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Sinnloses Töten Ruf nach Wildtier-Cops

Immer wieder werden in Bayern Luchse, Fischotter und Greifvögel wie Bussarde oder Milane gewildert. Die Täter? Werden nicht erwischt. Die jüngsten Fälle: in der Nähe von Cham in der Oberpfalz. Was tun? Fälle zentral sammeln und gegen die Täter konsequent ermitteln, fordern Naturschutzverbände und einzelne Politiker.

Von: Viola Nowak und Herbert Hackl

Stand: 19.06.2017

Weltweit werden jedes Jahr mit Umweltkriminalität Beträge im dreistelligen Milliarden-Bereich eingenommen. Auch in Deutschland finden Verbrechen an der Natur statt, oftmals grausame Gewalttaten gegen geschützte Tiere.

Neueste Fälle in Cham

Inzwischen sind es acht Greifvögel, die in einem eng begrenzten Gebiet von etwa einem Quadratkilometer südlich von Tasching, einem Ortsteil der Stadt Cham, tot aufgefunden wurden. Und das innerhalb von nur wenigen Wochen. Dieser Fall erinnert an die getöteten Luchse, die 2015 im Bayerischen Wald für Aufruhr gesorgt haben. Die Suche nach den Tätern gestaltet sich oft als sehr schwierig.

Was Markus Schmidberger vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Cham besonders erbost: Mindestens zwei Mäusebussarde wurden durch Schrotkugeln getötet. Bei den anderen Tieren vermutet Schmidberger eine Vergiftung und hat die Kadaver von drei Rotmilanen zur toxikologischen Untersuchung nach München geschickt. Vorerst ohne Ergebnis.

Örtliche Polizeiinspektionen übernehmen Ermittlungen

Schrotpatronen

Die Polizeiinspektion Cham hat die Ermittlungen aufgenommen. Spurensicherung, Tatortbegehung, in unmittelbarer Nähe des Fundorts eines Mäusebussards findet sie sogar leere Schrotpatronen. Doch die Spurenlage bleibt dünn - die ersten Ermittlungen lassen lediglich Spekulationen zu. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese achtfache Vogeltötung aufgeklärt wird, ist mehr als gering.  

Forderung nach zentralen Fachstellen

Genau deshalb fordern Naturschutzverbände wie Oppositionspolitiker seit Jahren eine eigene Fachabteilung für Umweltkriminalität. Eine zentrale Stelle, in der Fachwissen und Fallzahlen zusammenlaufen und die konsequent ermitteln kann. Florian von Brunn, Mitglied des Landtags und Umweltexperte der SPD, verlangt darüber hinaus eine intensive Aufklärungskampagne, um die Öffentlichkeit mehr für das Thema Artenschutzvergehen und illegale Tötungen von geschützten Tieren zu sensibilisieren. Denn: Das nächste Problem steht schon vor der Tür – der Wolf. Seine Rückkehr nach Bayern und seine Wiederansiedlung wird nur eine Frage der Zeit sein. Es gibt schon jetzt nicht nur große Besorgnis, sondern auch viele Rufe nach Abschüssen.

Es geht auch anders

In Deutschland werden Artenschutzdelikte oder andere Umwelt-Straftaten selten von der Polizei verfolgt. Doch es gibt Ausnahmen: In Hamburg sorgt eine Spezialtruppe der Wasserschutzpolizei für die Aufklärung von Umweltverbrechen. Und in Berlin fahndet ein Öko-Detektiv nach geschütztem Tropenholz, das illegal gehandelt wurde. Besonders wo weltweiter Handel eine Plattform hat, sind Umweltdelikte oft ein Problem.

Henning Boje

Henning Boje ist für die Fachdienststelle Umweltdelikte der Wasserschutzpolizei Hamburg Umweltverbrechen auf der Spur. Im Hafen entdeckt er einen verdächtigen Lastwagen, der als Gebrauchtwagen nach Lome in Togo verschifft werden soll. Er ist vollgepackt mit alten Rädern, Fitnessgeräten – und 40 alten Kühlschränken. Henning Boje hat den Verdacht, dass es sich bei der Ladung um Elektroschrott handelt. Der Export ist illegal. Oft ist Asien oder Afrika das Ziel.

Schrotreife Kühlschränke

Die Kühlschränke und Kühltruhen, die Henning Boje findet, sind in einem katastrophalen Zustand. Der Ökodetektiv ist sicher, dass sie nicht mehr funktionieren. Doch sollen die Kühlschränke, wie angegeben, in Afrika als gebrauchte Geräte verkauft werden, müssen sie einzeln verpackt, funktionstüchtig und entsprechend zertifiziert sein. Henning Boje hat den Verdacht, dass Schrotthändler hier ihre Waren gewinnbringend entsorgen wollen.

Fälle wie diese sind keine Seltenheit. Immer wieder werden Elektroschrott und anderer Abfall außer Landes geschmuggelt – immer wieder über das Meer.

Im Kampf gegen illegalen Import

Mit illegalem Handel hat auch Johannes Zahnen zu tun. Auch er ist im Auftrag der Umwelt tätig - für den World Wildlife Fund. Zahnen ist einer der führenden Experten, wenn es um illegalen Handel mit Tropenholz geht. Vor allem in Indonesien floriert dieses organisierte Verbrechen. Und in China gibt es Umweltsiegel unter der Ladentheke.

Analyse von Papier

Schon in den Jahren 2010 und 2012 hat Zahnen herausgefunden, dass in vielen Kinderbüchern, die in Asien produziert und nach Deutschland eingeführt werden, illegal gehandeltesTropenholz steckt. 2013 ist dann eine Holzhandelsverordnung der EU (EUTR) in Kraft getreten. Sie ist dazu da, illegales Holz und Holzprodukte in der EU zu verhindern, sodass man als Konsument damit gar nicht in Berührung kommen kann. Das Besondere an der EUTR ist, dass die betroffenen Unternehmen eine Sorgfaltspflicht haben. Sie müssen selbst Maßnahmen ergreifen, um illegales Holz auszuschließen.

Taube Ohren trotz der Beweise

Johannes Zahnen

Um die Wirksamkeit der Holzhandelsverordnung zu prüfen, hat Johannes Zahnen Papier überprüft - aus Notizbüchern, Fotoalben, Geschenkkarten - und sie an der Technischen Universität Darmstadt untersuchen lassen. Die Zersetzung der Holzfasern in den untersuchten Papieren hat seinen Verdacht bestätigt: Darin befanden sich Fasern von illegal gehandeltem Tropenholz. Zahnen erstattete Anzeige gegen die Firmen. Er versucht schon seit Jahren, die Unternehmen zur Verantwortung zu ziehen, die illegal Tropenholz importieren und in ihren Produkten verarbeiten lassen. Doch bisher ohne Erfolg. Auch zwei Jahre nach der ersten Anzeige ist nichts passiert. Das Interesse an der Aufdeckung dieser Umweltverbrechen seitens der Justiz scheint nicht ausreichend zu sein.


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