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Erinnerungskultur Wie sich Deutschland an die Nazi-Zeit erinnert

Zweiter Weltkrieg, Judenvernichtung, Schuldfrage – wie sehen die Deutschen auf dieses dunkle Kapitel der jüngeren Geschichte? Eine Studie kommt zu dem Schluss: Die Erinnerung ist sehr von Familiengeschichten geprägt. Und das Interesse an Details ist groß.

Von: Birgit Schmeitzner

Stand: 13.02.2018

Holocaust-Mahnmal Berlin | Bild: dpa picture alliance

Rund 60 Prozent der Befragten haben ein großes oder sehr großes Interesse an der deutschen Geschichte, konkret an der Nazi-Zeit sind es 43 Prozent. Fast alle Interviewten haben in der Schule das Dritte Reich durchgenommen. Und die meisten sehen diesen Unterricht als wichtig an – weil die Schüler lernten, welchen Schaden Rassismus anrichten könne und weil sich so verhindern lasse, dass der Nationalsozialismus zurückkommt.

Besuch von historischen Stätten prägt am stärksten

Zunehmend wichtiger als Informationsquelle wird das Internet, auch wenn die Befragten diese Art des Informierens als wenig prägend erleben. Ganz anders sieht es aus, wenn es um den Besuch von Orten der Erinnerung geht – Mahnmale, Gedenkstätten. Gerade der Besuch von Stätten, die an die Vernichtung von Menschen durch den Nationalsozialismus erinnern, hinterlässt nach Ansicht der Befragten den stärksten bleibenden Eindruck.

Nur ein Bruchteil der Befragten fühlt sich schuldig

Für die Studie zur Erinnerungskultur wurde auch nach dem Gefühl der Schuld gefragt. Nur jeder Zehnte fühlt eine Schuld am Holocaust, auch wenn er oder sie selbst nichts Schlimmes getan hat. Die große Mehrheit, 77 Prozent, sagt: So ein Schuldgefühl lehne ich ab. Die Erinnerung an früher, sagt der Leiter der Studie, Andreas Zick, sei sehr differenziert.

Familiengeschichten: Ähnlich viele Täter wie Helfer

Die Frage, ob es Täter in der Familie gab, haben gut 17 Prozent der Befragten mit Ja beantwortet. Ähnlich sah es bei der Frage nach Vorfahren aus, die damals bedrohten Menschen geholfen haben. Etwa die Hälfte der Interviewten gab an, dass Verwandte selbst Opfer des Zweiten Weltkrieges wurden. Die Studie hat die Stiftung EVZ – Erinnerung Verantwortung Zukunft - gemeinsam mit dem Institut für Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld durchgeführt. Es wurden rund tausend Personen im Alter von 16 bis 92 Jahren telefonisch befragt.


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Das Leihschwein, Dienstag, 13.Februar, 18:44 Uhr

7. Da war ich noch nicht geboren, meine aber es war die Schuld

der damaligen Eliten aus Politik, Verwaltung, Industrie, Kirche, Militär, Justiz, Vatikan und den sogenannten neutralen Staaten. Ihnen allen konnte es nicht verborgen bleiben das Hitler vor hatte, Polen anzugreifen. Aber allen Beteiligten war das völlig egal, sie dachten dabei nur an ihren Gewinn und den eigenen Vorteil. Niemals hätte Hitler gegen den Widerstand der Generäle, der Konzerne, der Kirchen, der Regierungsmitglieder und sonstiger Eliten in Deutschland so ein Unheil über die Menschheit bringen können, nur sie hätten so eine Katastrophe verhindern können. Das Militär bekam alle Waffen die es wollte, die Industriekonzerne verdienten sich an der Waffenproduktion dumm und duselig auch, wenn Zwangsarbeiter bei der giftigen Arbeit starben. Die angeblich neutralen Staaten steckten, sich die Sparguthaben der Juden in die Taschen und andere lieferten den Nazis die Rohstoffe, die sie für ihre Rüstungsindustrie benötigten.

Leonia, Dienstag, 13.Februar, 18:33 Uhr

6. "Der Schoß ist fruchtbar noch ...

... aus dem das kroch", und das ist leider heute noch genauso wahr, wie damals, als dieser Satz erstmals geprägt wurde. Wenn wir nicht wollen, dass in Vergessenheit gerät, wohin Hybris und Massenwahn führen, wenn ein Volk glaubt, sich über andere erheben und wahllos morden zu dürfen, dann müssen wir die Kultur des Erinnerns an die Schrecken von Nazizeit und Weltkrieg jeder Generation nahelegen, die nachwächst.
Und mit Max Mannheimer, dem leider verstorbenen Mahner, der die KZs überlebte, sagen: die Nachgeborenen sind nicht schuld am Geschehen, aber es ist ihre Aufgabe dafür zu sorgen, dass es nie wieder geschieht.

Realistin1, Dienstag, 13.Februar, 18:21 Uhr

5. Leider hat die Welt noch nichts daraus gelernt.......

Schuld empfinde ich persönlich nicht, aber ich denke mit Unverständnis daran vor allen auch, weil mein Vater mit 16 Jahren eingezogen wurde (gezwungen) und später an seinen Kriegsverletzungen starb. Es sind viel zu viele Menschen unschuldig getötet worden und das macht betroffen.
Vor allen wenn man sieht dass unsere Welt nichts daraus gelernt hat und weiterhin Kriege mit viel Leid, vielen Toten in Kauf genommen wird und das nur um Recht zu haben. Und das ist der schlimmste Wahnsinn!!!

Thea, Dienstag, 13.Februar, 18:08 Uhr

4. Es gibt keine Kollektivschuld

"Nur ein Bruchteil der Befragten fühlt sich schuldig

Für die Studie zur Erinnerungskultur wurde auch nach dem Gefühl der Schuld gefragt. Nur jeder Zehnte fühlt eine Schuld am Holocaust, auch wenn er oder sie selbst nichts Schlimmes getan hat. Die große Mehrheit, 77 Prozent, sagt: So ein Schuldgefühl lehne ich ab. Die Erinnerung an früher, sagt der Leiter der Studie, Andreas Zick, sei sehr differenziert."

Natürlich können sich die Befragten nicht schuldig fühlen, wie auch? Die Frage nach der Schuld ist abzulehnen, die den Menschen gestellt wurde. Wer schreibt denn derartige Texte und befragt Menschen nach Schuldgefühlen, die sie gar nicht empfinden können. Interessant wäre im Zusammenhang, welche Gründe von jedem 10. Befragten geäußert wurde, warum er oder sie sich überhaupt schuldig fühlt sollte.

Auf falsch gestellte Fragen, kann es keine richtigen Antworten geben.

Truderinger, Dienstag, 13.Februar, 17:21 Uhr

3.

Ob ich mich schuldig fühle: Nein, wie auch, denn an eine Erbschuld glaube ich weder in ethischem noch in religiösem Sinne. Ich fühle mich jedoch mitverantwortlich dafür, dass sich dieses dunkelste Kapitel der Weltgeschichte niemals wiederholt. Wer das ähnlich sieht, tritt gegen aufkeimenden Rechtsextremismus ein, den AfD, NPD und Co wieder salonfähig machen möchten! Wer Kommentare von AfD-Fans von heute mit denen von NSDAP-Wählern damals vergleicht, erkennt offenkundige, objektiv nachvollziehbare und nicht zu leugnende Parallelen!