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Kontroverse um Bayern-Tournee Wie weit rechts steht Freiwild?

Die Band Freiwild aus Südtirol geht im Frühjahr in Bayern auf Tournee – mit Auftritten in München und Nürnberg. Freiwild polarisiert – nicht wegen der Musik, sondern politisch. BR24 hat mit Kulturschaffenden, Rechtsextremismus-Experten und Konzertveranstaltern gesprochen.

Von: Jonas Miller

Stand: 14.01.2018

Band Freiwild bei einem Konzert | Bild: picture-alliance/dpa

Die Band feierte Platz eins der Albumcharts und hat viele Fans. Dennoch wird Freiwild kritisiert. Der Vorwurf: Die Texte würden eine nationalistische Ideologie verbreiten. Als Freiwild 2013 der Echo verliehen werden sollte, sagten Gruppen wie Kraftklub und Mia ihre Teilnahme ab, die Band Die Ärzte protestierte. Dennoch sei Freiwild keine klassische Rechtsrock-Band, sagt Birgit Mair, Rechtsextremismus-Forscherin aus Nürnberg. Sie meint aber:

"Es gibt einen ganz relevanten Teil der Songs von Freiwild, der (…) nationalistisches Gedankengut transportiert. Zum Beispiel im Lied ,Wahre Werte‘, wo der Tod des Südtiroler ,Volkes‘ halluziniert und im dazugehörigen Musikvideo sogar vor einem Gedenkstein für die rechte Terrorgruppe ,Befreiungsausschuss Südtirol‘ salutiert wird."

Birgit Mair, Rechtsextremismus-Expertin

Freiwild-Sänger Philipp Burger schrieb in einer Stellungnahme gegenüber BR24, seine Band und die Fans würden durch solche Interpretationen in eine Ecke gedrückt, "in der wir uns weder sehen, noch bewegen und ganz klar, schon überhaupt nicht propagieren".

Magnet für Rechtsextremisten

Tatsächlich kommen auch Rechtsextreme zu Freiwild-Konzerten. BR24-Recherchen ergaben, dass Neonazis einer mittlerweile verbotenen Kameradschaft dort ihre Propaganda verteilten. Konzertveranstalter Marian Gosoge organisiert jährlich das Brückenfestival in Nürnberg. Er sieht auch im Auftrittsort ein Problem:

"Die werden in der Arena spielen, relativ nahe am Reichsparteitagsgelände und das ist natürlich geschichtlich schon sehr schwierig, (…) wenn dann so 20 bis 30 Prozent Rechtsextreme kommen und ein ganzer Haufen Rechtspopulisten und sich an dem Ort versammeln und dort dann Heimatliebe zelebrieren."

Marian Gosoge, Konzertveranstalter

Ihre Texte verstehen Freiwild als Tabubrüche und im Widerspruch zum vermeintlich verlogenen Mainstream. Die Band distanziert sich jedoch von rassistischem Gedankengut. Sie vertreibt T-Shirts mit dem Slogan "Freiwild gegen Rassismus und Extremismus".

Diskussion um Konzertabsage

Veranstaltet wird das Konzert im April in der Nürnberger Arena. Geschäftsführer Jürgen Fottner betreibt die Halle und ist erstaunt über die Kritik. Er will die Arena aus dem politischen Diskurs heraushalten.

"Also ich glaube, dass uns als Betreiber dieser Halle gar nicht zusteht, über so eine Frage zu diskutieren. Wir können nicht eine Entscheidung treffen, jemanden bei uns reinzulassen oder nicht reinzulassen, solange er nicht ganz objektive Kriterien verletzt und das wären zum Beispiel, dass Lieder auf dem Index stehen oder dass eine Band verboten ist oder vom Verfassungsschutz beobachtet wird."

Jürgen Fottner, Arena-Geschäftsführer

In der Nürnberger Presse und in den sozialen Medien wurde unlängst über eine Absage des Freiwild-Konzerts diskutiert. Die Kulturschaffende Evi Herzing hält davon nichts und befürchtet, dies könnte der Band eher nutzen als schaden:

"Verbieten kann einfach nach hinten losgehen, weil das ja ihre ganze Opferrolle dann wieder bestätigt und sie dann ihren Märtyrerstatus einbringen könnte. Und ich bin auch keine Freundin von Verboten."

Evi Herzing, Kulturschaffende

Herzing spricht sich für einen offenen Diskurs aus.


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jaleya87@gmail.com, Sonntag, 14.Januar, 20:45 Uhr

23. Ähm

Schlagzeile groß Hirn zu klein!

Steiner , Sonntag, 14.Januar, 20:05 Uhr

22. Die Besucher doch mal etwas genauer ansehen!

Wenn man in Deutschland über Rechte spricht, sind momentan die AfD, die „Identitäre Bewegung“ und manche Mitläufer bei „Pegida“ gemeint. Neonazis, die bei Rechtsrock-Konzerten grölen, kommen im öffentlichen Diskurs kaum vor. Ein Fehler, denn die Klientel, die auf diesen Konzerten und Festivals herumgelaufen ist, hat man nicht auf dem Schirm. Doch es lohnt sich, die Fans genauer anzusehen! Da wird uns so manche simple Posse vorgespielt, die leicht zu durchschauen ist.

