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Musikalischer Krimi Die wiedergefundene Geige von Cobario

Ein Happy End gibt es im Krimi um die gestohlene Geige der österreichischen Band Cobario. Im Sommer 2016 wurde sie beim Bardentreffen in Nürnberg geklaut. Über ein halbes Jahr danach tauchte sie völlig unerwartet wieder auf. Am Mittwoch hatte das wertvolle Instrument seinen ersten Auftritt nach dem Raub.

Von: Erich Wartusch

Stand: 25.02.2017

Cobario: Giorgio Rovere, Herwigos und El Coba (Künstlernamen) (l-r) | Bild: Cobario

Gleich beim zweiten Stück kam es zum großen Moment – für die Zuhörer und die Musiker selbst:

"Es war sehr emotional, muss ich sagen, vor allem, Stücke, die wir seit einem halben Jahr mit einer anderen Geige gespielt haben, wieder mit der alten Geige zu hören und zu spielen, war super."

Jakob Lackner, Gitarrist von Cobario

Jakob Lackner, genannt El Coba, strahlte nach dem Konzert so wie auch die etwa 200 Zuhörer im Sophiensaal in München. So groß wie der Schock nach dem Diebstahl der Instrumente war, so groß die Überraschung über die plötzliche Wiedervereinigung:

"Letzte Woche habe ich einen Anruf bekommen von einer jungen Dame in Nürnberg und die hat mir gesagt, in einem Keller wurden zwei Instrumente gefunden und hat dann auch gleich in einer email Fotos gesendet. Da war für mich sofort klar: Das sind meine Instrumente. Ich hab' dann erfahren, es wurde in Nürnberg ein Drogendealer verhaftet, man hat dann einen Keller aufgebrochen, zu dem nur er Zutritt hatten und in diesem Keller hat man eben dann die Instrumente gefunden."

Herwig Schaffner

Herwig Schaffner, genannt Herwigos, reiste sofort am Tag danach nach Nürnberg, um die Instrumente anzuschauen und wieder in die Arme zu schließen. Zwar sind die Geige und die Bratsche leicht beschädigt, sie können aber gerichtet werden.

Ein Rückblick

Das Bardentreffen, das große Freiluft-Festival, findet jedes Jahr im Juli in der Nürnberger Altstadt statt. Cobario – die Band gibt es seit elf Jahren – ist beim Bardentreffen Stammgast. Nach dem letzten Konzert hat das Trio seine Ausrüstung eingeladen:

"Das muss sehr schnell gegangen sein. Das Auto ist nur ca. fünfzehn Meter weggestanden und wir sind hin- und hergegangen mit den Instrumenten und mit dem restlichen Equipment und plötzlich waren die beiden Instrumente weg. Unglücklicherweise war auf den Kameras, die installiert waren, überhaupt nichts zu sehen, also ich hab' nicht damit gerechnet, dass ich die Instrumente jemals wiedersehe."

Herwig Schaffner

Der Schock war groß.

"Man ist ja mit den Instrumenten sehr persönlich verbunden, besonders die Geige ist ja ein Geschenk eines ganz alten Familienfreundes, der hat eine Geigensammlung. Er ist immer wieder zu uns gekommen mit Instrumenten, er hat im hohen Alter nicht mehr gut gehört und hat mir immer die Geigen gegeben zum Testen. Am Ende war einmal eine Geige dabei, da hab' ich ihm gesagt: Das ist die beste Geige, die Du jemals herangebracht hast. Und die hat er mir dann geschenkt."

Herwig Schaffner

Herwig Schaffner mußte innerhalb einer Woche Ersatz besorgen. Das nächste Konzert in Slowenien stand schon auf dem Programm.

"Ich bin dann von Geigenbauer zu Geigenbauer gepilgert, war am Anfang in Wien, aber auch bis München, in Nürnberg, Regensburg und all diesen Städten, und habe insgesamt über 200 Geigen durchgetestet. Ich hab' dann bei den nächsten Konzerten mir jeweils Geigen ausgeliehen, meistens zwei Geigen gleichzeitig und hab' beim Konzert dann immer zwei Geigen verglichen, hab' eben so aussortiert."

Herwig Schaffner

Crowdfunding für eine neue Geige

Er fand eine Geige, die zu ihm und der Musik seiner Band passte. Doch die war teuer, sehr teuer. Womit die drei sympathischen Österreicher aber nicht gerechnet hatten, war die Unterstützung ihrer Fans, die eine Art Crowdfunding-Aktion anregten. Knapp 17.000 Euro kamen zustande für eine neue Geige.

"Grundsätzlich ist die neue Geige eigentlich die bei weitem ältere, es ist eine Leidolf Geige, die 1759 erbaut worden ist und die andere Geige ist aus dem frühen 20. Jahrhundert. Damit ist das Alter einmal sehr unterschiedlich, aber natürlich der Ton unterscheidet sich auch. Die Leidolf Geige hat eine sehr starke sonore G-Saite und die andere Geige ist ein bisschen heller vom Ton her."

Herwig Schaffner

Immer wieder wechselt Herwig Schaffner an diesem Abend seine beiden Geigen, mit Andacht und immer ganz vorsichtig. Das Trio hat den Fans angeboten, das Geld, das diese für die neue Geige gesammelt hatten, zurückzugeben. Bisher aber, sagt Herwigos, hätte keiner dieses Angebot angenommen. Das sind eben wahre Fans. Und sein Cobario-Spielpartner El Coba verrät, wie sich das Bandleben nun verändert hat:

"Ja der Geiger geht jetzt immer schlafen daheim, links die Geige, rechts die andere Geige, bei den Füßen die Bratsche und er schaut einfach nur noch drauf, jede Sekunde seines Lebens."

Jakob Lackner

  • Erich Wartusch | Bild: BR / Julia Müller Erich Wartusch

    Erich Wartusch ist Experte für Sport, Bayern und Musik, Radio-Reporter und -Autor


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