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Gedenken mit anderen Augen Weiße-Rose-Ausstellung modernisiert

Am 18. Februar 1943 verteilten die Mitglieder der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" ihr letztes von sechs Flugblättern. Sophie und Hans Scholl wurden dabei vom Hörsaaldiener erwischt und mit weiteren vier Mitgliedern zum Tode verurteilt. Zum Jahrestag ist die Dauerausstellung modernisiert worden.

Von: Ulrich Trebbin

Stand: 18.02.2017

In der Familie von Markus Schmorell hat der hingerichtete Onkel Alexander bis heute einen Platz. Für den Neffen ist dieses familiäre Erbe Ansporn, sich mit dem politischen Engagement der Weißen Rose und der deutschen Vergangenheit immer wieder auseinanderzusetzen. Er ist froh, dass die Dauerausstellung  in der Denkstätte Weiße Rose am Lichthof der Münchner Universität jetzt auf einen modernen Stand gebracht ist. 

"Ich war vor einer Woche mal da und hab's gesehen und fand's schön wie's jetzt wird. Als Kind begreifst du das nicht so in dem sehr jungen Alter. Aber man kriegt mit, dass da was passiert ist, was insbesondere meine Großeltern tief getroffen und verwundet hat."

Markus Schmorell, Neffe von Weiße-Rose-Mitglied Alexander Schmorell

Erinnern mit modernen Sehgewohnheiten

Wo vorher große Stelltafeln mit Bleiwüste standen, ist jetzt eine frische und an moderne Sehgewohnheiten angepasste Ausstellung entstanden. Blaue Glastafeln sind von hinten beleuchtet. Im Hintergrund der dunkelblauen und weißen Schrift flattern weiße Blätter hinab, die natürlich an die Flugblätter der Weißen Rose erinnern, die vom obersten Stockwerk des Lichthofes hinabgefallen sind. Die Texte sind kurz gehalten und erklären den Hintergrund der Mitglieder der Weißen Rose, warum sie mehr und mehr in den Widerstand zum NS-Regime gegangen sind, oder wie sie ihre Flugblätter vervielfältigt haben.

Neuester Forschungsstand

"Wie sind Flugblätter gemacht worden, das halte ich für ganz ganz wesentlich, den jungen Menschen zu erklären. Dass die Herstellung eines Flugblattes ein enormer Aufwand war und es hochgefährlich war, weil die Abziehmaschinenen nicht verfügbar waren. Wer eine hatte, machte sich verdächtig."

Hildegard Kronawitter, Leiterin der Weiße Rose Stiftung

30.000 Besucher im Jahr 2015

Weiße-Rose-Dauerausstellung

Öffnungszeiten
Werktags 10-17 Uhr, Samstag 12.30-15.30 Uhr.

Die frühere SPD-Landtagsabgeordnete verantwortet die neue Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit vielen Fachleuten entstanden ist. Ihr war es nicht nur wichtig, hier den neuesten historischen Forschungsstand abzubilden, sondern sich vor allem an junge Leute zu wenden und auch an ein internationales Publikum. Deshalb ist die Ausstellung deutsch-englisch gehalten.

Ein Drittel der mehr als 30.000 Besucher und 800 Besucher-Gruppen des Jahres 2015 kamen nämlich aus dem Ausland in die Denkstätte. Bis heute hat die Weiße Rose einen großen Platz im Gedenken. Kaum eine andere Widerstandsgruppe ist für unseren freiheitlichen Rechtsstaat bis heute so vorbildlich, sagt der Historiker Jürgen Zarusky vom Institut für Zeitgeschichte.

"Bei der Weißen Rose ist eindeutig ein menschenrechtliches Denken vorhanden, das sich auf verschiedene Quellen stützt, auf antike Quellen. Die Flugblätter sind ja teilweise politische Philosophie, dass man merkt, wie die jungen Leute sich da eingearbeitet haben in Traditionen, die ihnen ermöglicht haben, das Regime, das sie umgab, zu verstehen, zu bewerten und Alternativen zu entwickeln."

 Jürgen Zarusky, Institut für Zeitgeschichte München

Bewährungsprobe Demokratie, damals wie heute

In Zeiten, in denen die Demokratie nicht nur in Polen, Ungarn oder den USA Bewährungsproben  zu bestehen hat, sondern auch bei uns in Deutschland, sind Figuren wie die Geschwister Scholl, Willi Graf, Christoph Probst, Kurt Huber oder eben Alexander Schmorell immer noch und wieder Menschen, an denen man sich orientieren kann, sagt der Historiker Jürgen Zarusky. Genauso sieht das auch Alexander Schmorells Neffe Markus.

"Er ist mir einfach wichtig. Er ist auch ein Vorbild. Nicht dass ich ihm nacheifern müsste, aber er war ein außergewöhnlicher Mensch und das freut mich, dass das mein Onkel war."

Markus Schmorell 


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