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Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen Was kostet die Kirche?

Hochzeiten, Taufen oder Beerdigungen – dafür verlangen Kirchengemeinden oft extra Geld. Dabei gibt es doch die Kirchensteuer. Müsste diese nicht die Kosten für kirchliche Feste decken?

Von: Markus Kaiser, Martin Jarde

Stand: 14.11.2017

Sie steht alleine auf einem grünen Hügel und ist umgeben von Bäumen, Wiesen und Feldern: Die Wallfahrtskirche Herrnrast im Landkreis Pfaffenhofen. Für Brautpaare von nah und fern ist sie eine beliebte Hochzeitskirche, die schöne Fotos mit Naturidylle verspricht. Für den zuständigen Pfarrverband Ilmmünster sind die vielen Hochzeiten jedoch ein hoher Mehraufwand mit zusätzlichen Kosten, da die meisten Brautpaare nicht zur Gemeinde gehören, sagt Pfarrer Georg Martin. Zum Beispiel fallen Kosten für die Reinigung der alten Kirche, in der es weder Strom noch Wasser gibt.

"Das heißt jeder Wassereimer zum Putzen muss da einfach rausgebracht werden. Die Kirche steht ja einsam im Wald, das heißt wir müssen die zusperren. Jedes Mal wenn da jemand rein will, braucht man jemanden, der mit Schlüssel rausfährt. Ob das die Besichtigung ist für das Brautpaar, ob das eine Musik ist, die vorher proben will. Jedes Mal müssen die Mesner rausfahren und da kommen etliche Stunden zusammen."

Pfarrer Georg Martin

Katholische Kirche regelt Gebühren bayernweit einheitlich

Für solche Fälle erlaubt die katholische Kirche ihren Gemeinden, von auswärtigen Personen extra Gebühren für Hochzeiten oder Beerdigungen zu verlangen. Ein Brautpaar, das einer anderen Gemeinde oder gar keiner angehört, bezahlt für eine Hochzeit in der Kirche Herrnrast 250 Euro Miete, ein Organist kostet zusätzlich 50 Euro. Diese Kosten bestimmt die Gemeinde selbst, sie müssen aber in einem angemessenen Verhältnis zum entstandenen Aufwand stehen - das kontrollieren die Bistümer regelmäßig.

Doch auch für Menschen, die der Gemeinde angehören, sind Trauungen und Beerdigungen nicht kostenlos. Sie bezahlen die sogenannten "Stolgebühren". In Bayern sind diese allgemein festgelegt: Bei Trauungen betragen sie 25 Euro, bei Beerdigungen 32,50 Euro. Auf Taufen werden keine Stolgebühren erhoben.

Menschen mit wenig Geld, zahlen nichts

Der Pfarrer kann auf die Stolgebühren auch verzichten, zum Beispiel bei Menschen, die wenig Geld zur Verfügung haben. Die Gebühren sollen die Gemeindeverwaltung stärken, da nicht alle Kosten von der Kirchensteuer gedeckt sind.

Anderes Finanzierungsmodell bei evangelischer Kirche

Während die katholischen Stolgebühren bayernweit festgelegt sind, sind evangelische Gemeinden flexibler. Hier werden die Zusatzkosten "Kasualgebühren" genannt. Gemeinden können sie für Trauungen, Taufen und Beerdigungen verlangen und ihre Höhe frei bestimmen. Dies hat seinen Grund im Finanzierungsmodell der evangelischen Gemeinden.

"Bei uns ist es so, dass die Kirchengemeinden ihren Anteil an den Kirchensteuern bekommen im Verhältnis zu ihren Gemeindegliedern. Also die großen Gemeinden kriegen viel Geld und die kleinen mit 80 oder 100 Gemeindegliedern kriegen wenig. Trotzdem müssen sie auch die Putz- und Heizkosten für die Kirche zahlen und deswegen haben sie verhältnismäßig hohe Kosten."

Johannes Minkus, Pressesprecher der evangelischen Landeskirche

Nicht-Gemeindemitglieder zahlen mehr

Über eine gerechte Verteilung der Kirchensteuern wird innerhalb der evangelischen Kirche immer wieder debattiert. Und auch hier kontrolliert die Kirchenleitung, ob die Höhe der Kosten für den Aufwand angemessen ist.  Und auch in der evangelischen Kirche gilt: Menschen, die nicht der Gemeinde angehören zahlen mehr: In einer Nürnberger Gemeinde zum Beispiel kostet eine Trauung für Gemeindemitglieder 75 Euro, für Auswärtige 100 Euro.

