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Deutscher Werkbundtag Gedankenaustausch über die Zukunft der Arbeit

Die Zukunft der Arbeit und der Bildung – darüber zerbrechen sich viele derzeit den Kopf, von Industrie 4.0 und Arbeit 4.0 ist da meist die Rede. Damit befasst sich der Deutsche Werkbund beim Deutschen Werkbundtag 2017 bis Sonntag in Nürnberg.  Der seit 110 Jahren bestehende Werkbund versteht sich dabei als interdisziplinärer Impulsgeber für Politik, Bildung und Wirtschaft.

Von: Eleonore Birkenstock

Stand: 15.07.2017

Die Digitalisierung erfasst alle Bereiche des Lebens: Und dazu gehören die Bildung und die Arbeitswelt. Der Deutsche Werkbundtag in Nürnberg bietet ein Forum, in dem die Zukunftsfragen dieser Bereiche diskutiert werden: Es soll ein kreativer, offener und interdisziplinärer Gedankenaustausch sein – samt zweitägiger "Pop Up-Universität" mit Workshops, Seminaren, Führungen und Vorträgen – hauptsächlich im Heimatministerium.

Spaziergang mit technischen Hilfsmitteln

Ein Bund mit prominenten Mitgliedern

Der Deutsche Werkbund besteht seit 110, der bayerische Werkbund seit 70 Jahren. Der Architekt Martin Gropius oder der erste Präsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, waren Mitglieder des Verbands, der nach eigenen Angaben für ein qualitätvolles Gestalten der humanen Umwelt wirkt. Der Verband, zu dem derzeit zweieinhalb Tausend Architekten, Handwerker, Unternehmer und Akademiker gehören, hat nach eigenen Angaben die Gestaltung der menschlichen Umwelt im Fokus: Wohnraum, Natur und Landschaft.

Fünf Frauen und ein Mann treffen sich vor dem Heimatministerium in der Nürnberger Innenstadt mit Bertram Weisshaar, Fotograf und studierter Landschaftsplaner - und Spaziergangsforscher. Beim Deutschen Werkbundtag gibt Weisshaar ein Seminar namens Talk Walks. Teil der "Pop Up-Universität" des Werkbundes, die für zwei Tage im Heimatministerium zu Gast ist.

Das Seminar ist ein Spaziergang durch Nürnbergs Innenstadt. Die Kurzzeit-Studenten sollen dabei ihren Weg, der unter anderem durch eine Tiefgarage führt, mit ihren Handys filmen. Der Münchner Architekt Dieter Koppe ist neugierig.

"Tiefgarage kennt man. Aber mit einem Handy? Das ist orginell, ich weiß noch nicht, wie man das verwerten kann."

Architekt Dieter Koppe 

Die Erklärung dazu liefert Spaziergangsforscher Bertram Weisshaar:

"Wir müssen uns ja konzentrieren auf für uns relevante Dinge. Sobald wir so ein digitales Instrument nutzen, werden diese Filter wieder ausgeschaltet."

Bertram Weisshaar

Was macht die Digitalisierung mit der Arbeitswelt?

Welche Auswirkungen die Technik für die Arbeitswelt bedeuten könnte, erklärt Manfred Dangelmaier vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation.  Von Aussagen darüber, wie viele Arbeitsplätze durch die Digitalisierung tatsächlich verloren gehen könnten, hält Dangelmaier nicht viel.

Arbeitsplätze werden verschoben - einige Tätigkeiten fallen weg, andere kommen dafür dazu. Zum Beispiel dort, wo Menschen Maschinen und Roboter warten müssen. Und: Nicht jeder Beruf kann durch einen Roboter oder einen Computer ersetzt werden, etwa soziale Berufe.

Dangelmaier spricht auch von einer Inflation der Phrase 4.0. Der Begriff werde so oft verwendet, dass die Bedeutung nicht mehr so klar sei.

"4.0 ist zum Synonym für die Digitalisierung geworden, diese 4.0-Manie. Jeder setzt irgendwo ein 4.0 dahinter."

Manfred Dangelmaier, Fraunhofer-Institut

Impulse für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Das hat der Werkbund auch getan. Eine Kunstfigur namens Herbert 4.0 ist beim Werkbundtag ein ständiger Begleiter. Herbert 4.0 soll mithilfe von Videoeinspielungen daran erinnern, dass bei all den Diskussionen der Mensch im Mittelpunkt stehen soll.

Zum Abschluss des Werkbundtages wird der Verband eine Erklärung verabschieden. Der Deutsche Werkbund will damit interdisziplinärer Impulsgeber sein, für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.


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