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Windparks Sichere Anlage entpuppt sich als Alptraum

Windräder scheinen die perfekte Geldanlage zu sein - sauber und sicher. Doch viele Anteilseigner von Windparks warten jahrelang vergeblich auf Gewinne. Weil auf dem grünen Energie-Markt schwarze Schafe unterwegs sind?

Von: Nils Naber und Lisa Wreschniok

Stand: 27.01.2016

Für 20.000 Euro hat Burkhard Meier Anteile an einem Windpark bei Uelzen, Niedersachsen, gekauft. Das war vor 13 Jahren. Seitdem wartet er mit Hunderten weiterer Anteilseigner vergeblich darauf, dass seine Investition Geld abwirft.

"Es sollte eine sichere Anlage sein, jetzt entpuppt es sich als Alptraum."

Burkhard Meier

Dabei klang alles toll: Erneuerbare Energien, steuerlich begünstigt. Seine Sparkasse hatte alles vermittelt.

"Ich habe gedacht, ein solcher Windpark wird irgendwie laufen. Gut, sehr gut, mindestens befriedigend. Dass er gar nicht läuft, das konnte ich mir nicht vorstellen."

Burkhard Meier

Dem Windpark droht die Insolvenz

Der Verkaufsprospekt verweist zwar auf unternehmerisches Risiko, vor allem aber auf hohe jährliche Ausschüttungen. Nach 20 Jahren sollte sich das eingesetzte Kapital mehr als verdoppelt haben. Ganz anders im Windpark bei Uelzen. Inzwischen ist der sogar insolvenzgefährdet.

Wie kann es sein, dass ein Windpark, der seit Jahren am Netz ist, nicht aus den roten Zahlen kommt? Der Park gehört zu einem Windfonds von Plambeck Neue Energien, heute PNE Wind AG. Das Unternehmen mit Sitz in Cuxhaven hat gut 200 Windparks mit über 1.300 Windrädern realisiert - viele davon mit dem Geld privater Anteilseignern.

Probleme mit dem Wind

Das BR-Magazin Kontrovers fragt beim Unternehmen nach, wieso der Windpark bei Uelzen kein Geld abwirft. Doch für ein Interview steht niemand zur Verfügung. Schriftlich teilt die PNE Wind-Gruppe mit:

Es gäbe Probleme mit der Technik und …dem Wind. Denn: 

"Die Windgutachten (…) weisen die Standorte erheblich besser aus als die tatsächlichen Erträge."

PNE Wind AG

Geprellte Anleger verbünden sich

Auch Martin Hundhausen aus Erlangen hat Probleme mit einem PNE-Windpark in Sachsen-Anhalt. Seine Bank hatte ihm und seiner Frau Anteile daran vermittelt  – die zu optimistischen Winderwartungen hätten den Experten der Bank auffallen müssen, meint er.

"Nach dem, was wir an Infos nachträglich gefunden haben, ist schon die Frage, ob die Risiken wirklich so kommuniziert worden sind."

Anteilseigner Martin Hundhausen

Der Physiker ist begeisterter Anhänger der Energiewende. Er wird misstrauisch, als in dem Windpark die Ausschüttungen ausbleiben. Hundhausen gründet mit anderen Anlegern einen Beirat. Er fordert Einsicht in die Akten seines Windparks. Was er entdeckt, erschüttert ihn: Immer wieder zog PNE Wind Gelder ab. Das lief zum Beispiel so: Für spezielle Reparaturen verlangte PNE Wind für die Vermittlung einen bis zu 30-prozentigen Aufschlag. 

Andere Rechnungen wurden doppelt gestellt. Zudem genehmigte sich das PNE-Management viel mehr als die vertraglich vereinbarte Vergütung.

Alles auf Kosten der Anleger - viel Gewinn konnte der Windpark so kaum abwerfen.

"Nachdem wir diese Akten-Einsicht gemacht haben und so viele Vorfälle gefunden haben, haben wir das Vertrauen vollständig verloren. Wir sind nicht zufrieden und wir haben ein großes Problem mit der Geschäftsführung."

Anteilseigner Martin Hundhausen

Gericht gibt Anlegern Recht

Auch vor Gericht bekommt der Anlegerbeirat vorläufig Recht: Die PNE Wind AG soll einen großen Teil der Managementgebühren zurückzahlen.

Doch die Geschäftsführung ihres Windparks auszutauschen, das gelingt dieser Anlegergemeinschaft nicht.

Andernorts lief es für die Anleger besser: Christian Herz hat mit Unterstützung aller 560 Anteilseigner die Geschäftsführung eines Windparks übernommen, der bis dahin von der PNE Wind AG gemanagt wurde. Herz hat Akten vieler Windparks analysiert. Sein Fazit:

"Bei den großen Aktiengesellschaften und Emissions-Häusern ist es meistens so, dass die enormen Gewinne korrespondieren mit den geringen Ausschüttungen für die Anleger. Insofern hat die Entwicklung System."

Windpark-Geschäftsführer Christian Herz

Schöpft die PNE Wind also hohe Gewinne ab, auf Kosten der Anleger? Die PNE Wind weist das zurück. Bei den genannten Windparks lägen - abgesehen von einem - die "laufenden Kosten im Bereich der 'üblichen' Schwankungen".

Herz beweist, es geht auch anders

Unter der Geschäftsführung von Christian Herz und einem weiteren Anleger ist zumindest "ihr" von der PNE Wind übernommener Windpark jetzt auf einem guten Weg. Auch technisch ist die Anlage in einem guten Zustand, die Anteilseigner hier werden ihr Geld wohl zurückbekommen – plus Gewinn-Ausschüttung.

