter ebenfalls sehr gerne an Futterhäuser und sind somit in den kommenden Tagen voraussichtlich gut zu beobachten. Der kleine, gelbgrün-gestreifte Fink tritt dabei vor allem in Schwärmen auf.

Wie viele Zugvögel sind geblieben?

Etliche Zugvögel, die normalerweise im Mittelmeerraum überwintern, haben sich diesmal den Flug in den Süden gespart. Viele Stare, aber auch Hausrotschwänze, Bachstelzen und Mönchsgrasmücken wurden nun aber vom Wintereinbruch in Bayern überrascht, wie LBV-Biologe Alf Pille erklärt. Es kann daher gut sein, dass diese Vogelarten, die 2015 ebenfalls ideale Brutbedingungen hatten, derzeit vermehrt bei der Nahrungssuche beobachtet werden können.

Greifvögel wie Mäusebussarde, Turmfalken und Rotmilane profitierten im Sommer von vielen Mäusen und konnten ebenfalls ihren Nachwuchs bestens mit Nahrung versorgen.

"Andererseits kann der jüngste Kaltlufteinbruch im Osten Deutschlands oder intensives Silvesterfeuerwerk viele Vögel noch einmal zum Ortswechsel gezwungen haben, so dass manche Vogelfreunde nun vielleicht andere Vögel als noch im alten Jahr in ihren Gärten antreffen werden."

Prognose des NABU-Vogelschutzexperten Lars Lachmann.

Die Ergebnisse von 2015

Vergangenes Jahr hatte die Kohlmeise den Spitzenplatz als häufigster Wintervogel in Bayern ergattert, der Feldsperling kam auf Rang zwei. Auf den Plätzen drei bis fünf folgten Haussperling, Amsel und Blaumeise. Für eine Überraschung sorgten 2015 Star, Zaunkönig und Eisvogel. Die Zählung zeigte, dass so viele Stare wie nie zuvor den milden Winter in Bayern verbrachten. Während in den Vorjahren meist etwa tausend dieser Zugvögel gezählt wurden, waren es diesmal fast fünftausend.

Auch der Zaunkönig wurde so häufig wie nie gesichtet: In zehn Prozent aller bayerischen Gärten wurde er entdeckt. Spektakulär war auch die Beobachtung von 107 Eisvögeln - in den Vorjahren waren es höchstens halb so viele.

Wer kann mitmachen?

So wird gezählt …

Von einem ruhigen Beobachtungsplätzchen aus wird von jeder Art die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu beobachten ist.

Eine besondere Qualifikation ist für die Wintervogelzählung nicht nötig. So beteiligten sich im Januar 2015 allein in Bayern fast 22.000 Menschen und meldeten mehr als eine halbe Million Vögel in mehr als 15.000 Gärten. Je mehr Leute bei der Langzeitstudie teilnehmen, desto wertvoller sind die Ergebnisse.

Der Meldebogen des LBV

Die Meldemöglichkeiten

  • Ihre Aufzeichnungen können Sie im Internet unter www.stunde-der-wintervoegel.de bis zum 18. Januar melden.
  • Auch per Post - Einsendeschluss ist ebenfalls der 18. Januar 2016 - ist die Meldung möglich: LBV, Postfach 1380, 91157 Hilpoltstein
  • Meldung per Telefon: 0800 - 115 7 115 (kostenlose Rufnummer am 09. und 10. Januar von 10.00 bis 18.00 Uhr)
  • Meldung per Fax: 09174 / 47 75 75

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