Was darf das "Ja-Wort" kosten? Diese Frage beschäftigt auch Johann-Jakob Wulf. Er ist freier Hochzeitsredner und kümmert sich mit seiner Münchner Agentur "Strauß & Fliege" um Paare, die nicht kirchlich heiraten wollen und sich hierfür eine festliche Zeremonie wünschen.

1.200 Euro für freie Hochzeitsrede

Der freie Hochzeitsredner investiert viel Zeit in die Vorbereitung seiner Rede: Er trifft sich mehrmals mit dem Paar und telefoniert sogar mit ihren Freunden und Verwandten, um seine Rede perfekt vorbereiten zu können. Für eine Hochzeit investiert er 20 bis 30 Arbeitsstunden und das hat seinen Preis. Johann-Jakob Wulf verlangt je nach Aufwand mindestens 1.200 Euro für seine Rede.

"Ich hab auch eine Absage mal gekriegt: Du bist zu teuer, wir gehen in die Kirche, Gott ist billiger. Aber, wenn ich 20 bis 30 Stunden brauche und man mal überlegt, wenn Du dein Auto in die Reparatur bringst und der ist da 30 Stunden mit beschäftigt, bist Du beim Doppelten."

Johann-Jakob Wulf, freier Hochzeitsredner

Zeremonien kosten Geld, egal ob bei einer freien oder bei einer kirchlichen Trauung, ob bei einer Taufe oder einer Beerdigung. Verglichen mit den Konditionen auf dem freien Markt, wirken die Kosten der Kirchen aber tatsächlich eher günstig.


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Kommentare

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Barbara, Mittwoch, 15.November, 13:29 Uhr

8. Aus den Beiträgen ist zu entnehmen, daß die Leute von Kirchengeschichte

keine Ahnung haben. Da wird ständig gegen "die Kirche" gehetzt und das, obwohl diese Leute NULL Ahnung von Kirchengeschichte haben. Mit solchen Leuten ist es schwer, zu diskutieren. Diesen Leute empfehle ich, erst einmal die Kirchengeschichte genauer nachzulesen, anstatt ständig nur Hetze und Dummheiten gegen die Kirche öffentlich zu verbreiten.

Squareman, Mittwoch, 15.November, 07:33 Uhr

7. Teuer

Die Kirche ist dem Staat lieb und teuer. Die Trennung von Staat und Kirche steht nur auf dem Papier. Warum zum Beispiel sind Angestellte kirchlicher Einrichtungen Arbeitnehmer zweiter Klasse? Da darf eine Putzfrau nicht arbeiten weil sie Muslima ist, aber für umsonst als ein Euro Job war sie gut genug. Oft ist es so das eine staatliche Schule oder Kindergarten schließen muß und dann übernimmt die Kirche und der Staat zahlt weiterhin. Auch die Kirchensteuer gehört abgeschafft, wer unbedingt zahlen will kann das ja gerne tun, aber der Glaube ist nun mal reine Privatsache. Es wird Zeit das die im Grundgesetz festgeschriebene Trennung von Kirche und Staat auch umgesetzt wird.

urs, Dienstag, 14.November, 18:17 Uhr

6.

Dass Woche für Woche ... Millionen Euros für Polizei, Beschädigungen, ... wegen Fussball-Spielen die Oeffentlichkeit bezahlen muss, regt offenbar niemanden auf.

  • Antwort von Squareman, Mittwoch, 15.November, 07:35 Uhr

    Dann bin ich keiner. Diese Kosten sollten den Vereinen in Rechnung gestellt werden.

Wanda, Dienstag, 14.November, 16:36 Uhr

5. Unkenntlich

Man schaue nach Lateinamerika in die in die katholischen "Erblande". Da gibt´s zwar keine Kirchensteuer aber wer was von der Kirche oder ihren Priestern will, der bekommt eine Preis-/Leistungsliste. Soviel zu einer der Nachfolge-Konfessionen des armen, sandalentragenden Nazarener Wanderpredigers (auch Jesus genannt). Angeblich hatte der seinen Anhängern und deren Nachfolgern geboten "Ihr sollt die Ärmsten der Armen sein", oder bin ich da irgendwie falsch informiert ?
Von der so simplen Lehre dieses Rabbi ist fast alles unter dem Wust und den Verkrustungen von Riten, Regeln, Pomp und Brimborium sowie Privilegien und Hierarchien der röm.-kath. Amtskirche verschwunden...
Ich stelle mir dann als Gegensatz den staubbedeckten, wandernden Nazarener in roten Schuhen, Mitra, brokat-gewandet und mit goldenem Stab vor. Geht jedoch irgendwie nicht zusammen. Wenn der heute in den Petersdom käme, würde er vermutlich erneut eine gewaltsame Tempelaustreibung vornehmen.,.