  • Antwort von Seppl, Sonntag, 14.Januar, 20:31 Uhr

    Zustimmung, aber das reicht nicht. Der Linksextremismus ist auch ein Problem, ein erhebliches Problem, auch weil er zu wenig wahrgenommen wird. Die Milieus sollte man sich auch genauer ansehen und die nicht auch noch mit Staatsknete versorgen.
    Vernünftigerweise muss jeder Extemismus entschlossen bekämpft werden, auch der religiöse Extremismus.

  • Antwort von Karl, Sonntag, 14.Januar, 21:06 Uhr

    An Herrn Seppl: Dazu fällt mir nur ein "Themaverfehlung, 0 Punkte". Oder wollen Sie etwa einfach nur von der Problematik rund um Freiwild ablenken?

Thea, Sonntag, 14.Januar, 18:51 Uhr

21. Freiheit der Kunst - Kunst ist Freiheit

Zuschauen, Entspannen, Nachdenken

Der Bayerische Rundfunk hat mit Herrn Walter Flemmer viele sehenswerte und nachhaltig wertvolle Filme und mehrteilige Sendereihen produziert. Mag sein, auch zu diesem Thema würde diese Gelassenheit - Zuschauen, Entspannen, Nachdenken - ihr Gutes bewirken können. Bei all der Aufregung im Wasserglas. ;o)

Lasst die Buben ihre Musik machen. In dieser Freiheit leben wir, wie schön. Alles hat seine Form und Ausdrucksweise. Die jüngere Generation ist auf der Suche nach (einer) eigenen Identität, Sinn und Themen, die sie bewegen. Kraft der Musik finden diese Anteile ihren Kanal und können dergestalt transformiert werden. Schließlich gehört Musik den Künsten an. Hier gilt die Freiheit der Kunst, die doch auch Performance ist.

Liebe und Musik heilen. Danke nochmals für die tollen Sendungen mit und von Herrn Walter Flemmer!

sympathie träger, Sonntag, 14.Januar, 18:10 Uhr

20.

wer endscheidet eigentlich was rechtes gedankengut ist ? und die arena steht halt nun mal wo sie steht . also sollen die möchtegern vorbilder aus der riege der kunstschaffenden sich doch mal um ihre eigenen sachen kümmern und nicht ständig leute difamieren ,wen sie keine ahnung haben !

Gretchen, Sonntag, 14.Januar, 17:23 Uhr

19. Ist Rechts schlecht?

Das ist schon ein Schmankerl: Wie Rechts ist Freiwild?

Ich kenne nichts von der Band, darum weiß ich es auch nicht. Aus dem Artikel erfahre ich es aber auch nicht. Was haben die denn genau gesagt, getan was auch immer, das sie "Rechts" machen könnte? Und warum ist "Rechts" was schlechtes und "Links" was gutes?
Ein sehr seltsamer Stil, so ein mehr oder weniger unterschwelliger Belastungseifer. Was soll das? Wer sind die "Kulturschaffenden", die hier zitiert werden? Was macht die zu Richtern über andere?

Sorry, lieber BR, aber man merkt schon, dass ihr kein unabhängiger Sender seid.

PS.: Auf Freiwild habd ihr mich neugierig gemacht, muß ich mir mal anhören.

  • Antwort von Wahrheitsfinder, Sonntag, 14.Januar, 18:13 Uhr

    Bitte Artikel mal genau lesen, immerhin werden Beispiele zitiert (Textverständnis?)! Ich erinner zudem an die deutschlandweite Berichterstattung von "Feine Sahne Fischfilet" - eine linke Band! Also Abhängigkeit kann hier wirklich nicht unterstellt werden.

  • Antwort von Truderinger, Sonntag, 14.Januar, 18:53 Uhr

    Ja Gretchen, unbedingt anhören! Wenn Sie ein paar weitere Musik-Empfehlungen brauchen, könnte ich Ihnen Störkraft, Landser oder die frühen Böhsen Onkelz nahelegen! Oder Frank Rennicke, der sagenhaft untalentierte NPD-Hassbarde, der schon zweimal Bundespräsident werden wollte!

  • Antwort von Gretchen, Sonntag, 14.Januar, 19:31 Uhr

    Nö, @Wahrheitsfinder, ich finde kein Zitat, aus dem hervorgeht, dass die Rechts oder gar Rechtsextrem seien. Und Rechts darf man doch sein, oder? Also, dass es Linke und Rechte gibt, das ist doch in Ordnung? Für mich schon, und ich wüßte gar nicht, wo ich mich einordnen würde.

    Der Truderinger kommt natürlich gleich wieder mit einem ganz anderen Thema. Um im Chargon der Extrenmismusforscherin zu bleiben: Er halluziniert halt wieder die Machtergreifung. Ich kann ihn einfach nicht ernst nehmen.

  • Antwort von Mani, Sonntag, 14.Januar, 19:39 Uhr

    Da gibt es viele, die Ihn nicht mehr Ernst nehmen, das heißt eigentlich...fast ALLE...

  • Antwort von Truderinger, Sonntag, 14.Januar, 20:22 Uhr

    Naja, diese "fast allen" sind nur 10%. AfD-Volk halt - größenwahnsinnig ohne Ende:-)

  • Antwort von Willi, Sonntag, 14.Januar, 20:37 Uhr

    Gretchen, so ist Er halt, der Truderinger, der Allwissende!

  • Antwort von Truderinger, Sonntag, 14.Januar, 21:04 Uhr

    Willi, ich weiß nicht alles, aber für AfD-Volk reicht es locker;-)