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Frank-Jürgen Weise Multi-Manager wird 65

Er ist derjenige, der die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Merkel umsetzen muss: Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit und des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Seit gut einem Jahr hat er die Doppelfunktion inne. Heute wird er 65 Jahre alt.

Von: Tanja Oppelt

Stand: 07.10.2016

Frank-Jürgen Weise, Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit | Bild: picture-alliance/dpa

2004 hat Frank-Jürgen Weise das Amt des Vorstandsvorsitzenden bei der Bundesagentur für Arbeit übernommen. Nach Skandalen um teure Beraterverträge, die seinem Vorgänger Florian Gerster das Amt kosteten, brachte er die BA in ruhigere Fahrwasser.

Nüchtern und verbindlich

Aus einer behäbigen langsamen Behörde wurde ein moderner, wirtschaftlich arbeitender Dienstleister. Nicht wenige sagen, Weise habe einen wesentlichen Anteil am Abbau der Arbeitslosigkeit in Deutschland. Sein Stil ist nüchtern, unprätentiös, Weise ist verbindlich im Ton, aber entschieden und wenn nötig hart in der Sache. Er selbst sieht sich als Teamplayer:

"Ich bin ein guter Anleiter von Teams. Ohne die kann man das nicht machen. Mein Gesicht ist notwendig, damit die Presse eine Projektionsfläche hat und wenn die Sache schiefgeht. Der Erfolg gehört dem Team. Wenn ich einen Beitrag leiste, dann ist es, das Zusammenwirken gut zu organisieren. Da bin ich gut."

Frank-Jürgen Weise

Pflichtbewusst

15 Jahre lang war Weise bei der Bundeswehr, bevor er als Manager in die Wirtschaft wechselte und schließlich Behördenchef wurde. Die Zeit bei der Truppe hat ihn geprägt – Pflichtbewusstsein ist ihm wichtig.

Doppelfunktion seit gut einem Jahr

Als er im vergangenen Herbst gefragt wurde, ob er neben der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg auch das nur zwei Kilometer entfernte Bundesamt für Migration und Flüchtlinge leiten könne, kam eine Ablehnung für ihn nicht in Frage.

Manager der größten gesellschaftlichen Herausforderung

Seitdem ist er für das praktische Gelingen der größten gesellschaftlichen Herausforderung in Deutschland zuständig: Die Integration der Flüchtlinge – oder der Geflüchteten, wie er sie nennt, er findet das respektvoller. Hinter Merkels umstrittenen Satz "Wir schaffen das" steht er uneingeschränkt:

"Wir haben schon viel geschafft – in einer Situation, die nicht gewünscht ist. Wir wünschen uns ja keine Fluchtgründe und dass alle nach Deutschland kommen. Aber wenn sie schon mal da sind, sind wir ein zivilisiertes, gut organisiertes Land."

Frank-Jürgen Weise

Diese gute Organisation hat ihn Nerven gekostet. Eine kleine, bisher eher unbedeutende Behörde mit gerade mal 2.000 Mitarbeitern deutschlandweit war plötzlich für über eine Million Asylsuchende zuständig.

"Beim Bundesamt war immer klar, das muss in diesem Jahr bewältigt werden, damit solche Themen von Rückstand und Unordnung nicht in das Wahljahr getragen werden. Und ich muss sagen, ich kann viel arbeiten, ich bin extrem belastbar, aber dieses Jahr hat Kraft gekostet."

Frank-Jürgen Weise

Stellenbesetzung über die Bundesagentur

Es knirschte und krachte – intern. Innerhalb eines guten Jahres sollte sich die Mitarbeiterzahl beim Bundesamt verdreifachen. Viele Stellen wurden nicht ausgeschrieben, sondern durch das Rekrutierungscenter der Bundesagentur für Arbeit besetzt – das ging schneller. Aber der Personalrat fühlte sich übergangen und reichte Klage ein.

"Einen derartigen Führungsstil haben wir noch nicht erlebt. Wir kritisieren mangelnde Information, die Mitarbeiter werden unter Druck gesetzt und ausgepresst und der Zweck heiligt die Mittel."

