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Künstliche Intelligenz Wenn Maschinen Lernen lernen

Bei jedem Besuch im Internet plaudern wir unbewusst mit Algorithmen. Sie analysieren uns anhand der Daten, die wir beim Surfen hinterlassen. Bisher sind diese Lernmaschinen relativ dumm. Das werden sie nicht bleiben.

Von: Anna Ellmann

Stand: 25.01.2016

Wenn Maschinen Lernen lernen | Bild: BR/Luis Trautmann/Anna Ellmann

Wenn Jürgen Schmidhuber über Künstliche Intelligenz (KI) spricht, klingt das nach Hollywood. Irgendwann, sagt er, werde es eine KI geben, die dem Menschen ähnelt. Ist es soweit, werde alles explodieren.

"Denn, die werden sich rapide weiterentwickeln. Auf eine Weise, die jenseits jeglichen Vorstellungsvermögens ist. Aber es scheint klar zu sein, dass die sich ausbreiten werden. Von der Biosphäre hinaus ins Sonnensystem."

Jürgen Schmidhuber

Jürgen Schmidhuber ist kein Spinner. Er ist eine Koryphäe. Der Kodirektor des Schweizer Forschungsinstituts für künstliche Intelligenz hat die künstlichen neuronalen Netze mitentwickelt, die heute bei Google, Microsoft und co. im Einsatz sind. In der Forschung treffen Visionäre, wie Schmidhuber, auf Skeptiker. In unserer Gesellschaft trifft Unwissen auf Ungewissheit.

Beim Surfen hinterlassen wir Daten

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Dabei versteckt sie sich überall: Siri versteht dich, auch wenn du nuschelst. Amazon sagt dir, welches Produkt du kaufen willst. Google weiß, wohin dein nächster Flug geht: Künstliche Intelligenz analysiert die Rohdaten, die wir im Netz hinterlassen. Die zurzeit vielversprechendste Methode eine KI zu trainieren, funktioniert ähnlich wie ein menschliches Gehirn und nennt sich „Deep Learning“. Das Lernen passiert auf vielen Ebenen.

Eigentlich existiert diese Technologie schon seit Jahrzehnten. Aber erst jetzt reichen Rechenleistung und digitaler Datenbestand aus, um Durchbrüche zu erzielen. Deshalb gibt es zur Zeit einen richtigen Hype um Deep Learning.

"Open AI" soll künstliche Intelligenz verantwortungsvoll weiterentwickeln

Ein Beispiel: Im Dezember haben einige Größen aus dem Silicon Valley eine Forschergruppe gegründet. Sie heißt „Open AI“ und soll verantwortungsvoll ohne finanziellen Druck an Künstlicher Intelligenz forschen. Wojciech Zaremba ist einer der Deep Learning Experten im Team. Die Zukunft von künstlicher Intelligenz schätzt er auf der Internetplattform reddit so ein:

"Spracherkennung und Übersetzung zwischen allen Sprachen sollte voll lösbar sein. Außerdem werden wir mehrere Anwendungen maschineller Bilderkennung haben - zum Beispiel: Eine App, die die Anzahl an Kalorien im Essen erkennt. Eine App, die alle Produkte in einem Supermarkt erfasst. [...] Es werden sich auch neue Wege für Kunst und Musik eröffnen. Ein Beispiel: Musik von Chopin könnte automatisch in Dubstep im Skrillex-Style transformiert werden."

Wojciech Zaremba

Wie diese Computerkunst aussehen könnte, zeigt das Projekt "Deep Dream" von Google. Füttert man den Algorithmus der Google Bilderkennung mit einem Krissel-Bild, spuckt der fantastische Formen aus. Lässt man ihn das Bild immer wieder analysieren, erkennt er die Formen, die er bereits gelernt hat. Das bedeutet: Man sieht einer Maschine beim Denken zu.

Christopher Olah hat an dem Projekt mitgearbeitet. Das wird uns und ihn in Zukunft noch an künstlicher Intelligenz faszinieren: 

"Wir werden womöglich etwas darüber herausfinden, was es bedeutet, Bilder zu sehen oder zu verstehen, wenn wir untersuchen, wie unsere Modelle die Probleme lösen. Damit könnten wir zum Beispiel etwas Tiefgründiges über unsere Sprache erfahren. Was Sprache ist, wie sie funktioniert."

Christopher Olah

Durch die Lernmaschinen werden wir in den nächsten Jahren viel über uns selbst erfahren. Vermutlich wird unser Leben durch künstliche Intelligenz noch komfortabler, bequemer werden. Dazu müssen die Maschinen uns natürlich auch besser kennen lernen. Für jeden von uns stellt sich dann eine Frage: Will ich das?


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Michael G., Dienstag, 26.Januar, 12:31 Uhr

3. KI

Warum schaffen wir den Menschen eigentlich nicht gleich ab? Wenn uns irgendwann alle eigenständigen Entscheidungen abgenommen werden, ist das eine gruselige Vorstellung. Wie auch in allen anderen Bereichen, werden dann diejenigen Kreise das Sagen haben, die das Geld haben, sich die entsprechenden Wissenschaftler und das Know How zu kaufen. Dass dieses dann überwiegend zum Wohle der Gesellschaft oder der Menschheit eingesetzt werden würde, daran glauben nur unverbesserliche Optimisten. Schon heute erleben wir, wie Megakonzerne beginnen, praktisch das gesamte Leben zu dominieren und zu manipulieren. Ich schätze, bis die Politik merkt oder merken will, was das da geschieht, ist es, wie so oft, zu spät um gegenzusteuern. Demokratie wird dann nur noch ein Synonym für eine verschwommene Erinnerung an vergangene Zeiten sein.

Dietlinde Küpper, Dienstag, 26.Januar, 12:30 Uhr

2. Maschinen, Maschinen, ich hör dir trapsen...

Die uralte Frage: Wer will/wird Macht über wen gewinnen?

Oder rein praktisch: Darf ich gefälligst in ein paar Jahren noch eigenständig Auto fahren oder einkaufen, wenn ich das möchte?

Jannes, Dienstag, 26.Januar, 12:03 Uhr

1. Gute Frage!

"Für jeden von uns stellt sich dann eine Frage: Will ich das?"
Für mich stellt sich vor allem die Frage: "Wie viel werde ich wollen müssen?" Es ist doch jetzt schon so, dass von einem erwartet wird, eine Email-Adresse zu haben. Viele Firmen weigern sich jetzt schon, Papier zu verschicken. Damit brauche ich auch Internetzugang. Es steht mir irgendwie nicht frei, mich auszuklinken. Bald wird es mit "What´s App" und Ähnlichem so sein. Wir müssen ein Bankkonto haben, niemand zahlt uns mehr den Lohn bar aus. Das wird auch so bleiben, egal, wie blöd, unverschämt und kundenunfreundlich die Banken noch werden. Ganz im Gegenteil: Bargeld soll ganz weg. Fernseher ohne Internetanschluss sind bald nicht mehr zu kriegen. Man wird da auch nicht gefragt. Wenn ich da nicht mitmachen möchte, habe ich kaum eine Chance, ich habe die Wahl schon jetzt immer seltener.