Davon kann Burkhard Meier nur träumen. Im schlimmsten Fall ist ein Großteil seiner 20.000 Euro weg.

"Das ist eine riesige Lücke in meiner Altersvorsorge. Und ich muss gucken. Mit einem Totalausfall habe ich nicht gerechnet."

Anteilseigner Burkhard Meier


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Hubert Staller, Sonntag, 31.Januar, 16:07 Uhr

9. Endlich mal ...

...ein Bericht, der sich kritisch mit dem Thema EEG-Förderung, Windparks und Bürgebeteiligung auseinandersetzt!

Auch wenn in den hier geschilderten Fällen sich eindeutig Kriminelle im Schutz von sog. "Geschlossenen Fonds" am Geld der ahnungslosen Investoren bereichert haben, so bleiben Windparks insbesondere in den südlichen Bundesländern auch bei seriöser Geschäftsführung eine hochriskante Geldanlage.
Der Ertrag ist oft durch aufgeblähte Windprognosen und geringe Wartungsaufwendungen künstlich hochgerechnet und kann dann so nicht eingefahren werden. Die überwiegende Mehrzahl der Windradprojekte im Süden liegen daher unterhalb der erwarteten Ausschüttungen und bei manchen ist sogar die Rückzahlung des investierten Kapitals gefährdet.
Selbst wenn man als überzeugter "Grüner" keinen Wert auf die finanzielle Seite der Investition legt: der geringere Ertrag entspricht auch der geringeren Stromproduktion und damit der geringeren CO2-Ersparnis.

Hentinger, Donnerstag, 28.Januar, 12:08 Uhr

8. Das ist doch alles Pillepalle

Im Landkreis Rhön-Grabfeld hat es eine Tochter der Bauernverbandes geschafft, über 2 Mio. Euro für einen Windpark in den Sand zu setzen, ohne auch nur ein einziges Windrad zu bauen. Profitiert haben stattdessen z.B. Gutachter, Anwälte, Planungsbüros, Steuerberater, Banken - und der Genossenschaftsverband, der solche Aktivitäten angeblich überprüft.

Geschadet wurden mal wieder die Anleger - also "der kleine Mann". Darunter auch etliche, die ihre gesamte Altersvorsorge in dieses angeblich todsichere Geschäft gesteckt haben. (Aus einer Präsentation des Geschäftsführers dieser Bauernverband-Tochter geht z.B. hervor, dass überhaupt kein finanzielles Risiko besteht, weil die Pachtverträge angeblich einen entsprechenden Gegenwert darstellen.)

Und der Staat schaut bei diesem Treiben nicht nur zu - nein, er fördert diese Aktivitäten sogar noch maßgeblich. Ein staatlich gefördertes Schneeballsystem.

Aber auch diese Blase wird demnächst platzen. Ich freu mich schon drauf!

DrKlöbner, Mittwoch, 27.Januar, 22:30 Uhr

7. Erhöhte technische Risiken der Offshore-Windparks

Bei Offshore-Windparks treten des öfteren bestandgefährdende Korrosions- und Ermüdungs-Schäden auf. Viele Hersteller hatten keinerlei Offshore-Erfahrung und haben die Landanlagen nahezu 1:1 auf See installiert. Die seit den 70er Jahren entwickelten (natürlich teureren) Korrosionsschutz-Systeme, Materialien und Auslegungs-Vorschriften für Offshore-Plattformen waren nicht bekannt oder wurden nicht angewandt. So steht jetzt die Amortisation einiger Anlagen auf der Kippe, weil vom Fundament bis zur Turmspitze das Material in nie erwarteter Geschwindigkeit marode wird. Auch die Elektrik/Elektronik wird offshore in einem Ausmaß belastet, das die Lieferanten nie kannten. So wurden auf den Übertragungs-Plattformen (HGÜ) die Steckverbindungen nachträglich durch das EINBOHREN von Schrauben gesichert, weil man sich nicht mehr anders zu helfen wußte.
Derlei riskanten "Kinderkrankheiten" kommt man nur mit sehr gutem (unabhängigem) Sachverstand und offenen Betriebslogbüchern auf die Spur

Das Leihschwein, Mittwoch, 27.Januar, 18:57 Uhr

6. Auch wenn Anleger gut beraten wurden und es keine kriminellen Machenschaften

der Geschäftsführung gibt sind Schiffs-, Medien- und Immobilien- Windkraftfond Unternehmerbeteiligungen mit allen Risiken und Chancen. Welcher private Unternehmer kann seinen Mitarbeitern garantieren das er ewig volle Auftragsbücher hat, niemand. Daher kann kein Bank-, Finanzberater dem Anleger garantieren das sein Schiff immer Ladung hat, die Immobilie immer vermietet ist, die Windkraft reichlich Strom produziert und Kinobesucher sich seinen Film anschauen. Wer als Anleger das glaubt ist selber Schuld. Kein Bank-/Finanzberater arbeitet ohne Gehalt/Provision ist doch logisch oder und das Gutachten gekauft sind ist doch auch nichts neues.Viele Anleger waren einfach renditegeil und wollten einfach nicht glauben das ihre Beteiligung Pleite gehen könnte sie dachten, ihre Beteiligung ist so sicher wie ein Sparkonto nur mit deutlich höheren Gewinn.

Barbara, Mittwoch, 27.Januar, 17:01 Uhr

5. Bahn, Post und Daseinsvorsorge gehört nicht in private Hände,

sondern muß in der Zuständigkeit des Staates bleiben, denn sonst haben nur die Gewinn-Maximierer das Sagen und die Bürger haben das Nachsehen.

  • Antwort von Grün, Mittwoch, 27.Januar, 20:39 Uhr

    Sehr richtig, genau so sehe ich das auch.