Personalrat Gernot Hüter

Ziel nicht erreicht

Die erste juristische Runde hat Weise verloren, das Verwaltungsgericht in Ansbach gab dem Personalrat Recht. Und auch sein großes Ziel, den Berg an unerledigten Asylanträgen bis zum Jahresende ganz abzutragen, hat er nicht erreicht – vielleicht war das auch nie realistisch. Als Rentner kann man sich Frank-Jürgen Weise nicht so recht vorstellen, auch wenn er ab heute 65 ist. Zwischenzeitlich war er sogar als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten im Gespräch. Wär das was?

"Nein das ist undenkbar, ich weiß gar nicht was ich dazu sagen soll. Ich bin jemand, der einen politischen Führungswillen versteht und den dann umsetzt. deshalb gehöre ich eindeutig in das Feld derer, die solche Dinge umsetzen und nicht in die Politik."

Frank-Jürgen Weise


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wm, Samstag, 08.Oktober, 14:01 Uhr

4. Das Geburtstagsständchen der Jungs für Weise.....

........am 20.Oktober?
Aber Hallöchen,reichlich spät.Weise hat heute Geburtstag,wird 65!

Erich, Samstag, 08.Oktober, 12:59 Uhr

3. Doppelbelastung?!

Hat der Mr. Weise,

beim Arbeitsamt nicht genug zu tun? Ist das eine Halbtagsstelle? Auch noch das Bamf managen!? Ist das auch eine Halbtagsstelle?

In Berlin beim Flughafenbau, hats Wowereit auch so gemacht, Halber Tag Bürgermeister von Berlin, Halber Tag, Vorsitzender der Flughafengesellschaft. Den Rest der Tageszeit^^ hat er entweder den Partyhengst gemacht oder in Talkshows rumkrakelt. Was ist dabei rausgekommen. Lauter Mist.

Weises Ergebnisse sind die Gleichen.

Klaus Leist, Samstag, 08.Oktober, 10:59 Uhr

2. Weise

Ich halte Weise für den besten Beamten unserer Republik, ein gelungenes Beispiel dafür, dass auch Behörden effektiv und effizient arbeiten können. Sein Wirken in der Bundesagentur ist eine reine Erfolgsgeschichte. Dass er mit dem BAMF überfordert war, war kritischen Betrachtern von Anfang an klar. So ein Chaos und Durcheinander kann nicht einmal ein verbeamteter Manager in einer derart kurzen Zeit auflösen. Wer hätte diese Herkules-Aufgaben denn sonst übernehmen sollen?
Ich kann nur hoffen, dass Herr Weise uns noch lange mit seinem klaren Blick für Problemlösungen erhalten bleibt und wünsche ihm von Herzen alles Gute zum Geburtstag! Und nein: Ich bin weder Soldat noch Mitarbeiter der BA, weder arbeitslos noch CD/SU-Mitglied.

  • Antwort von Francesco, Samstag, 08.Oktober, 13:22 Uhr

    Sorry, aber ich habe ihn nur als Schönredner und Selbstdarsteller erlebt oder sind die offiziellen (ergebnis-) Zahlen vielleicht falsch? Von Aktionismus i.S. "Einstellung von neuen Mitarbeiter/innen (Leumund!!), etc. möchte ich gar nicht sprechen. Mein Fazit: Viel Wind um nichts. McKinsey arbeitet anders....

Max Ziel, Samstag, 08.Oktober, 10:03 Uhr

1. Anti-Teamplayer

“... ich bin ein Teamplayer ...“ ist total falsch. Denn Herr Weise agiert als typischer McKinsey Manager skrupelos und sogar unverantwortlich. Nicht nur den Personalrat hat er hintergangen. Auch die Vergabe des Beratungsauftrag an McKinsey geschah eigenmächtig. Herr Weise kann eines brsonders gut: wie der Elefant im Porzellan-Laden alles zerdeppern!