20

Schokoeule versus Nikolaus Von wegen Entchristlichung

Ob Weihnachtsmarkt, Christkindl- oder Wintermarkt – darüber diskutierte lange niemand. Doch seit ein paar Jahren wähnen manche pünktlich zur Adventszeit das so genannte christliche Abendland in Gefahr, weil unsere Weihnachtsbräuche angeblich immer säkularer werden. Stimmt das?

Von: Antje Dechert

Stand: 03.12.2016

Weihnachtsmann | Bild: picture-alliance/dpa

Neben den Männern mit rotweißem Pelzmantel oder Bischofsgewand tummeln sich in den Regalreihen der Supermärkte noch ganz andere Gestalten: Schneemänner, Weihnachtswichtel und goldene Bärchen. Und damit nicht genug: Glühwein und gebrannte Mandeln kann man sich hier und da auch auf so genannten Winter- oder Lichtermärkten schmecken lassen. Dem zweiten Münchner Bürgermeister, Josef Schmid von der CSU, vergeht da glatt der Appetit.

"Wir sprechen gerade beim Münchner Christkindlmarkt, der aufs 14. Jhdt. zurückgeht und damit ein unglaublich traditionsreicher Markt ist, da sprechen wir von einer großen Brauchtumsveranstaltung. Wir sprechen von Traditionen, die wir pflegen wollen. Und darum hoaßt des bei uns Christkindlmarkt."

Josef Schmid, 2. Bürgermeister München

Großes Brauchtum und lange Traditionen? Die heutigen Christkindl-, Advents- oder Weihnachtsmärkte haben mit ihren mittelalterlichen Vorläufern ebenso wenig zu tun wie die neuen Wintermärkte:

"Weihnachtsmärkte waren früher angesetzt, um das zu beschaffen, was man selber nicht hatte, aber für Weihnachten brauchte. Das war Kleidung, das waren Gewürze für die Gebäcke und Speisen und drittens war es eventuell noch Spielzeug, das man kaufen musste, weil man es nicht herstellen konnte. Und deshalb waren die Weihnachtsmärkte relativ kurz, zwei oder drei Tage und dann gab’s auch nichts mehr."

Manfred Becker-Huberti, Brauchtumsforscher

Weihnachtsmarkt als Event: Keine Symptom der Entchristlichung

Schnee-Eule neben Nikolaus. Winter- neben Christkindlmarkt. Das habe weder mit der Säkularisierung noch mit einer vermeintlichen Entchristlichung zu tun, so Becker- Huberti. Der Weihnachtsmarkt als Event kommt in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg auf. Als es mit der Wirtschaft wieder bergauf ging, die Gabentische voller, das Angebot an Essen und Trinken reichhaltiger wurde. Entsprechend vielfältiger wurde auch das kommerzielle Angebot rund um Advent und Weihnachten.

"Das liegt nicht an der Säkularisierung, sondern das liegt daran, dass wenn ein Brauch kommerziell nutzbar ist, dass dann die Geschäftsleute das mit allen Tricks ausweiten und so lange das funktioniert wird der Brauch erweitert, bis er irgendwann platzt, weil es den Leuten auf den Geist geht und ihnen nicht mehr passt. Dann ist die Geschichte auch zu Ende."

Manfred Becker-Huberti, Brauchtumsforscher

Shitstorm von rechtsaußen

Hinter unserem bunten Weihnachtsrummel stecken vor allem wirtschaftliche Interessen. Deshalb hat auch die Münchner Flughafen GmbH ihren Weihnachtsmarkt auf dem Flughafen der bayerischen Landeshauptstadt schon vor 10 Jahren in Wintermarkt umbenannt. An der Bezeichnung Wintermarkt störte sich lange niemand. Doch im letzten Jahr brach ein Shit-Storm über die Münchner Flughafen GmbH herein. Losgetreten von einer rechtspopulistischen Website. Die Bezeichnung Wintermarkt, so der verquere Vorwurf, sei Zeugnis einer schleichenden Islamisierung unserer Gesellschaft.

Die christlichen Weihnachtssymbole, würden aus übertriebener politischer Korrektheit durch säkulare ersetzt, um den Muslimen nicht auf den Schlips zu treten. Dabei haben Muslime in der Regel kein Problem mit christlichen Weihnachtssymbolen haben, stellt der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland Ayman Mazyek klar:

"Im Gegenteil. Das erinnert Muslime an Jesus. Der ist ein wichtiger Prophet im Islam. Von daher ist das auch eine wichtige Zeit für Muslime."

