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Wiesn 2017 Aufbau der Oktoberfest-Zelte

Ist es denn schon wieder soweit? Fast jedenfalls. Am 16. September um 12 Uhr wird angezapft. Immerhin kann man bereits den Löwen mit Maßkrug von weitem erkennen. Und was steht sonst bereits? Wir konnten einen Blick hinter den Absperrzaun werfen.

Von: David Herting

Stand: 16.08.2017

Ein Mann tief in einem Loch vor einer halbfertigen Holzhütte, das einzige was man sieht: sein verschwitzter Rücken in der Sommersonne und eine Hand mit Zange in einem undurchschaubaren Kabelgewirr. Dem Mann im Loch assistiert Harald Rösner im Auftrag einer Telekommunikationsfirma, unbeeindruckt von Gabelstaplern, die ihn fast überfahren

"Der macht jetzt die Kupferkabel, dass man die Anschlüsse fürs Zelt herkriegt und des muss ma vorher machen, bevor der Boden reiglegt wird – weil ma ja sonst nimmer hikimmt, des ist des Problem immer."

Harald Rösner

Überall und immer das Wichtigste: die zeitliche Koordination beim Wiesnaufbau – unverzeihlich, gäbe es in den großen und kleinen Zelten keinen Festnetzanschluss , wenn das Handy wegen Überlastung ausfällt – deswegen werden überall in Kleinstarbeit Kabel verlegt.

Ochsenbraterei brandneu

Um die etwas größeren Bauten kümmern sich andere: einer von ihnen ist Uli Pletschacher. Er ist seit 17 Jahren Teil des Wiesnaufbaus – zwölf der vierzehn großen Zelte und auch einige der kleinen bauen er und seine Mitarbeiter. In diesem Jahr der besondere Stolz der Firma: die brandneue Ochsenbraterei – nach 36 Jahren im Dienst musste das Zelt komplett neu gebaut werden. Vor dem fast fertigen Zelt ein junger Mann, der auf einer Holzhalbkugel steht und diese ausgiebig mit einem Hochdruckreiniger abspritzt:

"Unser Tobias wascht jetzt gerade die Holzplatten ab, weil die Woche, wo wir die montiert haben war‘s etwas schlechter Wetter und somit ist recht schmutzig geworden, und heute Nachmittag kommt der Maler – dann kommt hier die Farbe drauf. Das wird jetzt dann aufgestellt und es wird dann vorne der Vorbau von der Ochsenbraterei."

Uli Pletschacher, Zimmermann

Malen unter Hochdruck

Das Maskottchen des Zelts erstrahlt ebenfalls in neuem Glanz. Es ist der Grill mit dem Trachtenpärchen, das über dem Feuer einen Ochsen am Spieß dreht. Das Pärchen, aber auch über 100 riesengroße Trachtenfiguren, die im Inneren des Zeltes hängen hat in Kleinstarbeit die Kunstmalerin Tita Gronemeyer bemalt – und das in nur 3 Wochen.

"Schnell sein ist Grundbedingung – gut arbeiten aber zügig – ja is so!"

Kunstmalerin Tita Gronemeyer

Stolz dabei zu sein

Zeit: das entscheidende Element. Zehn Wochen brauchen hunderte von Arbeitern um eines der großen Zelte aufzubauen – Außen und Innen. Einer der schnellen Arbeiter ist Franz Öttl, gerade schneidet er im ersten Stock des Zeltes Brüstungen für den Balkon. Und auch wenn sich der ganze Wahnsinn jedes Jahr wiederholt – es gibt trotzdem einen ganz eigenen Handwerkerstolz auf dem Oktoberfest:

"Es ist scho was bsonders, dass man sagt, ma is da dabei, ma hat dann den Balkon gemacht - is scho was bsonders." Franz Öttl

Und wenn's aus is?

Etwas ganz Besonderes so lange und mit so viel Schweiß in 10 Wochen mühsam aufzubauen und zu wissen: Irgendwann ist plötzlich der 3. Oktober da, der letzte Wiesntag – und alles ist rum. Und in vier Wochen haben Uli Pletschacher und seine Kollegen so ein großes Zelt wieder abgebaut und irgendwo im Münchner Umland verstaut:

"Am Anfang hab ich mich schwergetan – wenn man von Berufs wegen Zimmermann ist – etwas, was man aufgebaut hat in langer Zeit dann wieder abzubauen. Man gewöhnt sich dran, der Abbau ist nicht so schön wie der Aufbau – aber man hat dann die Freude fürs nächste Jahr."

      Uli Pletschacher, Zimmermann               


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Sebastian Günther, Mittwoch, 16.August, 15:40 Uhr

2. Hoffentlich wird es nach ihrer Invasion mit einem lauten Türkengeläut eröffnet

Hoffentlich wird es nach ihrer Invasion mit einem lauten Türkengeläut eröffnet

Atze, Mittwoch, 16.August, 15:35 Uhr

1. Kommerz

Hier geht es auch nur ums Geld. Gigantismus und Besäufnis.
Wie gross wird das Fest wohl in 50 Jahren sein?
Die ganze Welt wird langsam zum Irrenhaus.Ne Nummer kleiner wäre besser.
Wer geht da eigentlich hin?

  • Antwort von Saxndi, Mittwoch, 16.August, 16:23 Uhr

    Ich gehe da hin, aber vielleicht bin ich ein schlechtes Beispiel weil ich Teil des "Systems" bin und mich darin wohl fühle. Die Größe des Festes hat sich übrigens seit Jahrzehnten nicht geändert.