Barbara, Dienstag, 14.November, 16:24 Uhr

4. Was kostet die Kirche? Die Kirche kostet überhaupt nichts.

Wenn es die Kirche nicht gäbe, ginge es überall drunter und drüber! Es war die katholische Kirche, die die Grundlage für die Menschenrechte geschaffen hat. Das zivilisierte Staatswesen haben wir der katholischen Kirche zu verdanken. Würden alle katholischen Einrichtungen und Sozialstationen zumachen, dann wäre unser gesellschaftliches Leben ein Chaos. Frage also nicht: "Was kostet die Kirche?" Sondern frage dich selbst, ob du jeden Tag wenigstens ein Vaterunser betest, denn nur das Gebet kann dich vor dem ewigen Tod retten!

  • Antwort von civis ignobilis, Dienstag, 14.November, 18:30 Uhr

    Meines Wissens kommen die Menschenrechte, wie wir sie kennen, von den Denkern der Aufklärung (Locke, Rousseau etc.). Mit den Ideen von Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit (auch Freiheit von Lehre und Forschung) oder der Abschaffung der Privilegien des 1. und 2. Standes (s. a. Gleichheit aller vor dem Gesetz und Steuergleichheit) hat sich insbesondere die Katholische Kirche immer etwas schwer getan und hat solches Gedankengut meist intensiv bekämpft (s. Inquisition oder durch den Index der für Katholiken verbotenen Bücher). Entsprechend waren die Denker der Aufklärung - vorsichtig ausgedrückt - oft nicht besonders kirchennah. Und ob die Staaten wirklich zivilisierter waren, als Staat und Kirche noch nicht getrennt waren (also im Mittelalter oder in der Frühen Neuzeit), wage ich dann doch zu bezweifeln, wenn ich mir die Geschichte dieser Zeit ansehe. Was die caritativen Einrichtungen anbetrifft, haben Sie aber sicherlich recht, dass sie ein Gewinn für die Gesellschaft sind.

  • Antwort von EMGI, Dienstag, 14.November, 19:47 Uhr

    Bliebe nur noch zu ergänzen, dass die caritativen Einrichtungen sämtlich vom Staat = Steuerzahler finanziert werden und kein Cent aus der Kirchensteuer da einfließt. Dafür nimmt sich die Kirche unter Missachtung der Maxime, wer zahlt schafft an, heraus, dass diese Einrichtungen sog. Tendenzbetriebe sind, in denen die Kirche dann ihre Vorstellungen von Moral durchboxen darf, was mittlerweile Gott sei Dank aufgeweicht wird. Die sich scheidenden lassende Kinderbetreuerin muss den kirchlichen Kindergarten mit zunehmender Tendenz nicht mehr verlassen. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die Weltreligionen dazu beitragen, diesen Planeten durch den irrealen Glauben an ein höheres Wesen (jeder hat sein eigenes) erheblich unsicherer zu machen. John Lennon hat das in Imagine so schön besungen.

  • Antwort von Wanda, Dienstag, 14.November, 21:15 Uhr

    @Barbara:
    - zu oft im Geschichtsunterricht gefehlt ?

  • Antwort von Squareman, Mittwoch, 15.November, 07:44 Uhr

    Schones Marchen das sie hier erzählen. Die Kirche hatte Jahrhunderte mit Menschenrechten nichts am Hut. Nur so zum Beispiel die Hexenverfolgung, die Zwangsmissionierungen, die Inquisition, unzählige Kriege usw. Frauen und Arbeitnehmer werden von der Kirche immer noch diskriminiert. Erzählen sie also bitte nicht die Kirche hätte die Menschenrechte erfunden.

  • Antwort von Barbara, Mittwoch, 15.November, 13:37 Uhr

    Wenn nur diejenigen Beiträge freigeschaltet werden, die gegen die Kirche hetzen, und die Gegenargumente nicht freigeschaltet werden, dann ist eben eine sinnvolle Diskussion nicht möglich.