Ayman Mazyek,  Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland


20

Kommentare

Inhalt kommentieren

Bitte geben Sie höchstens 1000 Zeichen ein.

Spamschutz * Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Aufgabe als Zahl ein:

Dr. Halef, Samstag, 03.Dezember, 19:10 Uhr

22. Tradition

Früher nannte man den Advent die "dunkle Zeit", in der man auf das Licht wartete.
Jeden Sonntag nur ein Kerzlein mehr und dann am Heilig Abend das große Strahlen.
Das war fast keine Geldmacherei.
Da gab es fast kein Marktgeschrei
Das war fast kein Hetzen.
Und die Nikoläuse waren Lebkuchen, auf die ein buntes Bild von einem Bischof drauf gepappt war.
Oh heilige Werbung - oh Markt - oh Bruttosozialprodukt - oh Profit - oh Heilige Kuh !
Heute wäre damit niemand zufrieden, die Bedürfnisse sind geweckt.

  • Antwort von Barbara, Sonntag, 04.Dezember, 13:10 Uhr

    Was reden Sie hier für einen Unsinn?

Dr. Halef, Samstag, 03.Dezember, 18:50 Uhr

21. "sog. christliches Abendland"

Wir dürfen nicht mehr vom "christlichen Abendland" reden, weil wir sonst in die rechte Ecke gedrängt werden?
Was soll das denn?

"Wir leben in Plemplemm-Land"

  • Antwort von Rossch, Samstag, 03.Dezember, 19:40 Uhr

    Das muss man nicht verstehen !
    Gruß an den Philosophen

Wanda, Samstag, 03.Dezember, 16:13 Uhr

20. Entchristlichung ?

Ich hätte gern den Propheten in Schokolade...

  • Antwort von Barbara, Samstag, 03.Dezember, 18:04 Uhr

    Propheten hat es nur in vorchristlicher Zeit gegeben. Seit der Geburt von Jesus Christus vor 2000 Jahren in Bethlehem gibt es keine Propheten mehr, weil Gott in Jesus Christus seinen Sohn auf die Welt gesandt hat, geboren von der Jungfrau Maria. Darum feiern wir Christen Weihnachten!

  • Antwort von Wanda, Sonntag, 04.Dezember, 20:39 Uhr

    Das sollten Sie aber keinem Moslem sagen. Im Islam ist Isa ben Maryam (= Jesus) lediglich ein Prophet als Vorläufer Mohammeds...

sebastian, Samstag, 03.Dezember, 15:31 Uhr

19.

Und viele wissen nicht einmal, was an Weihnachten gefeiert wird - geschweige dann an Ostern und Pfingsten.

Johanna , Samstag, 03.Dezember, 15:18 Uhr

18. Keine anderen Probleme ?!

Was soll dieser ganze Zirkus und die Aufregung über Weihnachtsmänner oder Nikoläuse, Schneemänner und Goldbärchen ?!
Habt Ihr keine anderen Sorgen, dann seid Ihr zu beneiden !
Im übrigen ist es schon seltsam, dass immer mehr Leute, die nie (oder nur zu Weihnachten) eine Kirche besuchen bzw. aus der längst ausgetreten sind, sich so ums christliche Abendland sorgen !!
P.S.
Ach ja, und bitte stellt ja keinen Weihnachtsbaum auf (heidnische Herkunft) und legt auch noch moderne Geschenke wie Smartphones etc. darunter - das geht gar nicht ! Nach christlicher Tradition sind da Weihrauch, Myhre und Gold angebracht.

  • Antwort von Wolf, Samstag, 03.Dezember, 15:23 Uhr

    Je beziehungsloser der Mensch ist, umso anfälliger ist er für totale Richtungen. Darum: Haltet alte Traditionen in Ehren. Ein bisschen etwas fürs Herz brauchen alle.

  • Antwort von Barbara, Samstag, 03.Dezember, 16:00 Uhr

    Johanna, Weihrauch, Myrrhe (aromatisches Harz) und Gold sind die Gaben der Heiligen Drei Könige, deren Gebeine im Kölner Dom ruhen. Diese Gaben wurden von den Königen nicht bei der Geburt zu Weihnachten überreicht, sondern erst später, als Christus schon geboren war.